Kurzüberblick
Clostridioides difficile ist der häufigste Erreger der antibiotikaassoziierten Diarrhö und eine der häufigsten nosokomialen Infektionen. Krank machen die Toxine A und B [1][2].
Die Therapie beginnt mit dem Absetzen des auslösenden Antibiotikums. Behandelt wird oral mit Vancomycin oder Fidaxomicin. Ab dem zweiten Rezidiv ist der fäkale Mikrobiomtransfer (FMT) die wirksamste Option [3][4][5]. Hygiene ist so wichtig wie die Therapie: Alkohol tötet die Sporen nicht ab [1].
Die Farben der Karten stehen für Erstepisode, Rezidiv und fulminante CDI. Sie finden sich bei der Therapiedauer wieder.
Grundlage sind die Leitlinien von ESCMID [3], IDSA/SHEA [4], die Schweizer Empfehlungen 2026 [5], die S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen [6][7] und die KRINKO-Empfehlung [1].
Infektiologische Rücksprache mit dem ABS-Team bzw. dem infektiologischen Konsildienst bei fulminanter CDI, ab dem zweiten Rezidiv und vor einem FMT.
Red Flags
| Befund | Konsequenz |
|---|---|
| Hypotonie, Schock, Laktat über 2 mmol/l | fulminante CDI: Intensivstation, Karte „Fulminante CDI“ [3][5] |
| Ileus, aufgetriebener Bauch, Kolon über 6 cm (Megakolon), Peritonismus | sofort chirurgisches Konsil (Loop-Ileostomie oder Kolektomie) [3][8] |
| Leukozyten über 15 G/l, Kreatininanstieg über 50 %, Fieber über 38,5 °C | schwere CDI: engmaschig überwachen [3] |
| Rasche Verschlechterung unter Therapie | Bildgebung, chirurgische Mitbeurteilung [3] |
| Zweites Rezidiv | FMT planen, infektiologische Rücksprache [3][5] |
Definition, Risikofaktoren und Schweregrade
Begriffe: CDI, CDAD und Besiedlung
- CDI (Clostridioides-difficile-Infektion): passende Klinik, meist Durchfall mit mindestens 3 ungeformten Stühlen in 24 h, seltener Ileus oder Megakolon ohne Durchfall, plus Nachweis von Toxin bzw. toxinbildendem C. difficile oder eine pseudomembranöse Kolitis [3][1].
- CDAD (C.-difficile-assoziierte Diarrhö) ist der ältere Begriff. Er meint dasselbe, erfasst aber Verläufe ohne Durchfall nicht. Leitlinien und KRINKO verwenden heute CDI. Diese Fibel ebenso.
- Besiedlung ohne Symptome ist keine CDI: nicht testen, nicht behandeln [9].
Risikofaktoren
- Antibiotika in den letzten Wochen, besonders die „4 C“: Clindamycin, Chinolone (Fluorchinolone), Cephalosporine und Co-Amoxiclav (Aminopenicillin mit Betalaktamasehemmer) [1]. Grundsätzlich kann jedes Antibiotikum eine CDI auslösen
- Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker: Risiko 2- bis 3-fach [2]
- Alter über 65 Jahre, Krankenhausaufenthalt [1]
| Schweregrad | Kriterien |
|---|---|
| nicht schwer | keines der folgenden Kriterien |
| schwer | Fieber über 38,5 °C, Leukozyten über 15 G/l oder Kreatinin über 1,5 mg/dl bzw. Anstieg über 50 % |
| fulminant | Hypotonie, septischer Schock, Laktat über 2 mmol/l, Ileus, toxisches Megakolon, Perforation, rasche Verschlechterung |
Erhöhtes Rezidivrisiko: Alter über 65 Jahre, frühere CDI, nosokomiale CDI bzw. Krankenhausaufenthalt in den letzten 3 Monaten, Antibiotika über die CDI-Diagnose hinaus, neu begonnener Protonenpumpenhemmer [3].
Diagnostik
- Wer wird getestet? Nur ungeformter Stuhl, mindestens 3 Episoden in 24 h, ohne andere Erklärung [9][1]. Bei Ileus Rektalabstrich. Kinder unter 2 Jahren nur gezielt, da sie oft besiedelt sind [1].
- Zweistufig: Suchtest (GDH oder NAAT), bei positivem Ergebnis Toxin-Nachweis (EIA) [9]. Suchtest positiv und Toxin negativ: Besiedlung möglich, klinisch entscheiden.
- Keine Kontrolluntersuchung nach der Therapie (kein „test of cure“) [1][10].
- Koloskopie nicht zur Diagnosesicherung. Eine pseudomembranöse Kolitis kann sie aber zeigen [1].
| Methode | Bewertung |
|---|---|
| Glutamatdehydrogenase (GDH) | Suchtest, hohe Sensitivität und hoher negativer prädiktiver Wert |
| NAAT (Nukleinsäure-Amplifikation) | Suchtest. Nicht als alleiniger Test, da er auch Besiedlung erfasst |
| Toxin A/B (EIA) | Bestätigungstest nach positivem Suchtest |
| toxigene Kultur | Speziallabor: Ribotypisierung, Resistenztestung, Ausbrüche |
Therapie
Begleitmaßnahmen
- Auslösendes Antibiotikum absetzen. Wenn eine Antibiose weiter nötig ist, ein Mittel mit geringerem CDI-Risiko wählen [3].
- Volumen und Elektrolyte ersetzen.
- Indikation für Protonenpumpenhemmer prüfen [3][1].
- Keine Motilitätshemmer (z. B. Loperamid), keine Probiotika [3].
Erstepisode (nicht schwer und schwer)
- 1. Wahl
- Vancomycin – 4x 125 mg po für 10 Tage
- bei erhöhtem Rezidivrisiko (Alter über 65 Jahre plus mindestens ein weiterer Faktor)
- Fidaxomicin – 2x 200 mg po für 10 Tage
- oder Fidaxomicin – 2x 200 mg po an Tag 1–5, dann 1x 200 mg jeden 2. Tag an Tag 7–25 (extended-pulsed)
- Hinweise
- Die S2k-Leitlinie nennt primär Vancomycin oder, besonders bei erhöhtem Rezidivrisiko, Fidaxomicin [7]. ESCMID, IDSA und SSI bevorzugen Fidaxomicin für alle [3][4][5].
- Fidaxomicin senkt Rezidive, ist aber deutlich teurer: Einsatz bei erhöhtem Rezidivrisiko, Rücksprache mit dem ABS-Team.
- Keine Erhöhung auf 4x 500 mg bei schwerer, nicht fulminanter CDI [3].
- Metronidazol ist zur Therapie der CDI nicht mehr geeignet. ESCMID sieht es nur vor, wenn Vancomycin und Fidaxomicin nicht verfügbar sind [3], was in Deutschland nicht zutrifft. Es bleibt nur als i.v.-Zusatz bei fulminanter CDI.
Erstes Rezidiv (innerhalb von 8 Wochen)
- nach Vancomycin
- Fidaxomicin – 2x 200 mg po für 10 Tage
- oder Fidaxomicin – 2x 200 mg po an Tag 1–5, dann 1x 200 mg jeden 2. Tag an Tag 7–25 (extended-pulsed)
- nach Fidaxomicin
- Vancomycin – 4x 125 mg po für 10 Tage
- oder Ausschleich- und Pulsschema (siehe unten)
- Hinweise
- Nach ESCMID und SSI [3][5]. Bei sehr hohem Rezidivrisiko kann ein FMT schon jetzt erwogen werden [5][10].
- Bezlotoxumab ist seit 2025 nicht mehr erhältlich. Die EU-Zulassung ist widerrufen [11].
Ab dem zweiten Rezidiv
- 1. Wahl
- Fäkaler Mikrobiomtransfer (FMT) nach antibiotischer Vorbehandlung (10 Tage Vancomycin oder Fidaxomicin) [3][5]
- in Deutschland nur in Zentren. Bezugsweg frühzeitig klären [7]
- ohne Zugang zum FMT
- Vancomycin als Ausschleich- und Pulsschema
- oder Fidaxomicin – 2x 200 mg po an Tag 1–5, dann 1x 200 mg jeden 2. Tag an Tag 7–25 (extended-pulsed)
- Hinweise
- Das Ausschleich- und Pulsschema ist deutlich weniger wirksam als der FMT [5].
- Industriell hergestellte Mikrobiota-Präparate sind in der EU nicht zugelassen [5].

Ausschleich- und Pulsschema mit Vancomycin
4x 125 mg po für 14 Tage → 2x 125 mg für 7 Tage → 1x 125 mg für 7 Tage → 125 mg jeden 2. Tag für 7 Tage → 125 mg jeden 3. Tag für 7 Tage (insgesamt 6 Wochen) [3][5].
Fulminante CDI
Hypotonie, Schock, Laktat erhöht, Ileus, toxisches Megakolon oder Perforation.
- Therapie
- Vancomycin – 4x 500 mg po bzw. über Magensonde
- plus Metronidazol – 3x 500 mg iv
- bei Ileus zusätzlich
- Vancomycin – 500 mg rektal alle 6 h als Einlauf. Zubereitung mit der Apotheke festlegen
- sofort
- chirurgisches Konsil (Loop-Ileostomie oder Kolektomie), Intensivstation [3][8]
- Hinweise
- Schema nach IDSA, SSI und AGA [8][5][10]. Die Fachinformation erlaubt bis 4x 500 mg [12]. ESCMID hält 4x 125 mg für ausreichend und gibt Metronidazol oder Tigecyclin i.v. nur als Zusatz [3].
- Fidaxomicin ist bei fulminanter CDI nicht untersucht [4].
- Ist eine Operation nicht möglich, kann ein FMT als Rettungstherapie erwogen werden [3].

Keine orale Einnahme möglich (ohne Ileus)
Vancomycin 4x 125 mg über die Magensonde [3]. Metronidazol i.v. nur bei fulminanter CDI.
Hygiene
- Einzelzimmer mit eigener Nasszelle. Schutzkittel und Handschuhe bei Kontakt [1].
- Hände desinfizieren und zusätzlich waschen: Alkohol tötet Sporen nicht ab [1].
- Sporozide Flächen- und Schlussdesinfektion [1].
- Isolierung bis mindestens 48 h nach Ende der Durchfälle [1].
Meldepflicht
Namentlich zu melden ist die CDI mit klinisch schwerem Verlauf, spätestens 24 h nach Kenntnis (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a Buchst. b IfSG) [13][2]. Ein schwerer Verlauf liegt vor bei:
- stationärer Aufnahme wegen einer ambulant erworbenen CDI,
- Verlegung auf eine Intensivstation wegen der CDI oder ihrer Komplikationen,
- Operation (z. B. Kolektomie) wegen Megakolon, Perforation oder refraktärer Kolitis,
- Tod innerhalb von 30 Tagen nach Diagnose mit CDI als Ursache oder Mitursache.
Zwei oder mehr nosokomiale Infektionen mit vermutetem Zusammenhang sind als Häufung zu melden (§ 6 Abs. 3 IfSG) [13]. Der meldepflichtige „schwere Verlauf“ ist nicht dasselbe wie die klinische Schweregradeinteilung.
Sachsen: Dort sind Erkrankung und Tod an jeder CDI mit toxinbildenden Stämmen namentlich meldepflichtig, unabhängig vom Schweregrad [14]. Auch andere Länder können ergänzende Regeln haben.
Prophylaxe
- Probiotika werden nicht empfohlen [3].
- Keine Vancomycin-Prophylaxe bei jeder Antibiose [3][10].
- Nur bei sehr ausgewählten Patienten mit mehrfachen Rezidiven, die erneut Antibiotika brauchen, kann eine Prophylaxe nach infektiologischer Rücksprache erwogen werden. Eine Dosis legt keine Leitlinie fest [3].
- Wichtigste Vorbeugung: Antibiotika und Protonenpumpenhemmer nur bei klarer Indikation.
Therapiedauer
| Situation | Dauer |
|---|---|
| Erstepisode | 10 Tage (Fidaxomicin extended-pulsed 25 Tage) |
| Erstes Rezidiv | 10 Tage bzw. Schema |
| Ausschleich- und Pulsschema | 6 Wochen |
| Fulminante CDI | 10 Tage, nach Verlauf |
Blau Erstepisode, orange Rezidiv, grau fulminante CDI. Nicht über 10–14 Tage verlängern, auch wenn die Begleitantibiose weiterläuft [3].
Schwangerschaft und Nierenfunktion
- Schwangerschaft: orales Vancomycin bevorzugen. Fidaxomicin nach Abwägung [3].
- Orales Vancomycin und Fidaxomicin werden kaum resorbiert und brauchen keine Anpassung an die Nierenfunktion [15][12].
Erreger
Clostridioides difficile ist ein anaerobes, grampositives, sporenbildendes Stäbchen. Die Sporen sind sehr umweltstabil und werden durch Alkohol nicht abgetötet [1]. Krankheitsauslösend sind Toxin A (Enterotoxin) und Toxin B (Zytotoxin). Manche Stämme bilden nur Toxin B. Hypervirulente Stämme bilden zusätzlich das binäre Toxin, das das Aktinskelett der Kolonzellen zerstört [1].
In Deutschland sinkt die Häufigkeit [16]. Der hypervirulente Ribotyp 027 ist selten geworden (0,6 %), bei schweren Verläufen und Ausbrüchen aber noch in 16 % zu finden. Resistenzen gegen Vancomycin und Fidaxomicin wurden nicht gefunden [17].
Quellen & Hinweise
- [1] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI. Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile-Infektion (CDI). Bundesgesundheitsbl. 2019;62:906–923. doi:10.1007/s00103-019-02959-1
- [2] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Clostridioides difficile. Stand 22.01.2025. rki.de
- [3] van Prehn J, Reigadas E, Vogelzang EH, et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect. 2021;27 Suppl 2:S1–S21. doi:10.1016/j.cmi.2021.09.038
- [4] Johnson S, Lavergne V, Skinner AM, et al. Clinical Practice Guideline by IDSA and SHEA: 2021 Focused Update Guidelines on Management of Clostridioides difficile Infection in Adults. Clin Infect Dis. 2021;73(5):e1029–e1044. doi:10.1093/cid/ciab549
- [5] Guery B, Albrich WC, Brugger SD, et al. 2026 Swiss Society for Infectious Diseases recommendations for Clostridioides difficile infection. Swiss Med Wkly. 2026;156:5395. doi:10.57187/5395
- [6] Manthey CF, Epple HJ, Keller KM, et al. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der DGVS (AWMF 021-024). Z Gastroenterol. 2024;62(7):1090–1149. doi:10.1055/a-2240-1428
- [7] Manthey CF, Lohse AW. Die neue Leitlinie gastrointestinale Infektionen. Dtsch Med Wochenschr. 2024;149(12):709–713. doi:10.1055/a-2183-6418
- [8] McDonald LC, Gerding DN, Johnson S, et al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by IDSA and SHEA. Clin Infect Dis. 2018;66(7):e1–e48. doi:10.1093/cid/cix1085
- [9] Crobach MJT, Planche T, Eckert C, et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: update of the diagnostic guidance document for Clostridium difficile infection. Clin Microbiol Infect. 2016;22 Suppl 4:S63–S81. doi:10.1016/j.cmi.2016.03.010
- [10] Fischer M, Vaughn BP, Peery AF, Kelly CR. AGA Clinical Practice Update on Management of Clostridioides difficile Infection in Adults: Expert Review. Clin Gastroenterol Hepatol. 2026;24(9):2359–2369. doi:10.1016/j.cgh.2026.05.007
- [11] European Medicines Agency. Zinplava (bezlotoxumab): Withdrawn. ema.europa.eu (abgerufen 21.10.2026).
- [12] European Medicines Agency. Vancomycin – Article 31 referral, Annex III (Produktinformation). ema.europa.eu
- [13] Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 6. gesetze-im-internet.de (abgerufen 21.10.2026).
- [14] Sächsische Infektionsschutz-Meldeverordnung (SächsIfSMeldeVO) vom 19. Juli 2024, SächsGVBl. 2024 Nr. 9, S. 745, § 1 Abs. 1 Nr. 5; gültig ab 17.08.2024. revosax.sachsen.de (abgerufen 21.10.2026).
- [15] European Medicines Agency. Dificlir (fidaxomicin): Produktinformation. ema.europa.eu
- [16] Seiffert A, Noack S, Wingen-Heimann S, et al. Epidemiology and Course of Clostridioides difficile Infections in Germany: Retrospective Analysis of German Health Claims Data. Infect Dis Ther. 2025;14(10):2341–2357. doi:10.1007/s40121-025-01223-1
- [17] Abdrabou AM, Schneider JS, Berger FK, et al. Tracking Clostridioides difficile in Germany: Active prospective surveillance progress and molecular epidemiological trends. Int J Med Microbiol. 2026;323:151742. doi:10.1016/j.ijmm.2026.151742
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