Rickettsiosen

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 26.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 26.10.2026

Kurzüberblick

Rickettsiosen sind nach Malaria und Dengue eine häufige Ursache von Fieber nach Reisen. Bei Reisenden überwiegt die Fleckfiebergruppe aus dem südlichen Afrika, vor allem das Afrikanische Zeckenbissfieber nach Safari, Jagd oder Wanderung [1][2].

Typisch ist die Kombination aus Fieber, Eschar und Exanthem. Die Trias ist aber nicht immer vollständig [3].

Bei Verdacht sofort Doxycyclin, ohne auf das Labor zu warten. Fluorchinolone, Betalaktame und Sulfonamide wirken nicht oder verschlechtern den Verlauf [3][4][5].

Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern und Hautveränderungen nach Reise.

Steckbrief

FormErreger und VektorVerbreitungTypische Klinik
Afrikanisches ZeckenbissfieberRickettsia africae, Zecke (Amblyomma)Subsahara-Afrika, vor allem südliches Afrika, Westindische InselnFieber, Kopf- und Muskelschmerz, oft mehrere Eschars, regionale Lymphknoten, Exanthem papulovesikulär oder fehlend. Meist mild [3][6][2]
Mittelmeer-FleckfieberRickettsia conorii, Braune Hundezecke, meist im SommerSüdeuropa, Nordafrika, Süd- und Westasien, IndienFieber, meist ein Eschar („tache noire“), makulopapulöses Exanthem auch an Handflächen und Fußsohlen. Schwere Verläufe möglich [3][6]
Scrub typhus (Tsutsugamushi-Fieber)Orientia tsutsugamushi, Larven von MilbenAsien-Pazifik von Russland und China bis Indonesien, Nordaustralien, Afghanistan, neu auch ChileFieber, Kopf- und Muskelschmerz, Eschar, Lymphknoten, Atemwegsbeteiligung, Enzephalitis [3][7]
Murines FleckfieberRickettsia typhi, Flöheweltweit, gemäßigt bis tropischunspezifisch, Exanthem am Rumpf nur bei etwa der Hälfte, kein Eschar, Transaminasen erhöht [3][8]
Epidemisches FleckfieberRickettsia prowazekii, KleiderlausZentralafrika, Asien, Amerika. Flüchtlingslager, Krieg, Hungerschwer, kein Eschar [3]
Rocky-Mountain-Fleckfieber (abgrenzend)Rickettsia rickettsii, ZeckeNord-, Mittel- und SüdamerikaFieber, Kopfschmerz, Exanthem. Letalität 20–40 % bei verzögerter Therapie [3]
MerkmalRickettsiosen
Inkubationmeist 5–10 Tage [3], Afrikanisches Zeckenbissfieber etwa 5–7 Tage [6]
Ansteckungnicht von Mensch zu Mensch. Ausnahme ist das epidemische Fleckfieber über Kleiderläuse [3]
Isolierungkeine. Beim epidemischen Fleckfieber Entlausung [3]
Meldepflichtnur Rickettsia prowazekii (Labormeldung nach § 7 IfSG). Die übrigen Rickettsiosen und Scrub typhus sind nicht meldepflichtig [9]

Red Flags

  • Bewusstseinsstörung, Meningismus, Enzephalitis
  • Atemnot, Hypoxämie, Pneumonitis, vor allem bei Scrub typhus [10][7]
  • Hypotonie, Schock, Myokarditis
  • Nierenversagen, Ikterus, Blutungszeichen, Purpura
  • Mittelmeer-Fleckfieber bei hohem Alter, Immunsuppression, chronischem Alkoholkonsum oder G6PD-Mangel [6]
  • Fieber mit Exanthem nach Zeckenstich in Amerika: an Rocky-Mountain-Fleckfieber denken [3]

Jede Verzögerung erhöht das Risiko. Doxycyclin schützt am besten, wenn es in den ersten 5 Krankheitstagen beginnt [4].

Keine Fluorchinolone bei Verdacht auf Rickettsiose. Beim Mittelmeer-Fleckfieber waren sie mit schwereren Verläufen verbunden (relatives Risiko 2,53) [5]. Betalaktame wirken nicht, Sulfonamide wie Cotrimoxazol können den Verlauf verschlechtern [4].

Diagnostik

Immer zuerst die Reiseroute und die Exposition erfragen: Safari, Jagd, Wandern im Gras oder Busch, Zeckenstich, Hundekontakt, Unterkunft in Lagern [3][2]. Fieber mit Eschar und passender Reise reicht für den Therapiebeginn [3].

MaterialTestHinweis
Eschar (Abstrich über Kruste oder Grund, Biopsie)PCRsensitiv und speziesspezifisch, die beste Probe [3]
BlutPCRoft erst bei schwerem Verlauf positiv. Ein negativer Befund schließt nicht aus [3]
Serum, Serumpaar im Abstand von 2–4 WochenImmunfluoreszenznur rückblickend, mindestens vierfacher Titeranstieg. Kreuzreaktionen innerhalb der Fleckfiebergruppe [3][6]
  • Speziallabor: Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Bernhard-Nocht-Institut Hamburg [11].
  • Basislabor: Blutbild (Thrombozytopenie), Transaminasen, LDH, Kreatinin [8][12].
  • Malaria nach Aufenthalt in Afrika oder Asien immer parallel ausschließen.
  • Differenzialdiagnosen: Dengue, Chikungunya, Leptospirose, Typhus, Meningokokken, Masern, akute HIV-Infektion, Q-Fieber. Eschar auch bei Anthrax und Ekthyma [12].

Therapie

Bei Verdacht sofort behandeln. Die Therapie nie wegen ausstehender Bestätigung zurückhalten [3].

Alle Formen, nicht schwer

  • 1. Wahl
    • Doxycyclin – 2x 100 mg po [3][4]
      • mindestens 5–7 Tage und bis 3 Tage nach Entfieberung mit klinischer Besserung
  • Alternative
    • Azithromycin – bei Unverträglichkeit von Doxycyclin, vor allem bei Scrub typhus [13][3]
      • bei Scrub typhus in Studien gleichwertig bei der Entfieberung [13]
  • Hinweise
    • Chloramphenicol ist mit höherer Letalität verbunden und nur eine Reserve [3][4].
    • Keine Antibiotikaprophylaxe nach Zeckenstich [3].

Schwerer Verlauf

  • Fleckfiebergruppe
    • Doxycyclin – 2x 100 mg iv, nach Besserung oral [3][4]
      • Dauer wie oben, Infektiologie einbeziehen
  • Scrub typhus mit Organbeteiligung
    • Doxycyclin plus Azithromycin – Doxycyclin iv an Tag 1 2x 200 mg, dann 2x 100 mg. Azithromycin iv an Tag 1 2x 500 mg, dann 1x 500 mg. Insgesamt 7 Tage [10]
      • weniger Komplikationen als mit einer Substanz (33 gegenüber 47 %), die Letalität sank nicht [10]
  • Hinweise

Schwangerschaft

  • Schwerer Verlauf oder Mittelmeer-Fleckfieber
    • Doxycyclin – 2x 100 mg po oder iv [4]
      • Die CDC empfiehlt Doxycyclin ausdrücklich auch in der Schwangerschaft, weil die Alternative Chloramphenicol mit höherer Letalität verbunden ist [4]
  • Milde Erkrankung
    • Azithromycin – als Alternative [6]
  • Hinweise
    • Die Quellen sind uneinheitlich: Das Yellow Book nennt Chloramphenicol, andere Makrolide [3][6]. Scrub typhus in der Schwangerschaft gefährdet das Kind [14]. Immer Rücksprache mit Infektiologie oder Tropenmedizin.

Prävention

  • Kein Impfstoff, keine Antibiotikaprophylaxe [3].
  • Repellentien auf Haut und Kleidung, schützende Kleidung, Körper nach Aufenthalt in Busch, Gras oder Wald nach Zecken absuchen [3].
  • Safari, Jagd und Wandern im südlichen Afrika, vor allem von November bis April, erhöhen das Risiko für das Afrikanische Zeckenbissfieber [2].

Quellen & Hinweise

  • [1] Jensenius M, Davis X, von Sonnenburg F, Schwartz E, Keystone JS, Leder K, et al. Multicenter GeoSentinel analysis of rickettsial diseases in international travelers, 1996-2008. Emerg Infect Dis. 2009;15(11):1791–1798. doi:10.3201/eid1511.090677
  • [2] Jensenius M, Fournier PE, Vene S, Hoel T, Hasle G, Henriksen AZ, et al. African tick bite fever in travelers to rural sub-Equatorial Africa. Clin Infect Dis. 2003;36(11):1411–1417. doi:10.1086/375083
  • [3] McCormick DW, Nicholson WL. Rickettsial diseases. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC, 2025. cdc.gov
  • [4] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of Rocky Mountain spotted fever. Stand 06.03.2025. cdc.gov
  • [5] Botelho-Nevers E, Rovery C, Richet H, Raoult D. Analysis of risk factors for malignant Mediterranean spotted fever indicates that fluoroquinolone treatment has a deleterious effect. J Antimicrob Chemother. 2011;66(8):1821–1830. doi:10.1093/jac/dkr218
  • [6] Parola P, Paddock CD, Socolovschi C, Labruna MB, Mediannikov O, et al. Update on tick-borne rickettsioses around the world: a geographic approach. Clin Microbiol Rev. 2013;26(4):657–702. doi:10.1128/CMR.00032-13
  • [7] Taylor AJ, Paris DH, Newton PN. A systematic review of mortality from untreated scrub typhus (Orientia tsutsugamushi). PLoS Negl Trop Dis. 2015;9(8):e0003971. doi:10.1371/journal.pntd.0003971
  • [8] Tsioutis C, Zafeiri M, Avramopoulos A, et al. Clinical and laboratory characteristics, epidemiology, and outcomes of murine typhus: a systematic review. Acta Trop. 2017;166:16–24. doi:10.1016/j.actatropica.2016.10.018
  • [9] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), §§ 6 und 7. gesetze-im-internet.de
  • [10] Varghese GM, Dayanand D, Gunasekaran K, Kundu D, Wyawahare M, et al. Intravenous doxycycline, azithromycin, or both for severe scrub typhus. N Engl J Med. 2023;388(9):792–803. doi:10.1056/NEJMoa2208449
  • [11] Robert Koch-Institut. Fleckfieber (Rickettsia prowazekii). Themenseite, Stand 01.03.2025. rki.de
  • [12] Neurohr EM, Gabor J, Köhler C. Erkrankungen bei Tropenrückkehrern. hautnah dermatologie. 2022;38(5):54–63. doi:10.1007/s15012-022-7510-x
  • [13] El Sayed I, Liu Q, Wee I, Hine P. Antibiotics for treating scrub typhus. Cochrane Database Syst Rev. 2018;9(9):CD002150. doi:10.1002/14651858.CD002150.pub2
  • [14] Zhao P, Dong T, Lu H, Zhu R, Zhao S, Tao W, et al. Scrub typhus in pregnancy: a 10-year multicenter study in resource-limited settings in China. PLoS Negl Trop Dis. 2025;19(1):e0012829. doi:10.1371/journal.pntd.0012829

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