Virale hämorrhagische Fieber

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 26.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 26.10.2026

Kurzüberblick

Virale hämorrhagische Fieber (VHF) sind sehr selten, aber hochansteckend und lebensbedrohlich. Dieser Steckbrief behandelt Ebola und Marburg, Lassa und das Krim-Kongo-hämorrhagische Fieber (CCHF). Gelbfieber und Hantavirus werden nur abgegrenzt.

Die Notaufnahme muss erkennen, isolieren, schützen, melden und verlegen. Diagnostik und Therapie erfolgen in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und einem STAKOB-Kompetenz- oder Behandlungszentrum [1][2].

Malaria ist auch bei VHF-Verdacht die häufigste Ursache. Von 2015 bis 2019 kamen jährlich mehrere Hundert Malariafälle aus West-, Zentral- und Ostafrika nach Deutschland, aber kein einziger Ebolafall [3].

Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern und Malaria.

Verdacht und Erstmaßnahmen

Verdacht besteht bei Fieber oder unspezifischen Beschwerden (Krankheitsgefühl, Muskel- und Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Husten, Exanthem) innerhalb von 21 Tagen nach Aufenthalt in einem Endemie- oder Ausbruchsgebiet und mindestens einer Exposition [1][2][4]:

  • Kontakt zu Erkrankten oder Verstorbenen oder deren Körperflüssigkeiten ohne Schutzausrüstung, Teilnahme an Bestattungen
  • Tätigkeit oder Behandlung in einer Gesundheitseinrichtung oder einem Labor im Gebiet
  • Kontakt zu Fledertieren (Höhlen, Minen), Affen, Wildtierfleisch oder Nagetieren
  • Zeckenstich oder Kontakt mit Blut von Nutztieren, etwa beim Schlachten (CCHF)

Zusätzlich nach Malariaprophylaxe und Gelbfieber-Impfstatus fragen [2]. Blutungen treten spät auf und fehlen oft. Ihr Fehlen schließt ein VHF nicht aus [4].

Bei Verdacht sofort, in dieser Reihenfolge:
1. Abstand von mindestens 1,5 m halten und gezielt nach Reise und Exposition fragen.
2. Isolieren: separater Raum, möglichst Einzelzimmer mit Schleuse. Keine Transporte im Haus.
3. Schützen: bei direktem Kontakt FFP3-Maske, Schutzbrille oder Gesichtsschild, Einmal-Schutzkittel, doppelte Handschuhe, Fußschutz. So wenig Personal wie möglich.
4. Das Gesundheitsamt am Ort der Vorstellung sofort telefonisch informieren (Verdachtsmeldung nach § 6 IfSG).
5. Ein STAKOB-Kompetenz- oder Behandlungszentrum beraten lassen.
6. Malaria-Diagnostik nach Absprache (siehe unten).
7. Verlegung auf eine Sonderisolierstation: Das Gesundheitsamt entscheidet nach Beratung durch das STAKOB-Zentrum [2][1][4][5]

Die Kontaktdaten der Zentren stehen auf rki.de/stakob [6]. Die gesetzliche Meldefrist beträgt höchstens 24 Stunden, bei VHF-Verdacht wird aber sofort telefonisch gemeldet [2][5].

Steckbrief

ErregerVerbreitungReservoir und ÜbertragungInkubationMensch zu MenschLetalität
Ebola (Filovirus, Spezies Zaire, Sudan, Bundibugyo, Taï Forest)Subsahara-Afrika, vor allem Zentral- und WestafrikaFlughunde und Fledermäuse, Affen, Wildtierfleisch. Dann Blut und Körperflüssigkeiten von Kranken und Verstorbenen2–21 Tage, meist 6–10ja, ab Symptombeginn, hoch in der Spätphase und über Verstorbeneim Mittel etwa 50 % (25–90 %) [7][4][1]
Marburg (Filovirus)Ost-, Zentral-, West- und SüdafrikaNilflughund (Höhlen, Minen), Affen. Dann wie Ebola2–21 Tage, meist 5–10ja, wie Ebolaim Mittel etwa 50 % (24–88 %), unter Intensivtherapie etwa 30 % [8][9]
Lassa (Arenavirus)WestafrikaVielzitzenmaus, Urin und Kot, Nahrung. Dann Körperflüssigkeiten, nosokomialmeist 6–21 Tageja, vor Symptombeginn nicht, in der Frühphase geringetwa 1 % aller Infizierten, 15–20 % der Hospitalisierten [10][11]
Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber (Nairovirus)Afrika, Balkan, Türkei, Naher Osten, Asien. In der EU u. a. Bulgarien, Griechenland, SpanienHyalomma-Zecken, Blut und Gewebe von Nutztieren. Dann Blut, nosokomial1–13 Tage (nach Zeckenstich 1–3, nach Blutkontakt 5–7)ja, vor allem nosokomial10–40 % [12][13][14]

Meldepflicht: Verdacht, Erkrankung und Tod nach § 6 IfSG, Erregernachweis nach § 7 IfSG. Absonderung nach § 30 IfSG [15][5].

Abgrenzung

  • Gelbfieber (Stechmücken, tropisches Afrika und Südamerika): Inkubation 3–6 Tage, keine Übertragung von Mensch zu Mensch außer über Blut. Keine Sonderisolierung, aber Mückenschutz [16].
  • Hantavirus (Nagetiere, auch in Deutschland): Inkubation meist 2–4 Wochen, bei den in Europa und Asien verbreiteten Typen keine Übertragung von Mensch zu Mensch. Keine Sonderisolierung [17].

Aktuelle Ausbruchsgebiete

Immer die aktuelle Lage prüfen

Ausbrüche ändern sich schnell. Deshalb steht hier keine Länderliste. Aktuelle Ausbruchsgebiete beim RKI (rki.de/vhf-ausbruchsgebiete) und bei der WHO (Disease Outbreak News) prüfen [18][19].

Beispiel 2026: Seit Mai 2026 läuft in Zentralafrika ein Ausbruch durch das Bundibugyo-Ebolavirus, die WHO hat eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite erklärt. Die zugelassenen Antikörper und der Ebola-Impfstoff wirken nur gegen das Zaire-Ebolavirus. Auf Zaire ausgerichtete PCR-Tests erfassen Bundibugyo nicht. Dem Labor deshalb immer die Reiseregion nennen [4][20].

Diagnostik

Spezifische VHF-Diagnostik

  • Nur nach Absprache mit Gesundheitsamt und STAKOB-Zentrum. Untersucht wird in Speziallaboren [1][4].
  • Material: Serum oder EDTA-Vollblut. Eine negative PCR in den ersten 72 h nach Symptombeginn wird später wiederholt [4][1].
  • Ist die Verlegung nicht sofort möglich, werden Proben vor Ort unter Schutzausrüstung abgenommen [1][15].

Malaria-Diagnostik bei VHF-Verdacht

  • Unbegründeter Verdacht (keine Exposition): reguläre Malaria-Diagnostik mit Blutausstrich und dickem Tropfen, auch nach negativem Schnelltest. Ein positiver Malaria-Befund hebt den Verdacht auf. Die Therapie nicht verzögern [3].
  • Begründeter Verdacht: Ob und wie vor der Verlegung auf Malaria getestet wird, wird mit dem STAKOB-Zentrum entschieden. Der Schnelltest birgt für das Personal ein geringeres Infektionsrisiko als Blutausstriche. Ein positiver Malaria-Befund hebt einen begründeten VHF-Verdacht nicht auf. Die Malariatherapie dann beginnen [3].

Differenzialdiagnosen

Malaria, invasive Meningokokkeninfektion, Leptospirose, Rickettsiosen, schweres Dengue, Typhus, Sepsis anderer Ursache, Gruppe-A-Streptokokken mit Toxinschocksyndrom, Rückfallfieber, Hantavirus, Gelbfieber [4][21]. Eine alternative Diagnose schließt ein VHF bei begründetem Verdacht nicht aus [4].

Therapie

Die Behandlung erfolgt auf einer Sonderisolierstation. Bis zur Verlegung gelten supportive Grundsätze [4][10].

Bis zur Verlegung

  • Vitalfunktionen sichern, Flüssigkeit und Elektrolyte ausgleichen [4].
  • Keine gerinnungswirksamen Medikamente wie NSAR [4].
  • Aerosolbildende Maßnahmen (Intubation, Absaugen, Bronchoskopie) nur, wenn unvermeidbar, und nur in voller Schutzausrüstung [10][12].
  • Kalkulierte Antibiotika nicht verzögern, wenn eine bakterielle Sepsis oder eine Meningokokkeninfektion möglich ist. Dann nach Sepsis und septischer Schock [4].

Im Behandlungszentrum

  • Spezifische Therapie und Postexpositionsprophylaxe werden im STAKOB-Behandlungszentrum entschieden [6].
  • Ebola durch das Zaire-Ebolavirus: monoklonale Antikörper als individueller Heilversuch. Gegen Sudan- und Bundibugyo-Ebolavirus und gegen Marburg gibt es keine zugelassenen Mittel [4][9].
  • Lassa und CCHF: Ribavirin ist experimentell, sein Nutzen ist unsicher. Bei Lassa mit niedriger ALT kann es schaden [10][12].

Kontaktpersonen und Prävention

  • Das Gesundheitsamt ermittelt die Kontaktpersonen schon beim Verdacht. Die Notaufnahme notiert alle Personen mit Kontakt (Personal, Mitpatient:innen, Begleitung) [15].
  • Kontaktpersonen werden 21 Tage beobachtet, mit zweimal täglicher Temperatur- und Symptomkontrolle. Bei Fieber ab 38 °C PCR [15][10].
  • Nach Hochrisikokontakt (Nadelstich, Schleimhautkontakt mit Blut oder Sekret, Reanimation oder Intubation ohne Schutzausrüstung) Postexpositionsprophylaxe nur über das STAKOB-Zentrum [4][12].
  • Impfung: Gegen das Zaire-Ebolavirus gibt es einen Lebendimpfstoff für beruflich Exponierte und als Ringimpfung im Ausbruch. Gegen Sudan- und Bundibugyo-Ebolavirus, Marburg, Lassa und CCHF gibt es keinen zugelassenen Impfstoff [4]. Gelbfieber: Lebendimpfung mindestens 10 Tage vor der Einreise [16].
  • Reisende schützen sich durch Meiden von Höhlen mit Fledertieren, Wildtierfleisch, Kontakt zu Kranken und Verstorbenen sowie durch Zecken- und Nagerschutz [9][10][12].

Quellen & Hinweise

  • [1] Robert Koch-Institut. Ebolafieber: Verdachtsabklärung und Erstmaßnahmen. Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte. Stand 18.09.2026. doi:10.25646/14241.3
  • [2] Robert Koch-Institut, STAKOB. Infografik zur Früherkennung und Erstmaßnahmen bei Verdacht auf HCID. Stand 15.12.2025. doi:10.25646/11539.4
  • [3] Robert Koch-Institut. Hinweise zur Malaria-Diagnostik und zur Interpretation von Malaria-Befunden bei einer in den letzten 21 Tagen aus Ebolafieber-Ausbruchsländern eingereisten Person. Stand 26.10.2022. rki.de
  • [4] Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB). Hinweise zu Therapie und Prophylaxe von Ebolafieber. Stand 18.09.2026. Berlin: Robert Koch-Institut, 2026. doi:10.25646/10986.6
  • [5] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), §§ 6, 7, 30. gesetze-im-internet.de
  • [6] Robert Koch-Institut. STAKOB: Kompetenz- und Behandlungszentren in Deutschland. rki.de/stakob
  • [7] World Health Organization. Ebola disease. Fact sheet. Abruf 26.10.2026. who.int
  • [8] World Health Organization. Marburg virus disease. Fact sheet. Abruf 26.10.2026. who.int
  • [9] STAKOB. Hinweise zur Therapie von Marburg-Virus-Erkrankung. Stand Februar 2025. Berlin: Robert Koch-Institut, 2025. doi:10.25646/12907
  • [10] STAKOB. Hinweise zur Therapie von Lassafieber. Stand Februar 2025. Berlin: Robert Koch-Institut, 2025. doi:10.25646/11745.2
  • [11] World Health Organization. Lassa fever. Fact sheet. Abruf 26.10.2026. who.int
  • [12] STAKOB. Hinweise zur Therapie von hämorrhagischem Krim-Kongo-Fieber (CCHF). Stand Februar 2025. Berlin: Robert Koch-Institut, 2025. doi:10.25646/11987.2
  • [13] World Health Organization. Crimean-Congo haemorrhagic fever. Fact sheet. 20.02.2025. who.int
  • [14] European Centre for Disease Prevention and Control. Factsheet about Crimean-Congo haemorrhagic fever. Abruf 26.10.2026. ecdc.europa.eu
  • [15] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Lassafieber. Stand 26.11.2019. rki.de
  • [16] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Gelbfieber. Stand 12.08.2022. rki.de
  • [17] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung. Stand 13.11.2020. rki.de
  • [18] Robert Koch-Institut. Ausbruchsgebiete viraler hämorrhagischer Fieber. rki.de/vhf-ausbruchsgebiete
  • [19] World Health Organization. Disease Outbreak News. who.int
  • [20] Robert Koch-Institut. Informationen zum Ebolafieber-Ausbruch (Bundibugyo-Ebolavirus) in der Demokratischen Republik Kongo. Stand 21.10.2026. rki.de
  • [21] Paquet D, Jung L, Trawinski H, Wendt S, Lübbert C. Fieber bei Reiserückkehrern. Dtsch Arztebl Int. 2022;119(22-23):400–407. doi:10.3238/arztebl.m2022.0182

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