Kurzüberblick
Durchfall, der nach der Reise länger als 14 Tage anhält, ist oft parasitär bedingt. Häufigste Ursache ist Giardia lamblia, daneben Entamoeba histolytica. Kokzidien (Cryptosporidien, Cyclospora, Cystoisospora) sind seltener und betreffen vor allem Immunsupprimierte [1].
Giardien: In Deutschland ist nur Metronidazol zugelassen [1]. Nach Infektion in Südasien versagt es häufig, in einer Hamburger Kohorte in 30 % der Fälle [2]. Einen zweiten Metronidazol-Kurs nicht wiederholen [3].
Spätfolgen sind häufig: 10 Jahre nach einem Giardien-Ausbruch hatten 43 % der Betroffenen ein Reizdarmsyndrom (Kontrollen 14 %) und 26 % eine chronische Erschöpfung (Kontrollen 11 %) [4].
Siehe auch Diarrhö bei Reiserückkehrern und Amöbiasis und Amöbenleberabszess.
Steckbrief
| Erreger | Übertragung | Inkubation | Typische Klinik | Meldepflicht |
|---|---|---|---|---|
| Giardia lamblia | Wasser, Lebensmittel, von Mensch zu Mensch, auch sexuell [5][1] | meist bis 2 Wochen [5] | Blähungen, Oberbauchbeschwerden, Fettstühle, Gewichtsverlust. Häufig ohne Beschwerden. Chronisch über Monate möglich [5][1] | § 7 IfSG [6] |
| Cryptosporidium | Wasser und Badewasser, Tiere (Kälber). Gegen Chlor weitgehend unempfindlich [7] | 1–12 Tage, meist 7–10 Tage [7] | wässrige Durchfälle über 1–2 Wochen. Bei T-Zell-Defekt chronisch, auch Cholangitis [7] | § 7 IfSG [6] |
| Cyclospora cayetanensis | Obst, Gemüse, Kräuter. Nicht direkt von Mensch zu Mensch [8] | etwa 1 Woche (2 Tage bis über 2 Wochen) [8] | wässrige Durchfälle, Gewichtsverlust, ausgeprägte Müdigkeit, wechselnder Verlauf über Wochen [8] | nicht meldepflichtig |
| Cystoisospora belli | Tropen und Subtropen [1] | keine gesicherte Angabe | wässrige Durchfälle, Eosinophilie möglich. Bei T-Zell-Defekt schwer [1] | nicht meldepflichtig |
| Blastocystis, Dientamoeba fragilis | fäkal-oral | – | fraglich pathogen. Blastocystis findet sich häufig bei Gesunden [1][9] | nicht meldepflichtig |
Bei Durchfall mit Tätigkeit im Lebensmittelbereich oder gehäuften Fällen besteht zusätzlich eine Arztmeldung nach § 6 IfSG und ein Tätigkeitsverbot nach § 42 IfSG [6][7].
Red Flags
- Fieber nach Aufenthalt in einem Malariagebiet: Malaria ausschließen, Protozoen machen meist kein hohes Fieber [1].
- Blut im Stuhl: an Amöben, Shigellen oder Campylobacter denken, nicht an Giardien [1].
- Immunsuppression (HIV mit CD4 unter 200/µl, Transplantation, Chemotherapie): gezielt auf Cryptosporidien, Cystoisospora, Mikrosporidien, Giardien und Strongyloides untersuchen [1].
- Gewichtsverlust, Dehydratation, anhaltende Beschwerden trotz Therapie: Wiederansteckung, Resistenz, Immundefekt (z. B. IgA-Mangel) und nichtinfektiöse Ursachen prüfen [10].

Eine Eosinophilie spricht für Wurminfektionen oder Cystoisospora, nicht für Amöben oder Giardien [1].
Diagnostik
Immer nach Reiseroute, Dauer der Beschwerden und Immunstatus fragen. Bei Durchfall über 14 Tage nach Fernreise gezielt auf Shigellen, Salmonellen, Campylobacter, E. histolytica und Giardien untersuchen [1].
- Giardien: Antigentest oder PCR im Stuhl. Mikroskopie mit 3 Stuhlproben an verschiedenen Tagen, weil die Ausscheidung schwankt. Eine Duodenalsonde ist nicht nötig [1].
- Cryptosporidien, Cyclospora, Cystoisospora: werden in der Routine-Stuhluntersuchung meist nicht erfasst. Gezielt anfordern (Spezialfärbung, Antigen oder PCR) [8][7].
- Multiplex-PCR erfasst mehrere Protozoen auf einmal. Ein Nachweis von Blastocystis oder Dientamoeba erklärt Beschwerden nicht sicher [1].
- Kontrolle nach Therapie nur bei anhaltenden Beschwerden, frühestens 2 Wochen nach Therapieende [10].
Therapie
Grundlage ist die S2k-Leitlinie (Tab. 15). Viele Alternativen sind in Deutschland nicht zugelassen oder nur über eine internationale Apotheke erhältlich [1].
Giardiasis
- 1. Wahl
- Metronidazol – 3x 400–500 mg po über 7 Tage [1]
- Nach Versagen
- Metronidazol plus Albendazol – 3x 400–500 mg plus 1x 400 mg po über 7 Tage [1][3]
- klinische Heilung etwa 76 % [3]
- Danach Quinacrin über Tropenmedizin oder Infektiologie. In Deutschland nicht zugelassen, Import. Parasitologische Heilung nahezu 100 %, selten neuropsychiatrische Nebenwirkungen [11][3].
- Metronidazol plus Albendazol – 3x 400–500 mg plus 1x 400 mg po über 7 Tage [1][3]
- Hinweise
- Einen zweiten Kurs mit einem Nitroimidazol nicht wiederholen. Er heilt nur etwa jede vierte Infektion [3].
- Versagen ist nach Infektion in Südasien, vor allem Indien, besonders häufig [2][5].
- Vor der Zweitlinie Wiederansteckung im Haushalt, Einnahmefehler und Immundefekt prüfen [10].
Cryptosporidien
- Immunkompetent
- keine spezifische Therapie, Flüssigkeit und Elektrolyte. Die Beschwerden klingen nach 1–2 Wochen ab [1][7].
- Die CDC nennt Nitazoxanid 2x 500 mg über 3 Tage. In Deutschland nicht zugelassen [12][1].
- Immunsupprimiert
- Verbesserung des Immunstatus ist die wirksamste Maßnahme, bei HIV antiretrovirale Therapie. Therapieversuch nur mit Infektiologie [1].
- Hinweis
- Schwimmbad bis 14 Tage nach Ende der Beschwerden meiden [7].
Cyclospora und Cystoisospora
- 1. Wahl
- Cotrimoxazol – 2x 960 mg po über 7–10 Tage [13][14]
- DANI: Fachinformation beachten
- Cotrimoxazol – 2x 960 mg po über 7–10 Tage [13][14]
- Hinweise
- Cystoisospora bei Immunsuppression: Cotrimoxazol 960 mg 2–4x täglich über 10–14 Tage, bei HIV anschließend Sekundärprophylaxe. Mit Infektiologie [1].
- Bei Sulfonamidallergie gibt es keine gesicherte Alternative. Infektiologie [13].
Dientamoeba fragilis und Blastocystis
- Wann behandeln
- nur bei anhaltenden Beschwerden, wenn trotz mehrfacher Stuhluntersuchung kein anderer Erreger und keine andere Ursache gefunden wird [1].
- Dientamoeba
- Paromomycin 25–35 mg/kg täglich in 3 Dosen über 7 Tage bevorzugt. Neue Daten zeigen eine klinische Heilung von etwa 83 %, Nitroimidazole allein wirken kaum [15][16]. Die S2k nennt noch Metronidazol als Standard und Paromomycin als Alternative [1].
- Blastocystis
- Einzelfallversuch mit Metronidazol oder Cotrimoxazol nach S2k [1][17].
Nach der Infektion
- Ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom und anhaltende Erschöpfung sind nach Giardiasis häufig [4]. Vor einer erneuten Therapie die Infektion mit einem Stuhltest bestätigen [10].
- Eine Laktoseintoleranz nach Giardiasis ist möglich. Bei anhaltenden Blähungen nach erfolgreicher Therapie daran denken (Expertenempfehlung).
- Bei Beschwerden über Monate ohne Erregernachweis an nichtinfektiöse Ursachen und an eine tropische Sprue denken [1].
Quellen & Hinweise
- [1] Manthey CF, Epple HJ, Keller KM, Lübbert C, Posovszky C, Ramharter M, et al. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). AWMF-Register 021-024. Z Gastroenterol. 2024;62(7):1090–1149. doi:10.1055/a-2240-1428
- [2] Peters TE, Kreuels B, Addo MM, Tannich E, Rothe C. Risk factors for and management of metronidazole-refractory giardiasis in international travellers: a retrospective analysis. Travel Med Infect Dis. 2021;43:102090. doi:10.1016/j.tmaid.2021.102090
- [3] Mørch K, Chiodini P, Nabarro L, Hannula R, Neumayr A, Haanshuus CG, et al. Nitroimidazole – albendazole combination therapy, quinacrine use, and risk factors in nitroimidazole-refractory giardiasis: a prospective multicentre observational study. BMC Infect Dis. 2026;26(1):1598. doi:10.1186/s12879-026-13833-2
- [4] Litleskare S, Rortveit G, Eide GE, Hanevik K, Langeland N, Wensaas KA. Prevalence of irritable bowel syndrome and chronic fatigue 10 years after Giardia infection. Clin Gastroenterol Hepatol. 2018;16(7):1064–1072. doi:10.1016/j.cgh.2018.01.022
- [5] Lalle M, Hanevik K. Treatment-refractory giardiasis: challenges and solutions. Infect Drug Resist. 2018;11:1921–1933. doi:10.2147/IDR.S141468
- [6] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), § 6, § 7 und § 42. gesetze-im-internet.de
- [7] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Kryptosporidiose. Stand 29.11.2019. rki.de
- [8] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical overview of cyclosporiasis. Stand 18.09.2026. cdc.gov
- [9] Deng L, Wojciech L, Gascoigne NRJ, Peng G, Tan KSW. New insights into the interactions between Blastocystis, the gut microbiota, and host immunity. PLoS Pathog. 2021;17(2):e1009253. doi:10.1371/journal.ppat.1009253
- [10] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of Giardia. Stand 20.02.2024. cdc.gov
- [11] Neumayr A, Schunk M, Theunissen C, Van Esbroeck M, Mechain M, Hatz C, et al. Efficacy and tolerability of quinacrine monotherapy and albendazole plus chloroquine combination therapy in nitroimidazole-refractory giardiasis: a TropNet study. Clin Infect Dis. 2021;73(8):1517–1523. doi:10.1093/cid/ciab513
- [12] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of Cryptosporidium. Stand 25.06.2025. cdc.gov
- [13] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of cyclosporiasis. Stand 18.09.2026. cdc.gov
- [14] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical treatment of cystoisosporiasis. Stand 02.05.2024. cdc.gov
- [15] Biber A, Yahav D, Schwartz E. Treatment outcomes in symptomatic Dientamoeba fragilis infection: a prospective clinical and molecular study. Infection. 2026;54(3):1319–1324. doi:10.1007/s15010-026-02746-6
- [16] Baharav N, Itzkovich M, Schwartz E, Yahav D. Treatment for Dientamoeba fragilis: a systematic review and meta-analysis. Infect Dis Ther. 2026;15(5):1249–1262. doi:10.1007/s40121-026-01337-0
- [17] Roberts T, Stark D, Harkness J, Ellis J. Update on the pathogenic potential and treatment options for Blastocystis sp. Gut Pathog. 2014;6:17. doi:10.1186/1757-4749-6-17
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