Fieber bei Reiserückkehrern

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 25.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 26.10.2026

Kurzüberblick

Fieber nach einer Reise in die Tropen oder Subtropen ist häufig. Bei etwa einem Drittel steckt eine tropische Infektion dahinter, davon zu etwa 70 % eine Malaria. Ebenso häufig sind gewöhnliche Infektionen wie Pneumonie, Harnwegsinfektion oder Influenza [1][2].

Häufig ist häufig, aber Malaria zuerst. Nach Afrika steht die Malaria an erster Stelle, nach Südostasien und Lateinamerika das Denguefieber, nach Südasien zusätzlich Typhus [1][3]. Malaria tropica ist die häufigste Todesursache bei Reiserückkehrern [1].

Die wichtigste Frage ist die Reiseroute, möglichst bis auf die Region genau, dazu Reisedauer, Rückkehrdatum, Expositionen und Prophylaxe [3].

In Deutschland wurden 2024 933 Malariafälle gemeldet. 63 % der Erkrankten hatten Familie oder Freunde im Herkunftsland besucht (VFR-Reisende), nur 21 % hatten eine Chemoprophylaxe genommen. 4 Menschen starben. Dazu kamen 1.717 Denguefälle, so viele wie nie zuvor [4].

Steckbriefe: Malaria, Dengue, Chikungunya, Zika, Typhus und Paratyphus, Rickettsiosen, Leptospirose, Schistosomiasis, Leishmaniose, Amöbiasis, Hepatitis A und E, Virale hämorrhagische Fieber, Tollwut-Exposition nach Tierbiss, Oropouche, Gelbfieber und Japanische Enzephalitis, Melioidose, Strongyloidiasis, Chagas-Krankheit, Larva migrans, Tungiasis und Myiasis und Schlafkrankheit. Siehe auch Diarrhö bei Reiserückkehrern, Hautveränderungen nach Reise, Sepsis und septischer Schock und Tuberkulose.

Red Flags

  • Sepsiszeichen: qSOFA ab 2 Punkten (Bewusstseinsänderung, Atemfrequenz über 22/min, systolischer Blutdruck unter 100 mm Hg), Laktat erhöht [1].
  • Petechien oder Purpura: an Meningokokken, Leptospirose, Rickettsiosen und schwere Malaria denken, virale hämorrhagische Fieber sind selten [3].
  • Meningismus, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall: zerebrale Malaria, Meningitis.
  • Ikterus, Oligurie, Atemnot, Blutung: Kriterien der schweren Malaria (Tabelle unten).
  • Fieber bis 21 Tage nach Aufenthalt in einem Gebiet mit viralem hämorrhagischem Fieber und Risikoexposition (Kontakt zu Erkrankten oder Verstorbenen, Tätigkeit im Krankenhaus, Tierkontakte) [5].

Bei Verdacht auf ein virales hämorrhagisches Fieber (Ebola, Marburg, Lassa, Krim-Kongo) Patient:in sofort isolieren, Zahl der Kontaktpersonen klein halten, Schutzausrüstung tragen (doppelte Handschuhe, Schutzkittel, FFP3-Maske, Schutzbrille oder Visier). Sofort das Gesundheitsamt verständigen (Verdachtsmeldung nach § 6 IfSG) und ein STAKOB-Behandlungszentrum beraten lassen [5][1]. Eine Malaria muss trotzdem ausgeschlossen werden, Probenversand nach Absprache.

Eine eingenommene Malariaprophylaxe schließt eine Malaria nicht aus. Bei jedem Fieber nach Aufenthalt in einem Malariagebiet muss eine Malaria sofort ausgeschlossen werden [6][7][8].

Vorgehen in der Notaufnahme

SchrittVorgehen
1. TriageVitalzeichen, qSOFA, Schwerezeichen. Instabil: Vorgehen nach Sepsis und septischer Schock, Blutkulturen, Malaria-Schnelldiagnostik, ITS informieren [1]
2. Hämorrhagisches Fieber?Symptombeginn bis 21 Tage nach Aufenthalt in einem betroffenen Gebiet plus Risikoexposition: isolieren, Gesundheitsamt, STAKOB-Zentrum (Warnbox oben) [5]
3. Malariagebiet in den letzten 12 Monaten?Dicker Tropfen, Ausstrich und Schnelltest sofort. Das Ergebnis soll idealerweise innerhalb einer Stunde vorliegen, auch nachts und am Wochenende [26][3]
4. BasisdiagnostikDifferenzialblutbild mit Thrombozyten, CRP, Kreatinin, Elektrolyte, Leberwerte, LDH, Glukose, Gerinnung, bei Schwerezeichen Laktat und Blutgase. 2 Blutkultur-Sets, Urinstatus. Röntgen-Thorax und Oberbauchsonographie nach Klinik. Serum einfrieren. HIV-Test anbieten [6][3]
5. Gezielt nach Region, Inkubation und LeitsymptomDengue-NS1 oder PCR, weitere Blutkulturen bei Typhusverdacht, PCR auf Rickettsien oder Leptospiren, respiratorisches Panel (Tabelle Diagnostik)
6. Malaria negativ, Verdacht bleibtDiagnostik nach 12–24 h wiederholen, die AWMF nennt alle 24 h, gegebenenfalls über mehrere Tage [26]. Erst 3 negative Untersuchungen über 48 h schließen eine Malaria aus [3][7]
7. Stabil, keine Diagnosekeine Antibiotika auf Verdacht. Wiedervorstellung innerhalb von 24 h, bei anhaltendem Fieber Tropenmedizin einbeziehen [1]

Anamnese

  • Reiseroute mit allen Ländern und Regionen, auch Transit, Stadt oder Land. Beispiel Südafrika: Malaria im Nordosten (Krüger-Park), nicht in Kapstadt [3].
  • Zeitachse: Ausreise, Rückkehr, Symptombeginn. Daraus folgt die mögliche Inkubationszeit [3].
  • Reiseanlass: Besuch bei Familie und Freunden (VFR), Tourismus, Beruf, Migration. VFR-Reisende haben das höchste Risiko für Malaria und Typhus [1][4].
  • Prophylaxe und Impfungen: Malariaprophylaxe (welche, wie eingenommen), Typhus-, Hepatitis-A-, Gelbfieber-, Tollwut- und Dengue-Impfung [6].
  • Krankenhaus oder Antibiotika im Ausland: Risiko für multiresistente Erreger. Nach Reisen nach Indien sind bis zu 73 % mit ESBL-Bildnern besiedelt [1][3].
  • Vorerkrankungen: Immunsuppression, Splenektomie, Schwangerschaft [1].

Exposition und daran denken

ExpositionZu bedenken
MückensticheMalaria, Dengue, Chikungunya, Zika, West-Nil-Fieber, Gelbfieber und Japanische Enzephalitis, Oropouche (Gnitzen, Lateinamerika und Karibik)
Zecken, Safari im östlichen oder südlichen AfrikaRickettsiosen (afrikanisches Zeckenbissfieber mit Eschar), Zeckenrückfallfieber, Krim-Kongo-Fieber, Q-Fieber
Tsetse-Fliegen (Safari und Nationalparks im östlichen und südlichen Afrika, schmerzhafter Stich)Ostafrikanische Schlafkrankheit (Trypanosoma brucei rhodesiense) [3][24]
Milben (Süd- und Südostasien, ländlich)Tsutsugamushi-Fieber (Scrub typhus)
Süßwasser (Baden, Rafting, Durchwaten) in den Tropenakute Schistosomiasis (Katayama-Fieber), Leptospirose, Melioidose
Barfußgehen, ErdbodenStrongyloidiasis, Hakenwurm, Melioidose
Tierbisse, enger TierkontaktTollwut, Q-Fieber, Brucellose, Tularämie. Fledermäuse, Affen, Nager und Wildfleisch: Lassa, Ebola, Marburg
Unsauberes Wasser, RohkostTyphus und Paratyphus, Hepatitis A und E, Amöbiasis, Giardiasis
Rohmilch, FrischkäseBrucellose, Listeriose, Salmonellose
Rohes Fleisch oder roher FischTrichinellose, Toxoplasmose, Leberegel
Ungeschützter Sex, Tätowierung, Injektionenakute HIV-Infektion, Hepatitis B und C, Syphilis
Höhlen (Amerika)Histoplasmose, Tollwut
Krankenhaus im Auslandmultiresistente Erreger (ESBL, Carbapenemasen)
Nach Paquet 2022 und Neurohr 2022 [1][6].

Inkubationszeiten

InkubationTypische Erreger
kurz, unter 10 TagenDengue (4–8 Tage, bis 14), Chikungunya (2–4 Tage), Zika, Influenza, COVID-19, Rickettsiosen (2–14 Tage), Paratyphus (1–10 Tage), Meningokokken (2–10 Tage), Legionellose, bakterielle Gastroenteritis
mittel, 10–21 TageMalaria tropica (meist 7–30 Tage), Typhus (meist 8–14 Tage, Spanne 3–60), Leptospirose (7–14 Tage, Spanne 2–30), virale hämorrhagische Fieber (2–21 Tage), akute HIV-Infektion (10–28 Tage), Brucellose, Q-Fieber, ostafrikanische Schlafkrankheit (erste Zeichen nach 1–3 Wochen, Schanker an der Stichstelle nach 2–14 Tagen) [25]
lang, über 21 TageMalaria tertiana (P. vivax Rückfälle bis 2 Jahre, P. ovale bis 5 Jahre) und Malaria quartana (P. malariae, Latenz bis 40 Jahre) [7], akute Schistosomiasis (4–8 Wochen), Amöbenleberabszess, Hepatitis A, B und E, viszerale Leishmaniose (Monate), Tuberkulose
Nach Neurohr 2022, Paquet 2022, Yellow Book 2026 und RKI [6][1][3][9][10].
  • Eine Malaria tropica ist frühestens ab dem 7. Tag nach dem ersten Betreten eines Malariagebiets möglich [11][1]. 90 % der importierten Malariafälle treten im ersten Monat nach Rückkehr auf [7].
  • Beginnen die Symptome erst 21 Tage oder später nach der letzten möglichen Exposition, sind hämorrhagische Fieber und Denguefieber weitgehend ausgeschlossen [1].
  • Notfall-Malariadiagnostik bei jedem Aufenthalt in einem Malariagebiet in den letzten 12 Monaten. Auch länger zurückliegende Reisen erfragen [3][11].

Häufige Ursachen nach Region

RegionHäufigste Fieberursachen
Subsahara-AfrikaMalaria (vor allem P. falciparum) mit Abstand am häufigsten. Rickettsiosen (Safari, südliches Afrika), akute Schistosomiasis, Dengue, Typhus. Selten, aber gefährlich: ostafrikanische Schlafkrankheit nach Safari [3][24]
SüdostasienDengue am häufigsten, Malaria (meist nicht P. falciparum, auch P. knowlesi), Chikungunya, Leptospirose, Tsutsugamushi-Fieber
Südasien (Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal)Typhus und Paratyphus, Dengue, Malaria tertiana, Chikungunya
Lateinamerika und KaribikDengue, Chikungunya, Zika, Leptospirose. Malaria selten, meist P. vivax
Nach Paquet 2022, Yellow Book 2026 und Bottieau 2006 [1][3][12].

Malaria, Dengue und Typhus machen in Fallserien fast drei Viertel der geklärten Ursachen aus [3]. Bei einem Viertel bleibt die Ursache offen, meist mit gutartigem Verlauf [3][12].

Diagnostik

Hinweise aus Blutbild und Labor

Das Differenzialblutbild mit Thrombozyten ist für die Einordnung wichtiger als das CRP (Expertenempfehlung). Es zeigt Anämie, Eosinophilie, Leukozytose, Leukopenie und Thrombozytopenie und lenkt die Differenzialdiagnose [3].

  • Thrombozytopenie: Malaria, Dengue, Rickettsiosen, Leptospirose, Sepsis, akute HIV-Infektion [6][3].
  • Leukozyten normal oder erniedrigt: Malaria, Dengue, Typhus [3].
  • Leukozytose: bakterielle Infektion, Amöbenleberabszess [6].
  • Eosinophilie: Wurminfektionen, akute Schistosomiasis, aber auch Arzneimittelreaktionen. Fehlende Eosinophile bei passender Klinik sprechen für Typhus [1][6].
  • Panzytopenie nach längerer Inkubation: viszerale Leishmaniose [6].
  • Splenomegalie (Sonographie): Malaria (bei etwa einem Viertel), Typhus und Paratyphus, viszerale Leishmaniose [7][2][14][23].
  • Fieber nach Safari in Ostafrika mit Schanker an einem Insektenstich: an die ostafrikanische Schlafkrankheit denken. Die Erreger sind im Blutausstrich sichtbar, die Erkrankung verläuft rasch. Sofort Tropenmedizin einbeziehen [24][25].

Gezielte Diagnostik

VerdachtDiagnostik
MalariaDicker Tropfen und dünner Ausstrich (Goldstandard, mit Parasitämie in % und Spezies), dazu Schnelltest. Der Schnelltest allein schließt keine Malaria aus. Er ist bei sehr niedriger und bei sehr hoher Parasitämie falsch negativ, ebenso bei Erregern mit pfhrp2-Deletion (Horn von Afrika, zunehmend West- und Ostafrika) und bei P. knowlesi [7][8]. Serologie ist für die Akutdiagnostik ungeeignet [1]
DengueIn der ersten Krankheitswoche NS1-Antigen oder PCR, danach IgM und IgG [6][3]. Nach einer Dengue-Impfung können NS1 und Antikörper in den ersten Wochen positiv sein [13]. Bei Dengue-Verdacht trotzdem Malaria ausschließen
Typhus und ParatyphusBlutkulturen, mehrfach und mit ausreichendem Volumen. Eine Blutkultur ist nur in etwa der Hälfte positiv. Ab der 2. Woche auch Stuhl und Urin. Antibiogramm immer. Serologie ungeeignet [9][14][1]
Rickettsiosenmeist klinisch (Eschar, Exanthem, Safari). PCR aus dem Eschar. Antikörper erst nach Wochen [6]
Leptospirosein der ersten Woche PCR aus Blut, danach aus Urin. Serologie ab der 2. Woche, Folgeserum nach 1–2 Wochen [10]
Akute SchistosomiasisFieber, Urtikaria, Husten und Eosinophilie 4–8 Wochen nach Süßwasserkontakt. Serologie, später Einachweis [6][1]
AmöbenleberabszessFieber, Schmerz im rechten Oberbauch, Leukozytose. Sonographie, Amöben-Serologie [6]

Komplizierte (schwere) Malaria

Eine Malaria ist kompliziert, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien vorliegt. Sie ist dann unmittelbar lebensbedrohlich [26]:

  • klinisch: Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, respiratorische Insuffizienz (SpO2 unter 92 %), Schock oder Hypotension (systolisch unter 90 mm Hg oder MAP unter 65 mm Hg mit Tachykardie trotz Volumen), Spontanblutungen, Urin unter 400 ml/24 h, Hämoglobinurie, Prostration (kann nicht sitzen, stehen oder gehen)
  • Labor: Glukose unter 40 mg/dl, Azidose (Basenüberschuss unter −8 mmol/l) oder Laktat ab 5 mmol/l, Kalium über 5,5 mmol/l, Kreatinin über 2,5 mg/dl oder rasch steigend, Hb unter 7 g/dl, Bilirubin über 3 mg/dl bei Parasitämie über 100.000/µl
  • Parasitämie: P. falciparum ab 5 % (über 250.000/µl), P. knowlesi ab 2 % (über 100.000/µl)
  • Auch ohne diese Kriterien kann je nach Alter, Komorbidität, Klinik oder Begleitmedikation wie eine komplizierte Malaria behandelt werden [26].

P. knowlesi (Malaysia, Thailand, Myanmar, Philippinen) vermehrt sich alle 24 h und kann rasch schwer verlaufen. Schnelltests sind unzuverlässig, im Ausstrich wird der Erreger leicht mit P. malariae verwechselt [8].

Therapie

Grundsatz: Eine Diagnose oder gut begründete Verdachtsdiagnose geht der Therapie voraus. Ausnahmen sind schwer kranke Patient:innen und typische Blickdiagnosen wie Fieber mit Eschar nach Safari [1]. Behandelbare Ursachen zuerst bedenken: Malaria, Typhus, Rickettsiosen [3].

Malaria tropica, unkompliziert

  • 1. Wahl
    • Artemether/Lumefantrin – 4 Tabletten (80/480 mg) bei Beginn, dann je 4 Tabletten nach 8, 24, 36, 48 und 60 h (6 Dosen, 3 Tage), mit fetthaltiger Mahlzeit oder Milch, ab 35 kg KG [26][11]
      • kontraindiziert bei QTc-Verlängerung, Wechselwirkungen über CYP3A4 beachten
    • oder Dihydroartemisinin/Piperaquin – 36–75 kg KG 3 Tabletten (120/960 mg), über 75 kg KG 4 Tabletten, einmal täglich an 3 Tagen, nüchtern [26]
      • EKG vor der 1. Dosis, vor der 3. Dosis und 4–6 h danach (QTc). In Deutschland zuletzt nicht oder nur eingeschränkt verfügbar [26]
  • Alternative
    • Atovaquon/Proguanil – je 4 Tabletten (1000/400 mg) einmal täglich an 3 Tagen, mit fetthaltiger Mahlzeit, ab 40 kg KG. Wirkt langsamer, bei Parasitämie über 1–2 % Artemisinin-Präparate bevorzugen [26]
  • Hinweise
    • Kein Präparat verwenden, das als Prophylaxe eingenommen wurde [16].
    • Artemether/Lumefantrin über 5 Tage erwägen bei höherem Körpergewicht, höherer Parasitämie oder Herkunft aus Regionen mit partieller Artemisininresistenz (z. B. Uganda, Äthiopien, Eritrea, Ruanda). Das ist off-label [26]. Die CDC empfiehlt seit August 2026 generell 5 Tage [16][17]. Fällt die Parasitendichte in 24–48 h nicht ausreichend, sofort Tropenmedizin [26]. Hb-Kontrolle etwa 2 Wochen nach Therapie wegen verzögerter Hämolyse [8].
    • Ausgeprägtes Erbrechen: zunächst Artesunat iv, dann orale Therapie über 3 Tage [26].
    • Malaria tertiana (P. vivax, P. ovale): Artemether/Lumefantrin oder Dihydroartemisinin/Piperaquin wie oben (off-label), meist ambulant. Danach Primaquin über 14 Tage gegen die Leberformen (P. vivax 0,5 mg Base/kg, höchstens 30 mg, P. ovale 0,25 mg/kg, höchstens 15 mg), vorher G6PD-Mangel ausschließen. Primaquin ist nur über internationale Apotheken erhältlich [26]. Malaria quartana: Dihydroartemisinin/Piperaquin oder Atovaquon/Proguanil, Artemether/Lumefantrin wegen kurzer Halbwertszeit weniger geeignet [26].

Malaria tropica, kompliziert

  • 1. Wahl
    • Artesunat – 2,4 mg/kg KG als langsamer Bolus iv über 5 min bei 0, 12, 24, 48 und 72 h [26]
      • danach vollständige orale Folgetherapie wie bei unkomplizierter Malaria. Bei rascher Besserung kann sie früher beginnen [26]
  • Hinweise
    • Behandlung auf einer Station mit engmaschigem Monitoring und direktem Zugang zur Intensivstation. Immer ein tropenmedizinisches Konsil, auch telefonisch [26].
    • Artesunat muss vorrätig sein. Seit Januar 2025 gibt es in Deutschland ein zugelassenes Präparat (110 mg pro Ampulle). Ist es nicht vorrätig, sofort eine tropenmedizinische Einrichtung kontaktieren und gegebenenfalls verlegen. Chinin iv nur im Ausnahmefall, etwa bei Artemisinin-Allergie [26].
    • Bei Verdacht auf schwere Malaria und fehlender sofortiger Diagnostik nicht auf das Ergebnis warten [15][16].
    • Nach Artesunat verzögerte Hämolyse möglich: Hb wöchentlich bis 4 Wochen [16][8].

Typhus oder Paratyphus, Verdacht

  • Unkompliziert, Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal, Irak oder Afghanistan
    • Azithromycin – 1x 1 g po – 7 Tage [18][14]
  • Unkompliziert, übrige Länder
    • Ceftriaxon – 1x 2 g iv – 10–14 Tage bzw. bis 2–3 Tage nach Entfieberung [18]
    • oder Azithromycin – 1x 1 g po – 7 Tage [18]
  • Kompliziert oder septisch nach Südasien, Irak oder Afghanistan
    • Meropenem – 3x 1 g iv. Auf ITS/IMC erste Gabe über 30 min, danach jeweils über 4 h. Auf Normalstation als Kurzinfusion – 10–14 Tage [14][9]
    • plus Azithromycin – 1x 1 g, bis das Antibiogramm vorliegt [14]
  • Hinweise
    • Vor der ersten Gabe Blutkulturen. Nach dem Antibiogramm gezielt weiterbehandeln [9].
    • Fluorchinolone nicht kalkuliert, Resistenzen sind weit verbreitet. Nur gezielt nach Antibiogramm (Reserve) [9][14].
    • Erreger aus Pakistan sind oft extensiv resistent (XDR) gegen Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. Generation [9]. Aus Indien kommen seit 2024 Stämme mit NDM-5, resistent gegen Ceftriaxon und Carbapeneme, bisher empfindlich gegen Azithromycin [27][28]. Ceftriaxon nach Südasien deshalb nur nach Antibiogramm.
    • Das Fieber kann unter wirksamer Therapie 3–5 Tage anhalten. Ohne Entfieberung nach 5 Tagen Therapie wechseln oder einen Fokus suchen [14].
    • Details im Steckbrief Typhus und Paratyphus.

Rickettsiosen und Leptospirose, Verdacht

  • Leicht bis mittelschwer
    • Doxycyclin – 2x 100 mg po [19][10]
      • Rickettsien: sofort bei Verdacht beginnen, nicht auf die Bestätigung warten [19]
  • Schwer, Leptospirose
    • Ceftriaxon – 1x 2 g iv [10]
    • oder Penicillin G – 1,5 Mio IE alle 6 h iv [10]
  • Hinweise
    • Daran denken bei Fieber nach Afrika, Süd- oder Südostasien mit Eschar, Exanthem, Thrombozytopenie, Süßwasser- oder Tierkontakt und negativer Malariadiagnostik.
    • Schweres Bild ohne Diagnose: Ceftriaxon plus Doxycyclin. Das erfasst Leptospiren, Rickettsien und Typhus außerhalb von Pakistan, Irak und Afghanistan.

Sepsis nach Reise

  • Vorgehen
    • nach Sepsis und septischer Schock
    • nach Südasien oder Krankenhausaufenthalt im Ausland Meropenem – 3x 1 g iv. Auf ITS/IMC erste Gabe über 30 min, danach jeweils über 4 h. Auf Normalstation als Kurzinfusion statt Piperacillin/Tazobactam erwägen (multiresistente Erreger, XDR-Typhus) [1][9]
    • bei Risiko für Rickettsien oder Leptospiren plus Doxycyclin – 2x 100 mg
    • Malariadiagnostik und bei Nachweis Artesunat dürfen dadurch nicht verzögert werden

Bei Verdacht auf Dengue keine NSAR und keine Acetylsalicylsäure, sie erhöhen das Blutungsrisiko. Zur Fiebersenkung Paracetamol [6].

Wann nicht behandeln

  • Stabil, Malaria negativ, kein Fokus: keine Antibiotika auf Verdacht. Wiedervorstellung innerhalb von 24 h und gezielte Diagnostik [1].
  • Malaria nicht ohne Nachweis behandeln. Ausnahme: Verdacht auf schwere Malaria ohne sofort verfügbare Diagnostik [3][15].
  • Dengue: keine spezifische Therapie. Ambulant Blutbild mit Thrombozyten und Hämatokrit alle 1–2 Tage. Warnzeichen am Tag 3–7: starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Schleimhautblutung, Unruhe, steigender Hämatokrit mit fallenden Thrombozyten. Dann stationär [6][13].
  • Chikungunya: symptomatisch. NSAR erst nach Ausschluss einer Dengue [6].

Therapiedauer

ErkrankungDauer
Malaria tropica, unkompliziert3 Tage, Artemether/Lumefantrin bei höherem Gewicht, höherer Parasitämie oder Resistenzregion 5 Tage erwägen [26]
Malaria tropica, kompliziertArtesunat bei 0, 12, 24, 48 und 72 h, bei rascher Besserung früher oral, dann vollständige orale Folgetherapie [26]
Typhus, unkompliziertAzithromycin 7 Tage, Ceftriaxon 10–14 Tage bzw. bis 2–3 Tage nach Entfieberung [18]
Typhus, kompliziert10–14 Tage (Expertenmeinung)
Rickettsiosenmindestens 5–7 Tage [19]
Leptospirose7 Tage [10]

Aufnahme, Konsil und Meldepflicht

Stationär oder ambulant

StationärAmbulant möglich
jede Malaria tropica und Knowlesi-Malaria, auch bei niedriger Parasitämie [26]. Komplizierte Malaria mit intensivmedizinischem Monitoring [26]. Schwerezeichen, Typhusverdacht mit systemischem Bild, Dengue mit Warnzeichen, unsichere Nachsorge [1][6]stabil, Malaria negativ, Wiedervorstellung innerhalb von 24 h gesichert [3]. Malaria tertiana und quartana in der Regel ambulant, bei sicherer Einnahme und regelmäßigen Kontrollen [26]. Ambulante Therapie einer Malaria tropica nur im Einzelfall durch Erfahrene [26][20]

Tropenmedizin oder Infektiologie einbeziehen

  • bei jeder Malaria [7], sofort bei schwerer Malaria
  • bei Verdacht auf virales hämorrhagisches Fieber: STAKOB-Behandlungszentrum [5][21]
  • bei unklarem Fieber, das anhält oder sich verschlechtert [1]

Meldepflicht

Wer meldetWas
Ärztin oder Arzt bei Verdacht, Erkrankung oder Tod (§ 6 IfSG)virales hämorrhagisches Fieber (sofort), Typhus und Paratyphus, Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis, Tollwut, Pest
Labor bei Erregernachweis (§ 7 IfSG)Plasmodium, Dengue-, Chikungunya-, Zika- und West-Nil-Virus, Gelbfiebervirus, Leptospiren, Salmonella Typhi und Paratyphi, Meningokokken, Brucellen, Coxiella burnetii, Hepatitisviren
Meldung innerhalb von 24 h an das Gesundheitsamt [22][10].

Quellen & Hinweise

  • [1] Paquet D, Jung L, Trawinski H, Wendt S, Lübbert C. Fieber bei Reiserückkehrern. Dtsch Arztebl Int. 2022;119(22-23):400–407. doi:10.3238/arztebl.m2022.0182
  • [2] Buss I, Genton B, D’Acremont V. Aetiology of fever in returning travellers and migrants: a systematic review and meta-analysis. J Travel Med. 2020;27(8):taaa207. doi:10.1093/jtm/taaa207
  • [3] Huits R, Hamer DH, Libman M. Post-travel evaluation of the ill traveler. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
  • [4] Robert Koch-Institut. Importierte Infektionskrankheiten 2024. Epid Bull. 2025;(48):3–25. rki.de
  • [5] Robert Koch-Institut, STAKOB. Infografik zur Früherkennung und zu Erstmaßnahmen bei Verdacht auf eine hochpathogene Infektionskrankheit (HCID). Stand 15.12.2025. doi:10.25646/11539.4
  • [6] Neurohr EM, Gabor J, Köhler C. Erkrankungen bei Tropenrückkehrern. hautnah dermatologie. 2022;38(5):54–63. doi:10.1007/s15012-022-7510-x
  • [7] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Malaria. Stand 07.03.2024. rki.de
  • [8] Rothe C, Veit O, Rosenbusch D, et al. Empfehlungen zur Malariaprophylaxe (DTG). Flug u Reisemed. 2024;31:165–206. doi:10.1055/a-2351-8414
  • [9] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Typhus abdominalis, Paratyphus. Stand 16.10.2025. rki.de
  • [10] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Leptospirose. Stand 29.08.2024. rki.de
  • [11] Rothe C, Rosenbusch D, Bühler S, et al. Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende (DTG). Flug u Reisemed. 2026;33:165–203. doi:10.1055/a-2834-9295
  • [12] Bottieau E, Clerinx J, Schrooten W, et al. Etiology and outcome of fever after a stay in the tropics. Arch Intern Med. 2006;166(15):1642–1648. doi:10.1001/archinte.166.15.1642
  • [13] Robert Koch-Institut. Denguefieber und -Impfung: Antworten auf häufig gestellte Fragen. Stand 17.03.2025. rki.de
  • [14] Francois Watkins LK, Shih DC, Dorough L. Typhoid and paratyphoid fever. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
  • [15] World Health Organization. WHO guidelines for malaria. Genf: WHO, 10.09.2026. who.int
  • [16] Centers for Disease Control and Prevention. Malaria: Clinical Guidance (Treatment of uncomplicated and of severe malaria). Aktualisiert 17.08.2026. cdc.gov
  • [17] Hwang J, Halsey ES, Plucinski MM, et al. Extending the duration of artemether-lumefantrine treatment for uncomplicated Plasmodium falciparum malaria: updated US Centers for Disease Control and Prevention guidance. Clin Infect Dis. 2026. doi:10.1093/cid/ciag456
  • [18] Kuehn R, Stoesser N, Eyre D, Darton TC, Basnyat B, Parry CM. Treatment of enteric fever (typhoid and paratyphoid fever) with cephalosporins. Cochrane Database Syst Rev. 2022;11:CD010452. doi:10.1002/14651858.CD010452.pub2
  • [19] McCormick DW, Nicholson WL. Rickettsial diseases. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
  • [20] Milburn J, Williamson A, Baljekar S, et al. Outpatient management of imported nonsevere falciparum malaria in adults in the United Kingdom: a multisite evaluation of clinical safety and costing analysis. Open Forum Infect Dis. 2026;13(8):ofag443. doi:10.1093/ofid/ofag443
  • [21] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Lassafieber. Stand 26.11.2019. rki.de
  • [22] Infektionsschutzgesetz (IfSG), §§ 6 und 7. gesetze-im-internet.de
  • [23] Abbott A, Chancey RJ, Roy SL. Leishmaniasis. In: CDC Yellow Book 2026: Health Information for International Travel. Atlanta: CDC; 2025 (23.04.2025). cdc.gov
  • [24] World Health Organization. Trypanosomiasis, human African (sleeping sickness). Faktenblatt, 02.05.2023. who.int
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  • [26] Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG). S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Malaria. AWMF-Register 042-001, Version 8.1 vom 30.08.2025. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/042-001
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