Kurzüberblick
Gelbfieber und Japanische Enzephalitis (JE) sind durch Mücken übertragene Flavivirus-Infektionen. Beide sind bei Reiserückkehrern in Deutschland sehr selten und durch Impfung vermeidbar [1][2].
Gelbfieber kommt nur im tropischen Afrika sowie in Süd- und im südlichen Mittelamerika vor. Etwa 85 % der Infektionen verlaufen ohne oder mit milden Beschwerden. Bei 12–15 % folgt nach kurzer Besserung eine toxische Phase mit Ikterus, Blutung und Nierenversagen [1].
Die Japanische Enzephalitis kommt in Süd-, Südost- und Ostasien und im Westpazifik vor. Unter 1 % der Infizierten erkranken neurologisch [3]. Davon sterben bis zu 30 % [4][1].
Für beide gibt es keine kausale Therapie. Malaria immer zuerst ausschließen. Siehe Fieber bei Reiserückkehrern und Virale hämorrhagische Fieber.
Steckbrief
| Merkmal | Gelbfieber | Japanische Enzephalitis |
|---|---|---|
| Erreger | Gelbfiebervirus (Flavivirus) [5] | Japanische-Enzephalitis-Virus (Flavivirus) [1] |
| Verbreitung | tropisches Afrika (etwa 90 % der Fälle), Süd- und südliches Mittelamerika. Nicht in Asien [1][5] | Süd-, Südost- und Ostasien, Westpazifik, Nordaustralien. Ländlich und periurban, nahe Reisfeldern und Schweinehaltung [1] |
| Übertragung | Stechmücken (Aedes, Haemagogus, Sabethes), tag- und nachtaktiv [6][1]. Von Mensch zu Mensch nur ausnahmsweise über Blut [5] | Culex-Mücken, vor allem nachtaktiv. Schweine und Wasservögel als Wirte. Keine Übertragung von Mensch zu Mensch [1][3] |
| Saison | höchste Übertragung in der Regenzeit [1] | Tropen Regenzeit oder ganzjährig, gemäßigte Zonen Sommer und Herbst [1] |
| Inkubation | 3–6 Tage [5][1] | 5–15 Tage, im Mittel 8–10 Tage [1][3] |
| Isolierung | keine Sonderisolierung. Kontaktpersonen ohne Maßnahmen [5] | keine, Standardhygiene |
| Meldepflicht | Verdacht, Erkrankung und Tod (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g IfSG, virusbedingtes hämorrhagisches Fieber), Nachweis nach § 7 Abs. 1 Nr. 16. Verdachtsfälle werden auch ohne Labornachweis übermittelt [7][8] | Labornachweis über § 7 Abs. 1 Nr. 50a IfSG (sonstige Arboviren) [8][2] |
| Impfung | Lebendimpfung, nur in Gelbfieber-Impfstellen [1] | Totimpfstoff, 2 Dosen [1] |
Red Flags
Gelbfieber
- Erneutes Fieber nach kurzer Besserung (höchstens etwa 48 h) mit Ikterus [1][9].
- Blutungen aus Schleimhäuten, Hämatemesis, Petechien, Gerinnungsstörung [5][6].
- Oligurie, Albuminurie, Nierenversagen [5][6].
- Verwirrtheit, Krampfanfälle, Koma als späte Zeichen, oft mit Tod verbunden [6].
- Höheres Alter, männliches Geschlecht, hohe Neutrophilenzahl und sehr hohe Transaminasen sagen einen tödlichen Verlauf voraus [10].
Japanische Enzephalitis
- Fieber mit Bewusstseinsstörung, Krampfanfällen oder fokalen Ausfällen nach Aufenthalt in Asien [3][1].
- Parkinson-Syndrom mit Tremor und Rigor, schlaffe Paresen [3][1].

Reiserückkehrer aus Afrika mit Fieber und Blutung und Kontakt zu Kranken, Tieren oder Gesundheitseinrichtungen: zuerst nach dem Kapitel Virale hämorrhagische Fieber vorgehen, bis Ebola, Marburg, Lassa und CCHF ausgeschlossen sind.
Klinik
Gelbfieber
| Phase | Merkmale |
|---|---|
| 1. Phase (3–4 Tage) | Fieber 39–40 °C, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Myalgien, Übelkeit, Erbrechen, Nasenbluten, relative Bradykardie. Die meisten erholen sich [5][1] |
| Remission | Besserung mit Entfieberung bis etwa 48 h oder vollständige Genesung [1][9] |
| toxische Phase (12–15 %) | erneutes Fieber bei fallendem Puls, Ikterus, Blutungen, Leber- und Nierenversagen, zentralnervöse Störungen, Schock und Multiorganversagen. Letalität 20–60 % [1][5][9] |
Gelbfieber unterscheidet sich von anderen viralen hämorrhagischen Fiebern durch die besonders schwere Leberschädigung und den Ikterus [6]. Labor: anfangs Leukopenie, Thrombozytopenie, gestörte Gerinnung, Transaminasen mit AST höher als ALT, Albuminurie ab Tag 4 [5].
Differenzialdiagnosen schwerer Verläufe: schwere Malaria, Leptospirose, fulminante Virushepatitis, andere hämorrhagische Fieber, Dengue, Vergiftung [6].
Japanische Enzephalitis
- Etwa 99 % der Infektionen verlaufen ohne oder mit milden grippeähnlichen Beschwerden [1].
- Beginn mit Fieber, Kopfschmerz und Erbrechen. Dann Bewusstseinsstörung, Meningismus, Verhaltensänderung, Krampfanfälle, Bewegungsstörungen, schlaffe Paresen, Koma [3][1].
- Folgeschäden bei 30–50 % der Überlebenden [3][1].
- Ein schwerer Verlauf ist häufiger im höheren Alter, in der Schwangerschaft und ohne frühere Flavivirus-Immunität [1].
Diagnostik
Vor jeder Flavivirus-Serologie die Impfungen erfragen (Gelbfieber, JE, FSME, Dengue). Impfungen und andere Flaviviren führen zu Kreuzreaktionen [5][3].
Gelbfieber nach Krankheitstag
| Zeitpunkt | Test | Hinweis |
|---|---|---|
| etwa Tag 2–5 | PCR aus Blut | Methode der Wahl. In der toxischen Phase oft schon negativ [5][9] |
| ab Tag 5–7 | IgM, IgG mit Folgeprobe | Kreuzreaktion mit Dengue und nach Impfung. Bestätigung durch Neutralisationstest [5][9] |
Japanische Enzephalitis
| Test | Hinweis |
|---|---|
| IgM im Liquor | Methode der Wahl, ab Tag 4 nach Beginn [3] |
| IgM im Serum | ab Tag 7. Kreuzreaktionen, Bestätigung durch Neutralisationstest [3] |
| PCR aus Liquor oder Blut | selten positiv. Ein negativer Befund schließt die JE nicht aus [3] |
| Liquor allgemein | bei viraler Enzephalitis früh gemischte, später lymphozytäre Pleozytose, Eiweiß und Laktat leicht erhöht [11] |
| MRT | Methode der Wahl. Asymmetrischer Befall der Basalganglien ist typisch für FSME und JE [11] |
Basislabor
Blutbild, Gerinnung, Transaminasen, Bilirubin, Kreatinin, Urinstatus, Glukose, Blutkulturen. Bei Leberversagen ist Laktat zur Volumensteuerung nicht verlässlich [6]. Speziallabor: Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am BNITM [5].
Vorgehen in Notaufnahme und Ambulanz
- Reiseroute: Länder und Regionen (Regenwald, Savanne, Reisfelder, Schweinehaltung), Reisezeit, Rückkehrdatum. Inkubation abgleichen: Gelbfieber 3–6 Tage, JE 5–15 Tage [1].
- Impfausweis ansehen. Das Gelbfieber-Zertifikat gilt ab 10 Tagen nach der Impfung [1]. Impfdurchbrüche sind sehr selten [1]. Für einen JE-Schutz sind 2 Dosen nötig [12].
- Exposition: Mückenstiche, Kontakt zu Kranken, Tieren oder Gesundheitseinrichtungen (VHF), Süßwasser (Leptospirose). Bei Fieber nach Afrika immer nach Malariaprophylaxe fragen.
- Malaria zuerst ausschließen, siehe Malaria.
- Gelbfieber: früh Intensivstation einbinden bei Ikterus, Blutung, Nierenversagen oder Bewusstseinsstörung. Meldung schon bei Verdacht an das Gesundheitsamt [7].
- Enzephalitis nach Asienreise: Vorgehen wie bei jeder Enzephalitis nach DGN-Leitlinie 2026, siehe Therapie [11].

Nach Gelbfieberimpfung
Fieber, Hepatitis oder neurologische Zeichen wenige Tage nach einer Gelbfieber-Erstimpfung können eine Impfkomplikation sein (YEL-AVD, YEL-AND). Ab 60 Jahren sind sie bis 4-fach häufiger [1]. Der Verdacht ist meldepflichtig (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 IfSG) [8].
Therapie
Gegen Gelbfieber und JE gibt es keine kausale Therapie [5][3][6]. Antibiotika wirken nicht. Kalkulierte Antibiotika nur, bis bakterielle Differenzialdiagnosen wie Sepsis, Leptospirose oder bakterielle Meningitis ausgeschlossen sind, dann absetzen.
Gelbfieber
- Supportiv
- früh Intensivmedizin bei toxischer Phase. Volumensteuerung nach kapillärer Füllungszeit, Laktat ist bei Leberversagen nicht verlässlich [6].
- keine intramuskulären Injektionen bei Gerinnungsstörung.
- Leberversagen
- N-Acetylcystein iv kann erwogen werden (WHO, bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz). Dosierung wie beim Paracetamol-Protokoll [6].
- Nicht wirksam oder nur in Studien
- Interferon und Ribavirin ohne verlässliche Wirkung [5]. Monoklonale Antikörper und Sofosbuvir nur in Studien [6]. Kortikosteroide nicht empfohlen [6].
Fieber und Schmerzen
- Paracetamol
- bei Gelbfieber nur zurückhaltend. Bei erhöhten Transaminasen höchstens 2 g pro Tag, bei Leberversagen meiden. Die WHO-Empfehlung zu Paracetamol gilt ausdrücklich nicht für Gelbfieber [6].
- bei JE in üblicher Dosis.
- Physikalische Kühlung als Ergänzung.

Keine NSAR und kein ASS. Sie erhöhen das Blutungsrisiko [6][9].
Japanische Enzephalitis
- Supportiv
- Intensivmedizin, Behandlung von Krampfanfällen und Hirndruck [11].
- Bis zur Klärung
- Die JE ist eine Ausschlussdiagnose. Behandelbare Ursachen werden nach DGN-Leitlinie 2026 sofort mitbehandelt: Aciclovir bei Verdacht auf HSV- oder VZV-Enzephalitis, bei nicht ausgeschlossener bakterieller ZNS-Infektion ein Cephalosporin der Gruppe 3 plus Ampicillin [11]. Dosen nach der Leitlinie.
- Ceftriaxon wird bei Meningitis höher dosiert als der Fibel-Standard von 1x 2 g. Das ist eine indikationsbedingte Ausnahme.
- Zerebrale Malaria parallel ausschließen.
- Nicht wirksam
- Interferon alfa-2a [13] und hochdosiertes Dexamethason [14] ohne Nutzen.
Prävention
Ganztägiger Mückenschutz. Aedes sticht tags und nachts, Culex vor allem nachts [1].
Gelbfieberimpfung
- Eine Dosis Lebendimpfstoff, bei Erstimpfung mindestens 10 Tage vor Einreise, nur in staatlich zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen [1].
- Einmalige Auffrischung vor erneuter Exposition, wenn die Erstimpfung 10 Jahre oder länger zurückliegt. Nach der 2. Dosis keine weitere. Sonderregeln nach Impfung in der Schwangerschaft, vor dem 2. Geburtstag oder bei Immundefizienz [1].
- Ab 60 Jahren nur bei signifikantem, unvermeidbarem Risiko [1].
- Kontraindiziert bei Immundefizienz und hochdosierten systemischen Kortikosteroiden. Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Abwägung. Bei Immundefizienz Impfstelle oder Tropenmedizin fragen [1].
Impfung gegen Japanische Enzephalitis
- Totimpfstoff, 2 Dosen im Abstand von 28 Tagen. Schnellschema mit 7 Tagen Abstand nur für 18–65 Jahre. Abschluss mindestens 1 Woche vor möglicher Exposition [1][12].
- Schutz erst nach der 2. Dosis [12]. Auffrischung nach 12–24 Monaten vor erneuter Exposition [1][12].
- Indikation besonders bei Aufenthalten über 4 Wochen, wiederholten Kurzreisen und Aufenthalt nahe Reisfeldern oder Schweinehaltung [1].

Zahlen aus Deutschland
2018 wurden erstmals seit 2001 wieder zwei reiseassoziierte Gelbfieberfälle nach Aufenthalt in Brasilien übermittelt. 2023 wurde kein Fall von JE übermittelt [2]. Bei Reisenden nach Brasilien 2018 waren alle 10 Erkrankten ungeimpft, 4 starben [15].
Quellen & Hinweise
- [1] Ständige Impfkommission (STIKO), Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG). Empfehlungen der STIKO und der DTG zu Reiseimpfungen. Epid Bull. 2026;(27):1–112. doi:10.25646/14248
- [2] Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2023. Berlin: RKI, 2024.
- [3] Hills SL, Lindsey NP. Japanese encephalitis. In: CDC Yellow Book 2026. Health Information for International Travel. Atlanta: CDC, 2025. cdc.gov
- [4] World Health Organization. Japanese encephalitis. Fact sheet. 06.08.2024. who.int
- [5] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Gelbfieber. Stand 12.08.2022. rki.de
- [6] World Health Organization. WHO guidelines for clinical management of arboviral diseases: dengue, chikungunya, Zika and yellow fever. Geneva: WHO, 2025. ISBN 978-92-4-011111-0.
- [7] Robert Koch-Institut. Falldefinitionen des RKI 2026: Gelbfieber – virales hämorrhagisches Fieber. Stand 01.01.2026. rki.de
- [8] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), §§ 6, 7 und 12. gesetze-im-internet.de
- [9] Staples JE, O’Laughlin K. Yellow fever. In: CDC Yellow Book 2026. Health Information for International Travel. Atlanta: CDC, 2025. cdc.gov
- [10] Kallas EG, D’Elia Zanella LGFAB, Moreira CHV, Buccheri R, Diniz GBF, Castiñeiras ACP, et al. Predictors of mortality in patients with yellow fever: an observational cohort study. Lancet Infect Dis. 2019;19(7):750–758. doi:10.1016/S1473-3099(19)30125-2
- [11] Meyding-Lamadé U, Craemer EM, Aydin K, Jacobi C, Wagner J, Pfausler B, et al. S1 guidelines of the German Society of Neurology for viral meningoencephalitis. AWMF-Register 030-100. Neurol Res Pract. 2026;8:24. doi:10.1186/s42466-026-00487-3
- [12] Europäische Arzneimittel-Agentur. Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis (inaktiviert, adsorbiert). Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (EPAR-Produktinformation). Abgerufen 26.10.2026. ema.europa.eu
- [13] Solomon T, Dung NM, Wills B, Kneen R, Gainsborough M, Diet TV, et al. Interferon alfa-2a in Japanese encephalitis: a randomised double-blind placebo-controlled trial. Lancet. 2003;361(9360):821–826. doi:10.1016/S0140-6736(03)12709-2
- [14] Hoke CH Jr, Vaughn DW, Nisalak A, Intralawan P, Poolsuppasit S, Jongsawas V, et al. Effect of high-dose dexamethasone on the outcome of acute encephalitis due to Japanese encephalitis virus. J Infect Dis. 1992;165(4):631–637. doi:10.1093/infdis/165.4.631
- [15] Hamer DH, Angelo K, Caumes E, van Genderen PJJ, Florescu SA, Popescu CP, et al. Fatal yellow fever in travelers to Brazil, 2018. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2018;67(11):340–341. doi:10.15585/mmwr.mm6711e1
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