Hautveränderungen nach Reise

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 26.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 26.10.2026

Kurzüberblick

Hautveränderungen sind nach Durchfall und Fieber der dritthäufigste Grund für einen Arztbesuch nach einer Fernreise, in GeoSentinel bei etwa jeder fünften Vorstellung [1][2]. Am häufigsten sind Larva migrans cutanea, Insektenstiche und ihre bakterielle Superinfektion, Abszesse, allergische Exantheme und Hundebisse [3].

Zuerst Allgemeinzustand und Fieber, dann die Morphologie. Fieber mit Hautbefund wird nach dem Kapitel Fieber bei Reiserückkehrern abgeklärt. Danach führen Reiseziel, Exposition und der Leitbefund (Papel, Ulkus, kriechende Läsion, Eschar) meist rasch zur Diagnose [3].

Die meisten Reisedermatosen sind harmlos. Notfälle sind selten, dürfen aber nicht übersehen werden [3].

Siehe auch Haut- und Weichteilinfektionen, Dengue, Leishmaniose, Rickettsiosen, Schistosomiasis, Larva migrans, Tungiasis und Myiasis, Strongyloidiasis und Tollwut-Exposition nach Tierbiss.

Red Flags

WarnzeichenDaran denkenSofort
Fieber mit Petechien oder PurpuraMeningokokkensepsis, schwere Dengue, Rickettsiosen, virales hämorrhagisches FieberBlutkulturen, Malaria-Diagnostik, empirische Therapie nach Fieber bei Reiserückkehrern [3]
Fieber mit Eschar (schwarze Kruste)Rickettsiose (Zeckenstichfieber nach Safari, Mittelmeer-Fleckfieber, Tsutsugamushi-Fieber)Doxycyclin sofort, nicht auf die Bestätigung warten [4]
Fieber mit Bläschen oder PustelnMpox, Varizellenisolieren, PCR aus dem Bläscheninhalt [5]
Wunde nach Salz- oder Brackwasser mit hämorrhagischen Blasen, LebererkrankungVibrio vulnificus, nekrotisierende WeichteilinfektionVibrionen-Infektion, Nekrotisierende Weichteilinfektionen [3]
Schmerz stärker als der Befund, rasche Ausbreitungnekrotisierende Weichteilinfektionchirurgisches Konsil sofort
Tierbiss in einem Tollwutgebiet, AffenbissTollwut, bei Makaken B-VirusWundreinigung, Postexpositionsprophylaxe [3]
Grau belegtes Ulkus nach Aufenthalt in Afrika oder Asien oder bei GeflüchtetenHautdiphtherieAbstrich vor Antibiotika, Kontaktisolierung, Meldepflicht [6]
Krustige, schuppende Beläge mit wenig JuckreizScabies crustosa, hoch ansteckendisolieren, möglichst stationär [7]

Vor Kortikosteroiden oder einer Immunsuppression nach Aufenthalt in Tropen oder Subtropen an Strongyloides stercoralis denken, auch Jahre nach der Reise. Unter Steroiden droht eine Hyperinfektion mit hoher Letalität. Vorher testen oder behandeln [8].

Vorgehen in Notaufnahme und Ambulanz

SchrittVorgehen
1. Fieber, AllgemeinzustandFieber oder Systemzeichen: Vorgehen nach Fieber bei Reiserückkehrern, Malaria-Diagnostik nach Malariagebiet [3]
2. Red FlagsTabelle oben. Isolierung bei Verdacht auf Mpox, Scabies crustosa oder Hautdiphtherie
3. AnamneseReiseziel, Beginn, Juckreiz oder Schmerz, Expositionen (Tabelle unten)
4. LeitbefundPrimärläsion bestimmen: Papel, Knoten, Ulkus, kriechende Läsion, Exanthem, Eschar, Urtikaria [3]
5. Diagnostikgezielt nach Leitbefund: Abstrich mit Antibiogramm, PCR, Biopsie, Milbennachweis
6. Therapienach Diagnose (Karten unten). Unklare chronische Ulzera und Verdacht auf Leishmaniose: Biopsie und Zentrum, keine Therapie auf Verdacht

Anamnese

  • Beginn während oder nach der Reise, Verlauf, Fotos früher Läsionen [3].
  • Juckreiz oder Schmerz, Fieber, Mitreisende mit gleichem Befund [3].
  • Medikamente während der Reise, besonders Doxycyclin (phototoxisch) und Cremes aus dem Ausland (oft mit Kortikoid oder Neomycin) [3].
  • Impfstatus (Tetanus, Tollwut, Masern, Varizellen).

Exposition und daran denken

ExpositionDaran denken
Barfuß am Strand, SandLarva migrans cutanea, Tungiasis [3][9]
Insektenstiche, Mücken, SandmückenSuperinfektion, kutane Leishmaniose, Dengue-Exanthem [3]
Fliegen, Wäsche im Freien getrocknet (Afrika), Regenwald (Lateinamerika)furunkuläre Myiasis [3][10]
Zecken, SafariRickettsiosen mit Eschar [4]
Salz- oder Süßwasser mit WundeVibrio, Aeromonas, Mycobacterium marinum [3]
Enger Hautkontakt, Sexualkontakte, UnterkünfteSkabies, Mpox, Syphilis [11][5]
Tierkontakt, BisseTollwut, Pasteurella, B-Virus (Makaken) [3]
Geflüchtete, Aufenthalt in Afrika oder AsienHautdiphtherie, Skabies [6]

Leitbefund

LeitbefundWichtige Differenzialdiagnosen
Papeln, KnotenInsektenstiche, Skabies (Handgelenke, Fingerzwischenräume, Genitale), furunkuläre Myiasis (Knoten mit zentraler Öffnung), Tungiasis (Fußsohle, Zehen) [3]
UlkusEkthyma durch S. aureus oder Streptokokken (häufigste Ursache akuter Ulzera), kutane Leishmaniose (schmerzlos, Randwall, über Wochen), Hautdiphtherie (grauer Belag) [3][6]
Kriechende, lineare LäsionLarva migrans cutanea (wenige mm bis 1 cm pro Tag, Füße, Gesäß), Larva currens bei Strongyloides (rasch, urtikariell), Lymphangitis [3][9]
Exanthem mit FieberDengue, Chikungunya, Zika, Masern, akute HIV-Infektion, Rickettsiosen, Leptospirose, Arzneimittelexanthem [3]
EscharRickettsiosen [4]
Urtikariaakute Schistosomiasis (Katayama-Syndrom), Strongyloides, akute HIV-Infektion [9]
Juckreiz ohne PrimärläsionSkabies, Arzneimittel [3]

Häufigste Hautdiagnosen bei Reiserückkehrern (GeoSentinel): Larva migrans cutanea 9,8 %, Insektenstich 8,2 %, Hautabszess 7,7 %, superinfizierter Insektenstich 6,8 %, allergisches Exanthem 5,5 %, Hundebiss 4,3 %, Dengue 3,4 %, Leishmaniose 3,3 %, Myiasis 2,7 % [3][2].

Diagnostik

  • Abszess, Pyodermie, Ulkus: Abstrich oder Punktat mit Kultur und Antibiogramm. Bei Rezidiv oder mehreren Betroffenen PVL-PCR [12].
  • Eschar: Abstrich oder Biopsie für die Rickettsien-PCR. Serologie nur rückblickend [4].
  • Verdacht auf kutane Leishmaniose: Stanzbiopsie (4 mm) vom Rand der Läsion, teilen in NaCl 0,9 % (Mikroskopie, PCR, Kultur) und Formalin (Histologie). Speziesbestimmung anstreben [13].
  • Skabies: Milbennachweis aus Hautgeschabsel, Klebebandtest oder Dermatoskopie [11].
  • Bläschen mit Fieber: PCR aus dem Läsionsabstrich auf Mpox und Varizellen [5].
  • Hautdiphtherie: Abstrich vor Antibiotika, Erreger an das Konsiliarlabor zum Toxinnachweis [6].
  • Eosinophilie spricht für Würmer (Strongyloides, Katayama-Syndrom) [3][9].

Therapie

Larva migrans cutanea

  • 1. Wahl
    • Ivermectin – 200 µg/kg KG po einmalig [14]
  • Alternative
    • Albendazol – 400 mg po einmal täglich für 3 Tage [14]
  • Hinweise
    • Heilt in 4–6 Wochen von selbst. Behandeln bei starkem Juckreiz, vielen Gängen oder Superinfektion [3][9].
    • Gegen den Juckreiz topisches Kortikosteroid. Superinfektion behandeln [14].

Strongyloidiasis, Larva currens

  • 1. Wahl
    • Ivermectin – 200 µg/kg KG po einmal täglich an 1–2 Tagen [8]
  • Alternative
    • Albendazol – 2x 400 mg po für 7 Tage [8]
  • Hinweise
    • Hyperinfektion oder Dissemination: Immunsuppression reduzieren, Ivermectin täglich bis Stuhl und Sputum 2 Wochen negativ sind, Infektiologie [8].
    • Ivermectin nicht bei Loa-loa-Koinfektion (Zentral- und Westafrika), nicht in der Schwangerschaft [8].

Skabies

  • 1. Wahl
    • Permethrin 5 % Creme – von Kopf bis Fuß einschließlich Kopfhaut, Leisten, Genitale, Finger- und Zehenzwischenräumen und unter den Nagelrändern auftragen, nach 8–12 h abwaschen, nach 7–14 Tagen wiederholen [11][7]
  • gleichwertig
    • Ivermectin – 200 µg/kg KG po mit einer Mahlzeit, zweite Dosis nach einer Woche [11]
      • nicht in der Schwangerschaft, nicht unter 15 kg KG [11]
  • Scabies crustosa
    • Permethrin täglich für 7 Tage, dann zweimal wöchentlich bis zur Heilung, plus Ivermectin 200 µg/kg KG an Tag 1, 2 und 8, bei schwerem Verlauf zusätzlich an Tag 9 und 15 oder 9, 15, 22 und 29 [11]. Isolieren, möglichst stationär [7].
  • Hinweise
    • Alle engen Kontaktpersonen gleichzeitig behandeln. Wäsche bei mindestens 50 °C waschen oder eine Woche im Plastiksack lagern [11].
    • Juckreiz kann 2–4 Wochen nach erfolgreicher Therapie anhalten. Kontrolle nach 2 Wochen [11].
    • Das RKI nennt Ivermectin als Einzelgabe [7]. Die europäische Leitlinie empfiehlt zwei Gaben im Abstand von einer Woche, weil Ivermectin die Eier nicht sicher abtötet [11]. Die CDC nennt zwei Gaben im Abstand von 7–14 Tagen [15].

Myiasis und Tungiasis

  • Myiasis
    • Atemöffnung für einige Stunden mit Vaseline verschließen, dann die Larve vorsichtig herausdrücken, sonst kleine Inzision. Die Larve nicht verletzen [3]. In einer israelischen Serie reichte die manuelle Entfernung bei 76 % [10].
  • Tungiasis
    • Sandfloh steril entfernen, Tetanusschutz prüfen [3].
  • Hinweise
    • Antibiotika nur bei Superinfektion.

Abszess, Furunkel, Pyodermie

  • Vorgehen
    • Abstrich mit Antibiogramm vor jeder Therapie. Kleine Abszesse nur eröffnen und drainieren [3].
    • Systemische Therapie nach Kapitel Haut- und Weichteilinfektionen.
  • Hinweise
    • Bei Hautinfektionen nach interkontinentalen Reisen war S. aureus in 62 % nachweisbar, davon fast zwei Drittel PVL-positiv. PVL war mit schwereren Verläufen verbunden. Resistenzen gegen Cotrimoxazol, Erythromycin und Tetracyclin lagen bei etwa 20 % [12].
    • Rezidivierende Furunkel: PVL-PCR, Dekolonisation, gegebenenfalls im Haushalt [3].

Wunde nach Wasserkontakt

Rickettsiosen (Eschar)

  • 1. Wahl
    • Doxycyclin – 2x 100 mg po für mindestens 5–7 Tage [4]
  • Hinweise
    • Sofort bei Verdacht beginnen, nicht auf die Bestätigung warten [4].

Hautdiphtherie

  • Vorgehen
    • Penicillin oder Erythromycin nach Antibiogramm, insgesamt 14 Tage. Abstrich vor der ersten Gabe [6].
    • Kontaktisolierung, Meldung an das Gesundheitsamt, Impfstatus der Kontaktpersonen prüfen [6].

Kutane Leishmaniose

  • Vorgehen
    • Keine Therapie auf Verdacht. Die Behandlung ist nicht zeitkritisch, Biopsie und Speziesbestimmung abwarten [13].
    • Behandlung in einem tropenmedizinischen oder dermatologischen Zentrum [13][16].
  • Lokal oder systemisch
    • Systemisch bei „komplexen“ Läsionen (mehr als 3, über 40 mm, Gesicht, Hände, über Gelenken, nahe Schleimhäuten, Lymphangitis oder Satelliten, therapierefraktär), bei Leishmanien der Neuen Welt aus dem Subgenus Viannia und bei Schleimhautbefall [13].
    • Lokal bei einfachen Läsionen der Alten Welt und des L.-mexicana-Komplexes [13].
  • Hinweise
    • Die deutsche Leitlinie stammt von 2010 (ältere Fassung). Viele Präparate sind in Deutschland nicht zugelassen [13].

Tierbisse und Tollwut

Wunde gründlich reinigen, Tetanusschutz prüfen, Tollwut-Postexpositionsprophylaxe nach Expositionsgrad und Impfstatus. Nach Makakenbiss zusätzlich an das B-Virus denken [3]. Vorgehen im Steckbrief Tollwut-Exposition nach Tierbiss.

Meldepflicht und Isolierung

ErkrankungIsolierungMeldepflicht
HautdiphtherieKontaktisolierung bis zu negativen KontrollabstrichenArzt (§ 6) und Labor (§ 7) [6][17]
MpoxIsolierungArzt und Labor [5][17]
Scabies crustosaIsolierung, Schutzkittel und HandschuheHäufung in Gemeinschaftseinrichtungen [7]

Quellen & Hinweise

  • [1] Leder K, Torresi J, Libman MD, et al. GeoSentinel surveillance of illness in returned travelers, 2007–2011. Ann Intern Med. 2013;158(6):456–468. doi:10.7326/0003-4819-158-6-201303190-00005
  • [2] Lederman ER, Weld LH, Elyazar IR, et al. Dermatologic conditions of the ill returned traveler: an analysis from the GeoSentinel Surveillance Network. Int J Infect Dis. 2008;12(6):593–602. doi:10.1016/j.ijid.2007.12.008
  • [3] Wanat KA, Norton SA. Post-travel dermatologic conditions. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
  • [4] McCormick DW, Nicholson WL. Rickettsial diseases. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
  • [5] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Mpox. Stand 26.01.2026. rki.de
  • [6] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Diphtherie. Stand 29.02.2024. rki.de
  • [7] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Skabies (Krätze). Abschnitt Therapie aktualisiert 10/2024. rki.de
  • [8] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of Strongyloides. cdc.gov
  • [9] Neurohr EM, Gabor J, Köhler C. Erkrankungen bei Tropenrückkehrern. hautnah dermatologie. 2022;38(5):54–63. doi:10.1007/s15012-022-7510-x
  • [10] Lachish T, Marhoom E, Mumcuoglu KY, Tandlich M, Schwartz E. Myiasis in travelers. J Travel Med. 2015;22(4):232–236. doi:10.1111/jtm.12203
  • [11] Salavastru CM, Chosidow O, Boffa MJ, Janier M, Tiplica GS. European guideline for the management of scabies. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2017;31(8):1248–1253. doi:10.1111/jdv.14351
  • [12] Nurjadi D, Friedrich-Jänicke B, Schäfer J, et al. Skin and soft tissue infections in intercontinental travellers and the import of multi-resistant Staphylococcus aureus to Europe. Clin Microbiol Infect. 2015;21(6):567.e1–10. doi:10.1016/j.cmi.2015.01.016
  • [13] Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG), Paul-Ehrlich-Gesellschaft, Deutsche Dermatologische Gesellschaft. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der kutanen und mukokutanen Leishmaniasis in Deutschland. AWMF-Register 042/007, Stand 11/2010. Veröffentlicht als: Boecken G, Sunderkötter C, Bogdan C, et al. J Dtsch Dermatol Ges. 2011;9 Suppl 8:1–51. doi:10.1111/j.1610-0379.2011.07820.x
  • [14] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of zoonotic hookworm (cutaneous larva migrans). cdc.gov
  • [15] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of scabies. cdc.gov
  • [16] Abbott A, Chancey RJ, Roy SL. Leishmaniasis. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
  • [17] Infektionsschutzgesetz (IfSG), §§ 6 und 7. gesetze-im-internet.de

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