Kurzüberblick
Die Schistosomiasis ist eine Wurmerkrankung durch Pärchenegel. Die Larven dringen beim Baden, Waten oder Raften in Süßwasser durch die Haut ein, vor allem in Afrika (z. B. Malawisee, Victoriasee, Nil), seltener in Südamerika und Asien, seit 2013 auch auf Korsika [1][2][3].
Akut zeigt sie sich als Katayama-Syndrom mit Fieber, Urtikaria, Husten und deutlicher Eosinophilie wenige Wochen nach dem Baden. Chronisch schädigen die Eier Blase, Genitale, Darm und Leber [1].
Kein Antibiotikum. Therapie mit Praziquantel, beim Katayama-Syndrom aber erst nach 3 Monaten. Grundlage ist die S1-Leitlinie der DTG von 2017. Sie ist abgelaufen und wird überarbeitet [1].
Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern und Hautveränderungen nach Reise.
Steckbrief
| Merkmal | Schistosomiasis |
|---|---|
| Erreger | S. haematobium (urogenital), S. mansoni (Darm und Leber), seltener S. japonicum, S. mekongi, S. intercalatum und S. guineensis [1] |
| Verbreitung | weite Teile Afrikas, östliches Brasilien, Venezuela, Jemen, Irak, Syrien, China, Laos, Kambodscha, Philippinen, Sulawesi [1]. Auf Korsika autochthone Übertragung in mehreren Flüssen [3] |
| Übertragung | Larven (Zerkarien) dringen beim Kontakt mit Süßwasser durch die Haut ein, auch bei kurzem Kontakt, Baden unter Wasserfällen oder Bootsfahrten. Meer- und Brackwasser sind sicher. Keine Ansteckung von Mensch zu Mensch [1][4] |
| Inkubation | Zerkariendermatitis Stunden bis Tage. Katayama-Syndrom in den ersten 3 Monaten nach Exposition. Chronische Formen Monate bis Jahre. Eier frühestens etwa 12 Wochen nach Exposition nachweisbar [1] |
| Isolierung | keine [4] |
| Meldepflicht | keine namentliche Meldepflicht nach IfSG |
Red Flags
- Neurologische Ausfälle nach Süßwasserkontakt (Querschnitt, Paraparese, Blasenstörung, Krampfanfall): Neuroschistosomiasis, MRT und sofort Tropenmedizin [1].
- Hohes Fieber nach Afrika: zuerst Malaria ausschließen, auch wenn Süßwasserkontakt bekannt ist [5].
- Hämatemesis oder Meläna bei bekannter Schistosomiasis: Blutung aus Varizen bei portaler Hypertension [1].
- Atemnot, Leistungsknick bei bekannter Schistosomiasis: Cor pulmonale ausschließen (Echokardiographie) [1].

Fieber mit Eosinophilie nach Süßwasserkontakt nicht antibiotisch behandeln, sobald eine Malaria ausgeschlossen ist und keine Sepsiszeichen bestehen. Antibiotika helfen bei der Schistosomiasis nicht [1][5].
Klinik
| Stadium | Zeit nach Exposition | Klinik |
|---|---|---|
| Zerkariendermatitis | Stunden bis Tage | juckende Papeln an der exponierten Haut, oft unbemerkt [4] |
| Katayama-Syndrom | bis 3 Monate | Fieber, Urtikaria, Ödeme, Myalgien, Arthralgien, Husten, Diarrhö, Hepato- und Splenomegalie, Eosinophilie, selten ZNS-Symptome. Fast nur bei Erstinfizierten wie Reisenden [1] |
| chronisch urogenital (S. haematobium) | Monate bis Jahre | Hämaturie, Hämospermie, Dysurie, Harnleiterstenose, Hydronephrose, Genitalbefall der Frau mit Blutungen und Sterilität, spät Plattenepithelkarzinom der Blase [1] |
| chronisch intestinal und hepatisch (S. mansoni, S. japonicum) | Monate bis Jahre | chronische, auch blutige Diarrhö, Kolon-Pseudopolypen, periportale Fibrose, portale Hypertension, Splenomegalie [1] |
| Neuroschistosomiasis | Wochen bis Jahre | transverse Myelitis, Radikulopathie, seltener Krampfanfälle, Hirndruckzeichen [1] |
Diagnostik
Diagnostik bei Symptomen nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet oder bei Süßwasserkontakt dort [1].
Methoden
- Serologie mit zwei unterschiedlichen Tests (ELISA und IFT). Bei Beschwerdefreien reicht sie als Screening [1].
- Ei-Nachweis bei Symptomen zusätzlich: drei Sammelurine (Urin zwischen 10 und 14 Uhr) bei S. haematobium-Gebieten, drei Stuhlproben in Konservierungsflüssigkeit bei S. mansoni-Gebieten [1].
- PCR aus EDTA-Blut beim Verdacht auf Katayama-Syndrom, weil Serologie und Ei-Nachweis dann noch negativ sein können. Ergänzend bei positiver Serologie ohne Ei-Nachweis [1].
- Sonographie von Blase, Leber und Milz. MRT bei Verdacht auf Neuroschistosomiasis [1].
- Nicht nötig: Zystoskopie (außer bei Verdacht auf Blasenkarzinom), Fibrosemarker, IgE [1].
Screening Beschwerdefreier
Alle, die in Endemiegebieten Süßwasserkontakt hatten, deren Mitreisende erkrankt sind oder die länger in Endemiegebieten gelebt haben, auch Geflüchtete und Migrant:innen. Frühestens 3 Monate nach der letzten möglichen Exposition. Eine negative Serologie schließt die Infektion dann ausreichend sicher aus. Liegt die Exposition kürzer als 3 Monate zurück, wiederholen [1].
Befundbewertung
| Befund | Bewertung |
|---|---|
| Serologie positiv oder negativ, Eier positiv | Schistosomiasis nachgewiesen [1] |
| Serologie positiv, Eier negativ | Präpatenz (unter 12 Wochen) und Kreuzreaktion mit anderen Würmern bedenken, dazu Fasciola-Serologie. Ei-Nachweis wiederholen, PCR, sonst probatorische Therapie mit Praziquantel [1] |
| Serologie und Eier negativ, Eosinophilie und Fieber, Aufenthalt in den letzten 3 Monaten | Verdacht auf Katayama-Syndrom: PCR, Diagnostik wiederholen [1] |
Therapie
Einziges Mittel ist Praziquantel. Die DTG-Leitlinie empfiehlt 3 Tage statt der einmaligen Gabe aus Fachinformation und WHO-Empfehlung [1].
Katayama-Syndrom
- Vorgehen
- Verlegung oder Vorstellung in einer tropenmedizinischen Einrichtung [1].
- Symptomatische Therapie. Bei schwerem Verlauf oder neurologischen Symptomen Kortikosteroide [1].
- Kein Praziquantel in dieser Phase. Es wirkt kaum auf junge Würmer und kann den Zustand verschlechtern. 3 Monate nach der Infektion Serologie und Ei-Nachweis, dann Therapie nach Gruppe [1].
- Hinweis
- Internationale Empfehlungen geben Praziquantel teils früher, zusammen mit Prednison und mit Wiederholung nach 6–8 Wochen [6][7].
Nachgewiesene oder vermutete Schistosomiasis
- S. haematobium, S. mansoni oder vermutet ohne Ei-Nachweis (außer Ost- und Südostasien)
- Praziquantel – 40 mg/kg KG pro Tag po über 3 Tage, zur Mahlzeit [1]
- S. japonicum, S. mekongi, S. intercalatum, S. guineensis
- Praziquantel – 60 mg/kg KG pro Tag po über 3 Tage, Tagesdosis auch in 2 Gaben im Abstand von 4–6 h [1]
- Hinweise
- Bei schwerer Leberfunktionsstörung nur 1 Tag [1].
- Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital senken den Praziquantel-Spiegel. Dexamethason mindestens 1 Woche vorher absetzen [1].
- CDC und WHO nennen 1 Tag [8][2].

Praziquantel war in Deutschland ab Mai 2025 in Apotheken nicht mehr erhältlich. Verfügbarkeit vorab klären, Bezug über die Krankenhausapotheke oder Einzelimport, Rücksprache mit einer tropenmedizinischen Einrichtung [9].
Verlaufskontrollen
Abgestorbene Eier bleiben lange im Gewebe und werden noch länger ausgeschieden. Nur der Nachweis vitaler Eier nach mehr als 3 Monaten zeigt ein Therapieversagen oder eine Reinfektion an [1].
| Zeitpunkt | Kontrolle |
|---|---|
| nach 6, 12 und 24 Monaten | Ei-Nachweis (drei Sammelurine bzw. drei Stuhlproben), bei S. haematobium auch Urinstatus [1] |
| nach 12 und 24 Monaten | Serologie möglichst im selben Labor, Kontrolle pathologischer Vorbefunde in der Bildgebung [1] |
- Geheilt: kein Ei-Nachweis und fallende oder negative Antikörper nach 12 und 24 Monaten [1].
- Therapie wiederholen: weiter Ei-Nachweis oder gleichbleibende bzw. steigende Antikörper [1].
Prävention
- Kein Kontakt mit Süßwasser in Endemiegebieten, auch nicht kurz. Meer und gechlortes Wasser sind sicher [4].
- Kein Impfstoff, keine Chemoprophylaxe [4].
- Nach Süßwasserkontakt Screening frühestens nach 3 Monaten [1].
Quellen & Hinweise
- [1] Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG). S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Schistosomiasis (Bilharziose). AWMF-Register 042-005, Stand 10/2017 (Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung). register.awmf.org
- [2] World Health Organization. Schistosomiasis. Fact sheet. who.int
- [3] Rothe C, Zimmer T, Schunk M, Wallrauch C, Helfrich K, Gültekin F, et al. Developing endemicity of schistosomiasis, Corsica, France. Emerg Infect Dis. 2021;27(1):319–321. doi:10.3201/eid2701.204391
- [4] Straily A, Secor WE. Schistosomiasis. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC, 2025. cdc.gov
- [5] Paquet D, Jung L, Trawinski H, Wendt S, Lübbert C. Fieber bei Reiserückkehrern. Dtsch Arztebl Int. 2022;119(22-23):400–407. doi:10.3238/arztebl.m2022.0182
- [6] Comelli A, Genovese C, Gobbi F, Brindicci G, Capone S, et al. Schistosomiasis in non-endemic areas: Italian consensus recommendations for screening, diagnosis and management. Infection. 2023;51(5):1249–1271. doi:10.1007/s15010-023-02050-7
- [7] Gray DJ, Ross AG, Li YS, McManus DP. Diagnosis and management of schistosomiasis. BMJ. 2011;342:d2651. doi:10.1136/bmj.d2651
- [8] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of schistosomiasis. cdc.gov
- [9] Lindner AK, Popescu C, Pérez-Molina JA, Díaz-Menéndez M, Rothe C, Asgeirsson H, et al. Shortage of praziquantel in Europe: a clarion call for urgent action. New Microbes New Infect. 2025;66:101613. doi:10.1016/j.nmni.2025.101613
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