Clostridioides-difficile-Infektion

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 21.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 25.10.2026

Kurzüberblick

Clostridioides difficile ist der häufigste Erreger der antibiotikaassoziierten Diarrhö und eine der häufigsten nosokomialen Infektionen. Krank machen die Toxine A und B [1][2].

Die Therapie beginnt mit dem Absetzen des auslösenden Antibiotikums. Behandelt wird oral mit Vancomycin oder Fidaxomicin. Ab dem zweiten Rezidiv ist der fäkale Mikrobiomtransfer (FMT) die wirksamste Option [3][4][5]. Hygiene ist so wichtig wie die Therapie: Alkohol tötet die Sporen nicht ab [1].

Die Farben der Karten stehen für Erstepisode, Rezidiv und fulminante CDI. Sie finden sich bei der Therapiedauer wieder.

Grundlage sind die Leitlinien von ESCMID [3], IDSA/SHEA [4], die Schweizer Empfehlungen 2026 [5], die S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen [6][7] und die KRINKO-Empfehlung [1].

Infektiologische Rücksprache mit dem ABS-Team bzw. dem infektiologischen Konsildienst bei fulminanter CDI, ab dem zweiten Rezidiv und vor einem FMT.

Red Flags

BefundKonsequenz
Hypotonie, Schock, Laktat über 2 mmol/lfulminante CDI: Intensivstation, Karte „Fulminante CDI“ [3][5]
Ileus, aufgetriebener Bauch, Kolon über 6 cm (Megakolon), Peritonismussofort chirurgisches Konsil (Loop-Ileostomie oder Kolektomie) [3][8]
Leukozyten über 15 G/l, Kreatininanstieg über 50 %, Fieber über 38,5 °Cschwere CDI: engmaschig überwachen [3]
Rasche Verschlechterung unter TherapieBildgebung, chirurgische Mitbeurteilung [3]
Zweites RezidivFMT planen, infektiologische Rücksprache [3][5]

Definition, Risikofaktoren und Schweregrade

Begriffe: CDI, CDAD und Besiedlung

  • CDI (Clostridioides-difficile-Infektion): passende Klinik, meist Durchfall mit mindestens 3 ungeformten Stühlen in 24 h, seltener Ileus oder Megakolon ohne Durchfall, plus Nachweis von Toxin bzw. toxinbildendem C. difficile oder eine pseudomembranöse Kolitis [3][1].
  • CDAD (C.-difficile-assoziierte Diarrhö) ist der ältere Begriff. Er meint dasselbe, erfasst aber Verläufe ohne Durchfall nicht. Leitlinien und KRINKO verwenden heute CDI. Diese Fibel ebenso.
  • Besiedlung ohne Symptome ist keine CDI: nicht testen, nicht behandeln [9].

Risikofaktoren

  • Antibiotika in den letzten Wochen, besonders die „4 C“: Clindamycin, Chinolone (Fluorchinolone), Cephalosporine und Co-Amoxiclav (Aminopenicillin mit Betalaktamasehemmer) [1]. Grundsätzlich kann jedes Antibiotikum eine CDI auslösen
  • Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker: Risiko 2- bis 3-fach [2]
  • Alter über 65 Jahre, Krankenhausaufenthalt [1]
SchweregradKriterien
nicht schwerkeines der folgenden Kriterien
schwerFieber über 38,5 °C, Leukozyten über 15 G/l oder Kreatinin über 1,5 mg/dl bzw. Anstieg über 50 %
fulminantHypotonie, septischer Schock, Laktat über 2 mmol/l, Ileus, toxisches Megakolon, Perforation, rasche Verschlechterung
Nach ESCMID [3] und SSI [5].

Erhöhtes Rezidivrisiko: Alter über 65 Jahre, frühere CDI, nosokomiale CDI bzw. Krankenhausaufenthalt in den letzten 3 Monaten, Antibiotika über die CDI-Diagnose hinaus, neu begonnener Protonenpumpenhemmer [3].

Diagnostik

  • Wer wird getestet? Nur ungeformter Stuhl, mindestens 3 Episoden in 24 h, ohne andere Erklärung [9][1]. Bei Ileus Rektalabstrich. Kinder unter 2 Jahren nur gezielt, da sie oft besiedelt sind [1].
  • Zweistufig: Suchtest (GDH oder NAAT), bei positivem Ergebnis Toxin-Nachweis (EIA) [9]. Suchtest positiv und Toxin negativ: Besiedlung möglich, klinisch entscheiden.
  • Keine Kontrolluntersuchung nach der Therapie (kein „test of cure“) [1][10].
  • Koloskopie nicht zur Diagnosesicherung. Eine pseudomembranöse Kolitis kann sie aber zeigen [1].
MethodeBewertung
Glutamatdehydrogenase (GDH)Suchtest, hohe Sensitivität und hoher negativer prädiktiver Wert
NAAT (Nukleinsäure-Amplifikation)Suchtest. Nicht als alleiniger Test, da er auch Besiedlung erfasst
Toxin A/B (EIA)Bestätigungstest nach positivem Suchtest
toxigene KulturSpeziallabor: Ribotypisierung, Resistenztestung, Ausbrüche
Nach ESCMID [9].

Therapie

Begleitmaßnahmen

  • Auslösendes Antibiotikum absetzen. Wenn eine Antibiose weiter nötig ist, ein Mittel mit geringerem CDI-Risiko wählen [3].
  • Volumen und Elektrolyte ersetzen.
  • Indikation für Protonenpumpenhemmer prüfen [3][1].
  • Keine Motilitätshemmer (z. B. Loperamid), keine Probiotika [3].

Erstepisode (nicht schwer und schwer)

  • 1. Wahl
    • Vancomycin – 4x 125 mg po für 10 Tage
  • bei erhöhtem Rezidivrisiko (Alter über 65 Jahre plus mindestens ein weiterer Faktor)
    • Fidaxomicin – 2x 200 mg po für 10 Tage
    • oder Fidaxomicin – 2x 200 mg po an Tag 1–5, dann 1x 200 mg jeden 2. Tag an Tag 7–25 (extended-pulsed)
  • Hinweise
    • Die S2k-Leitlinie nennt primär Vancomycin oder, besonders bei erhöhtem Rezidivrisiko, Fidaxomicin [7]. ESCMID, IDSA und SSI bevorzugen Fidaxomicin für alle [3][4][5].
    • Fidaxomicin senkt Rezidive, ist aber deutlich teurer: Einsatz bei erhöhtem Rezidivrisiko, Rücksprache mit dem ABS-Team.
    • Keine Erhöhung auf 4x 500 mg bei schwerer, nicht fulminanter CDI [3].
    • Metronidazol ist zur Therapie der CDI nicht mehr geeignet. ESCMID sieht es nur vor, wenn Vancomycin und Fidaxomicin nicht verfügbar sind [3], was in Deutschland nicht zutrifft. Es bleibt nur als i.v.-Zusatz bei fulminanter CDI.

Erstes Rezidiv (innerhalb von 8 Wochen)

  • nach Vancomycin
    • Fidaxomicin – 2x 200 mg po für 10 Tage
    • oder Fidaxomicin – 2x 200 mg po an Tag 1–5, dann 1x 200 mg jeden 2. Tag an Tag 7–25 (extended-pulsed)
  • nach Fidaxomicin
    • Vancomycin – 4x 125 mg po für 10 Tage
    • oder Ausschleich- und Pulsschema (siehe unten)
  • Hinweise
    • Nach ESCMID und SSI [3][5]. Bei sehr hohem Rezidivrisiko kann ein FMT schon jetzt erwogen werden [5][10].
    • Bezlotoxumab ist seit 2025 nicht mehr erhältlich. Die EU-Zulassung ist widerrufen [11].

Ab dem zweiten Rezidiv

  • 1. Wahl
    • Fäkaler Mikrobiomtransfer (FMT) nach antibiotischer Vorbehandlung (10 Tage Vancomycin oder Fidaxomicin) [3][5]
    • in Deutschland nur in Zentren. Bezugsweg frühzeitig klären [7]
  • ohne Zugang zum FMT
    • Vancomycin als Ausschleich- und Pulsschema
    • oder Fidaxomicin – 2x 200 mg po an Tag 1–5, dann 1x 200 mg jeden 2. Tag an Tag 7–25 (extended-pulsed)
  • Hinweise
    • Das Ausschleich- und Pulsschema ist deutlich weniger wirksam als der FMT [5].
    • Industriell hergestellte Mikrobiota-Präparate sind in der EU nicht zugelassen [5].

Ausschleich- und Pulsschema mit Vancomycin

4x 125 mg po für 14 Tage → 2x 125 mg für 7 Tage → 1x 125 mg für 7 Tage → 125 mg jeden 2. Tag für 7 Tage → 125 mg jeden 3. Tag für 7 Tage (insgesamt 6 Wochen) [3][5].

Fulminante CDI

Hypotonie, Schock, Laktat erhöht, Ileus, toxisches Megakolon oder Perforation.

  • Therapie
    • Vancomycin – 4x 500 mg po bzw. über Magensonde
    • plus Metronidazol – 3x 500 mg iv
  • bei Ileus zusätzlich
    • Vancomycin – 500 mg rektal alle 6 h als Einlauf. Zubereitung mit der Apotheke festlegen
  • sofort
    • chirurgisches Konsil (Loop-Ileostomie oder Kolektomie), Intensivstation [3][8]
  • Hinweise
    • Schema nach IDSA, SSI und AGA [8][5][10]. Die Fachinformation erlaubt bis 4x 500 mg [12]. ESCMID hält 4x 125 mg für ausreichend und gibt Metronidazol oder Tigecyclin i.v. nur als Zusatz [3].
    • Fidaxomicin ist bei fulminanter CDI nicht untersucht [4].
    • Ist eine Operation nicht möglich, kann ein FMT als Rettungstherapie erwogen werden [3].

Keine orale Einnahme möglich (ohne Ileus)

Vancomycin 4x 125 mg über die Magensonde [3]. Metronidazol i.v. nur bei fulminanter CDI.

Hygiene

  • Einzelzimmer mit eigener Nasszelle. Schutzkittel und Handschuhe bei Kontakt [1].
  • Hände desinfizieren und zusätzlich waschen: Alkohol tötet Sporen nicht ab [1].
  • Sporozide Flächen- und Schlussdesinfektion [1].
  • Isolierung bis mindestens 48 h nach Ende der Durchfälle [1].

Meldepflicht

Namentlich zu melden ist die CDI mit klinisch schwerem Verlauf, spätestens 24 h nach Kenntnis (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a Buchst. b IfSG) [13][2]. Ein schwerer Verlauf liegt vor bei:

  • stationärer Aufnahme wegen einer ambulant erworbenen CDI,
  • Verlegung auf eine Intensivstation wegen der CDI oder ihrer Komplikationen,
  • Operation (z. B. Kolektomie) wegen Megakolon, Perforation oder refraktärer Kolitis,
  • Tod innerhalb von 30 Tagen nach Diagnose mit CDI als Ursache oder Mitursache.

Zwei oder mehr nosokomiale Infektionen mit vermutetem Zusammenhang sind als Häufung zu melden (§ 6 Abs. 3 IfSG) [13]. Der meldepflichtige „schwere Verlauf“ ist nicht dasselbe wie die klinische Schweregradeinteilung.

Sachsen: Dort sind Erkrankung und Tod an jeder CDI mit toxinbildenden Stämmen namentlich meldepflichtig, unabhängig vom Schweregrad [14]. Auch andere Länder können ergänzende Regeln haben.

Prophylaxe

  • Probiotika werden nicht empfohlen [3].
  • Keine Vancomycin-Prophylaxe bei jeder Antibiose [3][10].
  • Nur bei sehr ausgewählten Patienten mit mehrfachen Rezidiven, die erneut Antibiotika brauchen, kann eine Prophylaxe nach infektiologischer Rücksprache erwogen werden. Eine Dosis legt keine Leitlinie fest [3].
  • Wichtigste Vorbeugung: Antibiotika und Protonenpumpenhemmer nur bei klarer Indikation.

Therapiedauer

SituationDauer
Erstepisode10 Tage (Fidaxomicin extended-pulsed 25 Tage)
Erstes Rezidiv10 Tage bzw. Schema
Ausschleich- und Pulsschema6 Wochen
Fulminante CDI10 Tage, nach Verlauf

Blau Erstepisode, orange Rezidiv, grau fulminante CDI. Nicht über 10–14 Tage verlängern, auch wenn die Begleitantibiose weiterläuft [3].

Schwangerschaft und Nierenfunktion

  • Schwangerschaft: orales Vancomycin bevorzugen. Fidaxomicin nach Abwägung [3].
  • Orales Vancomycin und Fidaxomicin werden kaum resorbiert und brauchen keine Anpassung an die Nierenfunktion [15][12].

Erreger

Clostridioides difficile ist ein anaerobes, grampositives, sporenbildendes Stäbchen. Die Sporen sind sehr umweltstabil und werden durch Alkohol nicht abgetötet [1]. Krankheitsauslösend sind Toxin A (Enterotoxin) und Toxin B (Zytotoxin). Manche Stämme bilden nur Toxin B. Hypervirulente Stämme bilden zusätzlich das binäre Toxin, das das Aktinskelett der Kolonzellen zerstört [1].

In Deutschland sinkt die Häufigkeit [16]. Der hypervirulente Ribotyp 027 ist selten geworden (0,6 %), bei schweren Verläufen und Ausbrüchen aber noch in 16 % zu finden. Resistenzen gegen Vancomycin und Fidaxomicin wurden nicht gefunden [17].

Quellen & Hinweise

  • [1] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI. Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile-Infektion (CDI). Bundesgesundheitsbl. 2019;62:906–923. doi:10.1007/s00103-019-02959-1
  • [2] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Clostridioides difficile. Stand 22.01.2025. rki.de
  • [3] van Prehn J, Reigadas E, Vogelzang EH, et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect. 2021;27 Suppl 2:S1–S21. doi:10.1016/j.cmi.2021.09.038
  • [4] Johnson S, Lavergne V, Skinner AM, et al. Clinical Practice Guideline by IDSA and SHEA: 2021 Focused Update Guidelines on Management of Clostridioides difficile Infection in Adults. Clin Infect Dis. 2021;73(5):e1029–e1044. doi:10.1093/cid/ciab549
  • [5] Guery B, Albrich WC, Brugger SD, et al. 2026 Swiss Society for Infectious Diseases recommendations for Clostridioides difficile infection. Swiss Med Wkly. 2026;156:5395. doi:10.57187/5395
  • [6] Manthey CF, Epple HJ, Keller KM, et al. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der DGVS (AWMF 021-024). Z Gastroenterol. 2024;62(7):1090–1149. doi:10.1055/a-2240-1428
  • [7] Manthey CF, Lohse AW. Die neue Leitlinie gastrointestinale Infektionen. Dtsch Med Wochenschr. 2024;149(12):709–713. doi:10.1055/a-2183-6418
  • [8] McDonald LC, Gerding DN, Johnson S, et al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by IDSA and SHEA. Clin Infect Dis. 2018;66(7):e1–e48. doi:10.1093/cid/cix1085
  • [9] Crobach MJT, Planche T, Eckert C, et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: update of the diagnostic guidance document for Clostridium difficile infection. Clin Microbiol Infect. 2016;22 Suppl 4:S63–S81. doi:10.1016/j.cmi.2016.03.010
  • [10] Fischer M, Vaughn BP, Peery AF, Kelly CR. AGA Clinical Practice Update on Management of Clostridioides difficile Infection in Adults: Expert Review. Clin Gastroenterol Hepatol. 2026;24(9):2359–2369. doi:10.1016/j.cgh.2026.05.007
  • [11] European Medicines Agency. Zinplava (bezlotoxumab): Withdrawn. ema.europa.eu (abgerufen 21.10.2026).
  • [12] European Medicines Agency. Vancomycin – Article 31 referral, Annex III (Produktinformation). ema.europa.eu
  • [13] Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 6. gesetze-im-internet.de (abgerufen 21.10.2026).
  • [14] Sächsische Infektionsschutz-Meldeverordnung (SächsIfSMeldeVO) vom 19. Juli 2024, SächsGVBl. 2024 Nr. 9, S. 745, § 1 Abs. 1 Nr. 5; gültig ab 17.08.2024. revosax.sachsen.de (abgerufen 21.10.2026).
  • [15] European Medicines Agency. Dificlir (fidaxomicin): Produktinformation. ema.europa.eu
  • [16] Seiffert A, Noack S, Wingen-Heimann S, et al. Epidemiology and Course of Clostridioides difficile Infections in Germany: Retrospective Analysis of German Health Claims Data. Infect Dis Ther. 2025;14(10):2341–2357. doi:10.1007/s40121-025-01223-1
  • [17] Abdrabou AM, Schneider JS, Berger FK, et al. Tracking Clostridioides difficile in Germany: Active prospective surveillance progress and molecular epidemiological trends. Int J Med Microbiol. 2026;323:151742. doi:10.1016/j.ijmm.2026.151742

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