Hepatitis A und E nach Reise

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 26.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 26.10.2026

Kurzüberblick

Ein Ikterus einige Wochen nach einer Reise in Länder mit schlechter Wasser- und Lebensmittelhygiene spricht für eine Hepatitis A oder E. Hepatitis A ist bei Ungeimpften der Klassiker [1][2]. Hepatitis E vom Genotyp 1 und 2 stammt aus Asien und Afrika, Genotyp 3 auch aus Südeuropa und kommt ohne Reise in Deutschland vor [3].

Beide heilen meist von selbst, die Behandlung ist supportiv. Gefährlich sind das akute Leberversagen, die Hepatitis E in der Schwangerschaft nach Reisen in Genotyp-1-Gebiete und die chronische Hepatitis E bei Immunsuppression [3][4].

Kein Antibiotikum, kein Paracetamol. Behandelbare Differenzialdiagnosen wie Malaria, Leptospirose, Typhus und Amöbenleberabszess müssen aktiv ausgeschlossen werden [5][6].

Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern, Malaria, Leptospirose und Amöbiasis und Amöbenleberabszess.

Steckbrief

MerkmalHepatitis AHepatitis E
ErregerHepatitis-A-Virus (Picornavirus), unbehüllt, sehr umweltstabil [2]Hepatitis-E-Virus, Genotypen 1–4 beim Menschen [3]
VerbreitungAfrika, Asien, Mittel- und Südamerika, Naher Osten, außereuropäischer Mittelmeerraum [1]Genotyp 1 und 2: Asien und Afrika (Reise). Genotyp 3: Deutschland und Europa (Schwein, Wild). Im Ausland erworbene Fälle stammen meist aus Südeuropa [3]
Übertragungfäkal-oral über Wasser und Lebensmittel (Beeren, Muscheln), enge Kontakte, Sexualkontakte, selten Blut [2]Genotyp 1 und 2 über Trinkwasser. Genotyp 3 über ungegartes Schweine- und Wildfleisch, Blutprodukte, Transplantation [3]
Inkubation15–50 Tage, im Mittel etwa 4 Wochen [2]15–64 Tage [3], im Mittel 5–6 Wochen [4]
Ansteckungja, am höchsten in den 2 Wochen vor dem Ikterus [2]eine relevante Übertragung im Haushalt ist nicht belegt [3]
Chronischer Verlaufnie [2]bei Immunsuppression möglich [3][7]
IsolierungBasishygiene. Einzelzimmer mit eigener Toilette bei Durchfall oder fehlender Compliance, bis 1 Woche nach Ikterusbeginn [2]Basishygiene [3]
MeldepflichtArzt bei Verdacht (§ 6), Labor (§ 7), namentlich [8]Arzt bei Verdacht (§ 6), Labor (§ 7), namentlich [8]
Tätigkeitsverbot§ 34 (Gemeinschaftseinrichtungen) und § 42 (Lebensmittel) [8][2]§ 42 und § 34, bei § 34 Verhältnismäßigkeit prüfen [3]

Red Flags

Bei diesen Zeichen sofort stationär aufnehmen und früh Kontakt mit einem Zentrum für Lebertransplantation aufnehmen. Beim fulminanten Leberversagen durch Hepatitis E ist die Transplantation die einzige Option [3][9]:

  • jede Bewusstseinsänderung (hepatische Enzephalopathie). Gerinnungsstörung plus Enzephalopathie bedeutet akutes Leberversagen [9]
  • Gerinnungsstörung, als Orientierung INR ab etwa 1,5 (Expertenempfehlung)
  • Schwangerschaft mit Hepatitis nach Aufenthalt in Südasien oder Afrika (Hepatitis E Genotyp 1) [3][4]
  • vorbestehende Lebererkrankung, Immunsuppression, höheres Alter [2][3]
  • Ikterus mit hohem Fieber, Nierenversagen oder Blutung: an Malaria, Leptospirose und Sepsis denken [5][6]

Hepatitis E in der Schwangerschaft nach Reisen in Asien oder Afrika (Genotyp 1) verläuft vor allem im 3. Trimenon oft fulminant, mit einer Letalität bis etwa 25 %. Schwangere immer stationär aufnehmen und früh Hepatologie und Geburtshilfe einbeziehen [4][3].

Klinik

  • Prodrom mit Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, mäßigem Fieber und Druck im rechten Oberbauch. Danach Ikterus, dunkler Urin, heller Stuhl, Juckreiz [2][3].
  • Hepatitis A: bei Erwachsenen meist mit Ikterus. Ausheilung in Wochen bis 2–3 Monaten, 10–15 % verlaufen protrahiert oder in Schüben. Ein fulminanter Verlauf ist selten (unter 1 %) [2].
  • Hepatitis E Genotyp 3: meist ohne oder mit milden Beschwerden, oft ohne Ikterus. Extrahepatisch neuralgische Schulteramyotrophie, Guillain-Barré-Syndrom, Enzephalitis oder Myelitis, teils bei normalen Leberwerten [3][7].
  • Chronische Hepatitis E: bei Transplantierten, unbehandelter HIV-Infektion oder Chemotherapie, oft symptomarm, Zirrhose möglich [3][7].

Diagnostik

Immer zuerst die Reiseroute und die Exposition erfragen (Wasser, Lebensmittel, Kontaktpersonen, Impfstatus). Bei Fieber nach einem Tropenaufenthalt am selben Tag eine Malaria ausschließen [5].

FrageTestHinweis
Hepatitis Aanti-HAV-IgMpositiv ab Symptombeginn. Kurz nach einer Impfung falsch positiv möglich. HAV-RNA aus Stuhl oder Blut zur Bestätigung [2]
Hepatitis Eanti-HEV-IgM und HEV-RNA (PCR) aus Blut oder StuhlIgM kann unspezifisch sein. Bei Immunsuppression ist die Serologie unzuverlässig, dann immer PCR [3][7]
andere HepatitidenHBsAg, anti-HBc-IgM, anti-HCVgehören zur Differenzialdiagnose [3]
  • Basislabor: ALT, AST, Bilirubin, alkalische Phosphatase, GGT, INR, Blutbild, Kreatinin, Glukose. Die Transaminasen sind typischerweise stark erhöht [2][3].
  • Oberbauchsonographie (Abszess, Gallenwege).
  • Bei Hepatitis E fragen, ob in der virämischen Phase Blut gespendet wurde [3].

Ikterus und hohes Fieber

Hepatitis A fiebert eher im Prodrom und mäßig. Ikterus mit hohem Fieber spricht gegen eine typische Virushepatitis. Dann Malaria, Leptospirose (Morbus Weil mit Ikterus, Nierenversagen und Blutung), Typhus und Amöbenleberabszess aktiv suchen und vor einer Antibiotikagabe Blutkulturen abnehmen [5][6].

Vorgehen in Notaufnahme und Ambulanz

SituationVorgehen
stabil, normale Gerinnung, ausreichende Trinkmenge, keine Schwangerschaft, keine Lebervorerkrankungambulant. Transaminasen, Bilirubin und INR in kurzen Abständen kontrollieren (Expertenempfehlung)
Red Flagsstationär, früh Kontakt mit einem Zentrum für Lebertransplantation [3][9]
Hepatitis A mit Durchfall oder fehlender ComplianceEinzelzimmer mit eigener Toilette, viruzides Händedesinfektionsmittel [2]
  • Meldung an das Gesundheitsamt schon bei Verdacht (§ 6). Beruf erfragen: Lebensmittel, Gemeinschaftseinrichtung, Gesundheitswesen [8][2].

Therapie

Es gibt keine spezifische Therapie der akuten Hepatitis A oder E. Die Behandlung ist supportiv, strenge Bettruhe und Diät sind nicht nötig [2][3].

Kein Paracetamol bei akuter Hepatitis. Keine potenziell lebertoxischen Medikamente. Alkoholkarenz mindestens bis zur Normalisierung der Leberwerte [2][3][10].

  • Flüssigkeit, Antiemese, Ernährung nach Verträglichkeit [2].
  • Kein Antibiotikum. Antibiotika nur bei einer zweiten, bakteriellen Diagnose.
  • Chronische Hepatitis E bei Immunsuppression: zuerst die Immunsuppression reduzieren, sonst Ribavirin. Behandlung durch die Hepatologie [3][11]. Die Ausheilung mit PCR kontrollieren [3].

Kontaktpersonen und Postexpositionsprophylaxe

  • Hepatitis A: Haushalts- und Sexualkontakte ohne nachgewiesene Immunität so früh wie möglich, innerhalb von 14 Tagen, mit einer Dosis monovalentem Hepatitis-A-Impfstoff impfen. Bei besonders Gefährdeten (z. B. chronische Hepatitis B oder C) gleichzeitig normales humanes Immunglobulin [2]. Die CDC nennt zusätzlich Immunsuppression, chronische Lebererkrankung und Alter über 40 Jahre [12].
  • Kontaktpersonen über Symptome aufklären, besondere Händehygiene ab Exposition. Impfung und Immunglobulin verhindern die Erkrankung nicht in allen Fällen [2].
  • Hepatitis E: keine Postexpositionsprophylaxe, in Europa kein Impfstoff. Kontaktpersonen in der Regel ohne Maßnahmen [3].

Prävention

  • Hepatitis-A-Impfung vor jeder Reise in Endemiegebiete, auch kurzfristig vor der Abreise. Grundimmunisierung mit 2 Dosen [1].
  • Hepatitis E: Wasser- und Lebensmittelhygiene („Cook it, peel it or forget it“), Schweine- und Wildfleisch durchgaren. Schwangere besonders beraten [1][4].

Quellen & Hinweise

  • [1] Ständige Impfkommission, Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit. Empfehlungen der STIKO und der DTG zu Reiseimpfungen. Epid Bull. 2026;(27):1–112. doi:10.25646/14248
  • [2] Robert Koch-Institut. Hepatitis A. RKI-Ratgeber. Stand 13.05.2026. rki.de
  • [3] Robert Koch-Institut. Hepatitis E. RKI-Ratgeber. Stand 14.08.2026. rki.de
  • [4] World Health Organization. Hepatitis E. Fact sheet. 28.07.2026. who.int
  • [5] Paquet D, Jung L, Trawinski H, Wendt S, Lübbert C. Fieber bei Reiserückkehrern. Dtsch Arztebl Int. 2022;119(22-23):400–407. doi:10.3238/arztebl.m2022.0182
  • [6] Robert Koch-Institut. Leptospirose. RKI-Ratgeber. Stand 29.08.2024. rki.de
  • [7] European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines on hepatitis E virus infection. J Hepatol. 2018;68(6):1256–1271. doi:10.1016/j.jhep.2018.03.005
  • [8] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), § 6, § 7, § 34 und § 42. gesetze-im-internet.de
  • [9] European Association for the Study of the Liver, Wendon J, Cordoba J, Dhawan A, et al. EASL Clinical Practical Guidelines on the management of acute (fulminant) liver failure. J Hepatol. 2017;66(5):1047–1081. doi:10.1016/j.jhep.2016.12.003
  • [10] World Health Organization. Hepatitis A. Fact sheet. 28.07.2026. who.int
  • [11] Kamar N, Izopet J, Tripon S, Bismuth M, Hillaire S, Dumortier J, et al. Ribavirin for chronic hepatitis E virus infection in transplant recipients. N Engl J Med. 2014;370(12):1111–1120. doi:10.1056/NEJMoa1215246
  • [12] Hofmeister MG, Weng MK. Hepatitis A. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC, 2025. cdc.gov

Frage zu diesem oder einem anderen Thema? In allen Kapiteln suchen oder eine Frage stellen →

Nach oben scrollen