Kurzüberblick
Durchfall ist neben Fieber der häufigste Grund für einen Arztbesuch nach einer Fernreise. Je nach Reiseziel erkranken 15–50 % der Reisenden in Hochrisikogebieten wie dem tropischen Afrika oder Südasien [1]. Die Reisediarrhö beginnt meist in der ersten Reisewoche und heilt im Mittel nach etwa 4 Tagen von selbst [1][2]. Viele Rückkehrer kommen erst, wenn sie schon abklingt.
Bei Fieber nach einem Malariagebiet zuerst Malaria ausschließen. Durchfall kommt bei Malaria tropica in bis zu 25 % vor [1]. Vorgehen im Kapitel Fieber bei Reiserückkehrern.
Antibiotika nur bei Fieber, Blut, schwerem Verlauf oder Risikopatient:innen. Mittel der Wahl ist Azithromycin. Fluorchinolone werden kalkuliert nicht mehr eingesetzt [1].
Antibiotika auf Reisen fördern multiresistente Erreger. Nach interkontinentalen Reisen waren in einer Leipziger Kohorte 30 % der Reisenden mit ESBL-Bildnern besiedelt, nach Indien 73 % [3].
Steckbriefe: Giardiasis und andere Darmprotozoen, Amöbiasis, Typhus und Paratyphus und Hepatitis A und E. Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern, Hautveränderungen nach Reise, Clostridioides-difficile-Infektion und Sepsis und septischer Schock.
Red Flags
| Red Flag | Konsequenz |
|---|---|
| Fieber nach Aufenthalt in einem Malariagebiet | Malaria-Diagnostik sofort, Ergebnis binnen Stunden. Ab 38,5 °C Blutkulturen [1] |
| Fieber, Bauchschmerz, blutige Stühle (Dysenterie) | invasiver Erreger (Shigellen, Campylobacter, Salmonellen, E. histolytica). Stuhldiagnostik, kein Loperamid [1] |
| Exsikkose, Hypotonie, Oligurie | Rehydratation zuerst, stationäre Aufnahme prüfen [1][4] |
| Sepsiszeichen | Blutkulturen, Vorgehen nach Sepsis und septischer Schock, bei Fieber Malaria ausschließen [4] |
| Blutige Diarrhö mit Hämolyse oder steigendem Kreatinin | an EHEC und hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) denken. Keine Antibiotika. HUS ist arztmeldepflichtig [5][4] |
| Antibiotika in den letzten 8–12 Wochen, auch Doxycyclin als Malariaprophylaxe | C. difficile testen [4][6] |
| Große wässrige Stuhlmengen („Reiswasserstühle“), Exsikkose | an Cholera denken, sofort rehydrieren [7] |
| Fieber und Schmerz im rechten Oberbauch, Wochen bis Monate nach der Reise | Amöbenleberabszess: Sonographie, Serologie [1] |
| Immunsuppression, hohes Alter, Schwangerschaft | niedrige Schwelle für Diagnostik, Blutkulturen und Therapie [1][4] |

Bei Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet muss auch bei Durchfall sofort eine Malaria ausgeschlossen werden. Malaria und fieberhafte Diarrhö lassen sich klinisch nicht sicher unterscheiden [1].

Bei blutiger Diarrhö mit wenig oder ohne Fieber und bei Hämolyse oder steigendem Kreatinin an EHEC denken. Keine Antibiotika, keine Motilitätshemmer [5][4].
Vorgehen in Notaufnahme und Ambulanz
| Schritt | Vorgehen |
|---|---|
| 1. Triage | Vitalzeichen, Exsikkose, Sepsiszeichen. Instabil: Rehydratation iv, Blutkulturen, Vorgehen nach Sepsis und septischer Schock |
| 2. Fieber nach Malariagebiet? | Malaria-Diagnostik sofort, Blutkulturen ab 38,5 °C [1] |
| 3. Einordnen | wässrig oder blutig, Dauer, Schwere (Tabelle Einteilung), Antibiotika in den letzten 8–12 Wochen, Beruf (Lebensmittelbereich, Gemeinschaftseinrichtung) |
| 4. Stuhldiagnostik, wenn angezeigt | bei Fieber, Blut, Dauer über 5 Tage, schwerem Verlauf, Häufung, Immunsuppression [1]. Labor: Blutbild, Kreatinin, Elektrolyte, bei Blut zusätzlich LDH und Haptoglobin (HUS) |
| 5. Behandeln | orale Rehydratation. Antibiotikum nur bei Fieber, Blut, schwerem Verlauf oder Risikopatient:innen [1] |
| 6. Leicht und abklingend | keine Diagnostik, kein Antibiotikum. Trinken, Wiedervorstellung bei Fieber, Blut oder Dauer über 5 Tage [1][8] |
Anamnese
- Reiseroute mit Ländern und Regionen, Reisedauer und Art der Reise (Hotel, Rucksack, Besuch bei Familie und Freunden) [6].
- Zeitachse: Beginn während oder nach der Reise, Dauer der Beschwerden [1].
- Stuhl: wässrig oder blutig-schleimig, Häufigkeit, Fieber, Tenesmen, Erbrechen [1].
- Nahrung und Wasser: Leitungswasser, Eis, Rohkost, Meeresfrüchte, Gruppenerkrankung [9].
- Antibiotika während oder nach der Reise, auch als Selbsttherapie oder Doxycyclin-Prophylaxe: C. difficile und ESBL-Kolonisation [4][10].
- Krankenhaus im Ausland: Risiko für multiresistente Erreger [1].
- Beruf: Tätigkeit im Lebensmittelbereich oder in Gemeinschaftseinrichtungen (Meldepflicht, Tätigkeitsverbot) [11].
- Vorerkrankungen: Immunsuppression, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Einnahme von Protonenpumpenhemmern [1].
Zeit bis zum Beginn als Hinweis
| Beginn nach Exposition | Daran denken |
|---|---|
| Stunden | Lebensmittelvergiftung durch Toxine (S. aureus, Bacillus cereus), Norovirus. Nach Raubfisch mit Kribbeln an Händen und Mund: Ciguatera (Fischvergiftung) |
| 1–3 Tage | Viren, ETEC, Cholera, Salmonellen |
| etwa 1 Woche | Campylobacter, Shigellen, Protozoen |
| Wochen bis Monate | Lamblien, E. histolytica, Cyclospora, Wurminfektionen, postinfektiöses Reizdarmsyndrom |
Einteilung und Erreger
| Form | Merkmale | Typische Erreger |
|---|---|---|
| akut wässrig | mindestens 3 ungeformte Stühle pro Tag, ohne Blut [1] | ETEC, EAEC, Noroviren, Cholera |
| Dysenterie (Ruhr) | blutig-schleimig, oft Fieber und Tenesmen [1] | Shigellen, Campylobacter, Salmonellen, EIEC, E. histolytica |
| persistierend | über 14 Tage [1] | Lamblien, E. histolytica, Cyclospora, Kryptosporidien, bakterielle Erreger, postinfektiöses Reizdarmsyndrom |
| chronisch | über 4 Wochen [1] | wie persistierend, dazu nichtinfektiöse Ursachen (Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, tropische Sprue) |
Schweregrad
- leicht: erträglich, schränkt den Alltag nicht ein [8].
- mittel: belastend, schränkt den Alltag ein [8].
- schwer: macht handlungsunfähig. Jede Dysenterie ist schwer [8]. Für Notaufnahme und Ambulanz zusätzlich schwer bei Fieber ab 38,5 °C, Blut im Stuhl, Exsikkose, Hypotonie oder Sepsiszeichen [1][4].
Erreger nach Region
| Region | Im Vordergrund | Für die Therapie wichtig |
|---|---|---|
| Süd- und Südostasien (Indien, Nepal, Thailand) | ETEC, EAEC, Campylobacter, Shigellen, Lamblien, Cyclospora (Nepal) | Campylobacter in Nepal und Thailand zu 70–80 % fluorchinolonresistent [8]. Höchstes ESBL-Risiko [1][12] |
| Subsahara-Afrika | ETEC, EAEC, Shigellen, Salmonellen, E. histolytica | bei Fieber zuerst Malaria |
| Nordafrika, Naher Osten (Ägypten, Marokko, Türkei) | ETEC, Shigellen [1][13] | Shigellen nach Antibiogramm behandeln |
| Lateinamerika, Karibik | ETEC, EAEC, Noroviren, Cyclospora (Guatemala, Haiti, Peru) [1][9] |
Diagnostik
Wann Stuhldiagnostik
- Fieber, Blut im Stuhl, Dauer über 5 Tage, schwerer Verlauf (Exsikkose, Hypotonie, Tenesmen), Gruppenerkrankung [1].
- Immunsuppression, stationäre Aufnahme, Therapieversagen, Tätigkeit im Lebensmittelbereich [4][11].
- Bei Fieber oder Blut gezielt auf Shigellen, Campylobacter, Salmonellen und E. histolytica [1].
- Leichte, wässrige, abklingende Diarrhö: keine Stuhldiagnostik [4].
- Kein routinemäßiges ESBL-Screening bei Reiserückkehrern [1].
Kultur oder Multiplex-PCR
- Die Multiplex-PCR liefert schnell ein Ergebnis und erfasst viele Erreger [8].
- Bei Reisenden findet sie oft mehrere Erreger, auch reine Besiedlung (EAEC, EPEC, Noroviren). Ein positiver Befund allein ist keine Indikation für ein Antibiotikum.
- Bei positiver PCR auf Shigellen, Campylobacter oder Salmonellen immer Kultur mit Antibiogramm nachfordern [4][13].
- E. histolytica ist mikroskopisch nicht von harmlosen Amöben zu unterscheiden. Sicher sind PCR oder der Nachweis von Amöben mit aufgenommenen Erythrozyten [1].
Persistierende Diarrhö (über 14 Tage)
- Basis: Shigellen, Salmonellen, Campylobacter, E. histolytica, Lamblien [1].
- Parasiten: mindestens 3 Stuhlproben an verschiedenen Tagen oder PCR [6][14].
- Je nach Lage zusätzlich: Kryptosporidien, Cyclospora, Cystoisospora, Mikrosporidien und Mykobakterien bei Immunsuppression, C. difficile nach Antibiotika, Strongyloides bei Eosinophilie, tropische Sprue nach Langzeitaufenthalt [1].
- Eosinophilie spricht für Wurminfektionen oder Cystoisospora, nicht für Amöben oder Lamblien [1].
- Ohne Erregernachweis: Zöliakie-Serologie, Endoskopie mit Biopsien. Häufigste Ursache ist dann ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom [6].
Blut
- Blutkulturen ab 38,5 °C, bei Sepsiszeichen, Immunsuppression oder Verdacht auf Typhus [1][4].
- Bei blutiger Diarrhö Blutbild, Kreatinin, LDH und Haptoglobin (HUS) [5].
Therapie
Grundlage ist der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Die meisten Verläufe heilen ohne Antibiotikum [1][8].
Rehydratation und symptomatische Therapie
- Orale Rehydratationslösung bevorzugen, auch bei stationären Patient:innen. Erbrechen allein ist kein Grund für eine Infusion [1]. Intravenös bei schwerer Exsikkose oder anhaltendem Erbrechen [4].
- Loperamid: nur bei wässriger Diarrhö ohne Fieber und ohne Blut. 4 mg initial, dann 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl, höchstens 16 mg pro Tag und höchstens 2 Tage [1][8].
- Loperamid kann bei wässriger Diarrhö zusätzlich zu Azithromycin gegeben werden, das verkürzt die Beschwerden [8].
- Racecadotril ist eine Alternative zu Loperamid: 3x 100 mg täglich [1].
- Tanninalbuminat plus Ethacridinlactat ist eine weitere symptomatische Option bei Diarrhö ohne Fieber und ohne Blut (Infobox) [18].

Kein Loperamid bei Fieber, Blut im Stuhl, Verdacht auf EHEC oder C. difficile. Bei invasiven Erregern droht ein toxisches Megakolon [1][4].

Tanninalbuminat und Ethacridinlactat
ABS-Entscheidung: Tanninalbuminat plus Ethacridinlactat ist eine symptomatische Option bei akuter Reisediarrhö ohne Fieber und ohne Blut, nach der Rückkehr und zur Selbstbehandlung im Reiseland. Dosierung 3x 2 Kapseln täglich.
In einer randomisierten Studie bei 186 Türkeireisenden normalisierte sich die Stuhlfrequenz schneller als unter medizinischer Kohle. Mittlere bis starke Bauchschmerzen waren seltener (50 % gegenüber 82 %) [18]. In einer placebokontrollierten Studie während einer Nilkreuzfahrt erkrankten unter vorbeugender Einnahme 53 % statt 81 % [19].
Abweichung: Die S2k-Leitlinie sieht keine Evidenz für den Einsatz von Tannin, Kaolin, Pektin oder medizinischer Kohle [1]. Die Studien sind klein und älter. Antibiotika ersetzt die Substanz bei Fieber oder Blut nicht.
Kalkulierte Therapie
- Wann
- bei Fieber und/oder Blut im Stuhl, schwerem Verlauf oder Risikopatient:innen (Immunsuppression, onkologische Erkrankung, hohes Alter), nach Stuhlprobe und bei Fieber nach Malaria-Ausschluss [1]
- 1. Wahl
- Azithromycin – 1x 1000 mg po einmalig [1][8]
- oder Azithromycin – 1x 500 mg po für 3 Tage [1]
- Nicht oral möglich
- Ampicillin/Sulbactam – 3x 3 g iv [1]
- Hinweise
- Fluorchinolone nicht kalkuliert einsetzen (starke Empfehlung der S2k-Leitlinie). Campylobacter aus Süd- und Südostasien ist häufig resistent. Nur gezielt nach Antibiogramm (Reserve) [1][8].
- Ceftriaxon nicht kalkuliert, Campylobacter ist häufig resistent [1].
- Rifaximin wirkt nur gegen nicht invasive Erreger und ist nicht 1. Wahl [1]. Nach der Rückkehr ohne Erregernachweis nicht empfohlen.
- Leichte oder abklingende Diarrhö ohne Antibiotikum [8].
Gezielte Therapie nach Erreger
| Erreger | Wann behandeln | Therapie |
|---|---|---|
| Shigellen | bei Nachweis und noch bestehenden Beschwerden [1] | nach Antibiogramm: Azithromycin 1x 500 mg po für 3 Tage, Ceftriaxon 1x 2 g iv für 5 Tage oder Pivmecillinam 3x 400 mg po für 5 Tage [1]. Multiresistente Stämme nehmen zu, dann Infektiologie [13] |
| Campylobacter | nur bei schwerem Verlauf und fehlender Besserung, Immunsuppression, Schwangerschaft [1][15] | nach Antibiogramm Azithromycin 1x 1000 mg po einmalig. Ciprofloxacin nur bei nachgewiesener Empfindlichkeit [1] |
| Salmonellen (Enteritis) | nur bei Sepsis, Immunsuppression, hohem Alter, Gefäß- oder Klappenprothesen. Sonst nicht, die Ausscheidung verlängert sich [1][16] | Ceftriaxon 1x 2 g iv für 5–7 Tage oder Azithromycin 1x 500 mg po für 7 Tage, nach Antibiogramm [1] |
| Typhus, Paratyphus | immer | siehe Fieber bei Reiserückkehrern |
| EHEC | keine Antibiotika | supportiv, auf HUS achten [5][4] |
| Cholera | Rehydratation steht im Vordergrund | bei schwerem Verlauf Doxycyclin oder Azithromycin nach infektiologischer Rücksprache [7] |
| E. histolytica (Kolitis, Leberabszess) | immer, Diagnostik vor Therapie, bei schwerem Bild empirisch [1] | Metronidazol 3x 10 mg/kg KG (höchstens 3x 800 mg) iv oder po für 10 Tage, danach Paromomycin 25–30 mg/kg KG pro Tag in 3 Dosen für 7–10 Tage gegen die Zysten im Darm [1, 20] |
| Lamblien (Giardia) | bei Beschwerden | Metronidazol 3x 400–500 mg po für 7 Tage. Bei Versagen Kombination, Infektiologie [1] |
| Cyclospora | bei Beschwerden | Cotrimoxazol 2x 960 mg po für 7–10 Tage [17] |
| Cystoisospora | bei Beschwerden | Cotrimoxazol 2–4x 960 mg po für 10–14 Tage [1] |
| Kryptosporidien | Immungesunde nicht | supportiv. Bei Immunsuppression Infektiologie [1][14] |
| C. difficile | immer bei Infektion | siehe Clostridioides-difficile-Infektion |
Paromomycin und Tinidazol sind in Deutschland teils nur über internationale Apotheken erhältlich. Die Verfügbarkeit vorab mit der Apotheke klären.
Therapiedauer
| Situation | Dauer |
|---|---|
| Kalkuliert | Azithromycin einmalig 1000 mg oder 3 Tage 500 mg [1] |
| Shigellen | 3 Tage (Azithromycin) bzw. 5 Tage (Ceftriaxon, Pivmecillinam) [1] |
| Campylobacter | Einmalgabe [1] |
| Salmonellen, wenn behandelt | 5–7 Tage (Ceftriaxon) bzw. 7 Tage (Azithromycin) [1] |
| E. histolytica | 10 Tage Metronidazol, danach 7–10 Tage Paromomycin [1] |
| Lamblien | 7 Tage [1] |
| Cyclospora | 7–10 Tage [17] |
| Loperamid | höchstens 2 Tage [1] |
Multiresistente Erreger nach Reisen

Antibiotika auf Reisen fördern multiresistente Erreger
Nach interkontinentalen Reisen waren in einer Leipziger Kohorte 30 % der zuvor freien Reisenden mit ESBL-Bildnern besiedelt, nach Indien 73 %. Eine Gastroenteritis unterwegs war ein Risikofaktor [3]. In einer niederländischen Kohorte waren es 34 %, nach Südasien 75 % [12].
Antibiotika während der Reise erhöhen das Risiko etwa auf das 2,4-Fache, Fluorchinolone etwa auf das 4,7-Fache [10].
Deshalb: Stand-by-Antibiotika nur zurückhaltend und nach Aufklärung verordnen, dann Azithromycin, kein Fluorchinolon. Einnahme nur bei Fieber, Blut oder schwerem Verlauf. Keine Antibiotikaprophylaxe gegen Reisediarrhö [1][8].
Nach der Rückkehr: Antibiotika auf der Reise und Aufenthalte in Süd- oder Südostasien sprechen für eine ESBL-Besiedlung. Bei späterer Sepsis oder Harnwegsinfektion in der kalkulierten Therapie bedenken. Keine Antibiotika zur „Sanierung“ einer Besiedlung.
Vorbeugung
- Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene, Händehygiene [9].
- Keine Antibiotikaprophylaxe [8].
- Aufklärung vor der Reise: siehe Infobox „Behandlung im Reiseland“ [1].

Behandlung im Reiseland
Für die Reiseberatung und für Rückkehrer, die unterwegs behandelt wurden. Vieles davon gilt auch nach der Rückkehr, manches ist nur im Ausland erhältlich.
- Zuerst trinken: orale Rehydratationslösung, sie ist der Infusion überlegen [1].
- Symptomatisch: Tanninalbuminat plus Ethacridinlactat (Infobox oben), Racecadotril, Loperamid nur ohne Fieber und ohne Blut, höchstens 2 Tage [1][18].
- Stand-by-Antibiotikum: nur bei mittelschwerer bis schwerer, fieberhafter oder blutiger Diarrhö, dann Azithromycin 1x 1000 mg einmalig. Rifamycin oder Rifaximin nur bei nicht blutiger Diarrhö [1][8].
- Bismutsalicylat ist im Ausland erhältlich, in Deutschland aber nicht zugelassen [1].
- Vor Ort ärztliche Hilfe bei Fieber oder Blut im Stuhl, anhaltendem Erbrechen, zu geringer Trinkmenge, Exsikkose oder Kollapsneigung und bei Immunsuppression [1].
- Jedes Antibiotikum auf der Reise erhöht das Risiko, multiresistente Erreger mitzubringen. Bei der Rückkehr danach fragen [10][3].
Aufnahme, Meldepflicht und Tätigkeitsverbot
Stationär
- Exsikkose mit Kreislaufzeichen, Sepsis, Malaria, Verdacht auf HUS, schwere Dysenterie, Immunsuppression, unsichere Versorgung zu Hause [1][4].
- Isolierung im Einzelzimmer mit eigener Toilette bei infektiöser Diarrhö. Händehygiene ist die wichtigste Maßnahme [13].
Meldepflicht
| Wer meldet | Was |
|---|---|
| Ärztin oder Arzt (§ 6 IfSG) | Cholera, HUS, Typhus und Paratyphus bei Verdacht. Akute infektiöse Gastroenteritis bei Tätigkeit im Lebensmittelbereich (§ 42) oder bei zwei oder mehr Erkrankungen mit vermutetem Zusammenhang. C.-difficile-Infektion mit schwerem Verlauf |
| Labor (§ 7 IfSG) | Campylobacter, Kryptosporidien, EHEC und andere darmpathogene E. coli, Lamblien, Noroviren, Rotaviren, Salmonellen, Shigellen, Vibrionen, Yersinien |
Tätigkeitsverbot (§ 42 IfSG)
Wer an Typhus, Paratyphus, Cholera, Shigellenruhr, Salmonellose oder einer anderen infektiösen Gastroenteritis erkrankt ist oder Shigellen, Salmonellen, EHEC oder Choleravibrionen ausscheidet, darf nicht mit bestimmten Lebensmitteln oder in Gemeinschaftsküchen arbeiten. Deshalb immer nach dem Beruf fragen [11].
Quellen & Hinweise
- [1] Manthey CF, Epple HJ, Keller KM, Lübbert C, Posovszky C, Ramharter M, et al. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). AWMF-Register 021-024. Z Gastroenterol. 2024;62(7):1090–1149. doi:10.1055/a-2240-1428
- [2] Steffen R. Epidemiology of traveler’s diarrhea. Clin Infect Dis. 2005;41(Suppl 8):S536–S540. doi:10.1086/432948
- [3] Lübbert C, Straube L, Stein C, Makarewicz C, Schubert S, Mössner J, et al. Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany. Int J Med Microbiol. 2015;305(1):148–156. doi:10.1016/j.ijmm.2014.12.001
- [4] Shane AL, Mody RK, Crump JA, Tarr PI, Steiner TS, Kotloff K, et al. 2017 Infectious Diseases Society of America clinical practice guidelines for the diagnosis and management of infectious diarrhea. Clin Infect Dis. 2017;65(12):e45–e80. doi:10.1093/cid/cix669
- [5] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber EHEC-Erkrankung. Stand 18.02.2026. rki.de
- [6] Connor BA, Leung DT. Post-travel diarrhea. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
- [7] Heitzinger K, Hughes MJ, Shih DC. Cholera. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025. cdc.gov
- [8] Riddle MS, Connor BA, Beeching NJ, DuPont HL, Hamer DH, Kozarsky P, et al. Guidelines for the prevention and treatment of travelers‘ diarrhea: a graded expert panel report. J Travel Med. 2017;24(suppl_1):S57–S74. doi:10.1093/jtm/tax026
- [9] Connor BA, Leung DT. Travelers‘ diarrhea. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC; 2025, aktualisiert 24.03.2026. cdc.gov
- [10] Wuerz TC, Kassim SS, Atkins KE. Acquisition of extended-spectrum beta-lactamase-producing Enterobacteriaceae (ESBL-PE) carriage after exposure to systemic antimicrobials during travel: systematic review and meta-analysis. Travel Med Infect Dis. 2020;37:101823. doi:10.1016/j.tmaid.2020.101823
- [11] Infektionsschutzgesetz (IfSG), §§ 6, 7 und 42. gesetze-im-internet.de
- [12] Arcilla MS, van Hattem JM, Haverkate MR, Bootsma MCJ, van Genderen PJJ, Goorhuis A, et al. Import and spread of extended-spectrum β-lactamase-producing Enterobacteriaceae by international travellers (COMBAT study): a prospective, multicentre cohort study. Lancet Infect Dis. 2017;17(1):78–85. doi:10.1016/S1473-3099(16)30319-X
- [13] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Shigellose. Stand 03.02.2021. rki.de
- [14] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Kryptosporidiose. Stand 29.11.2019. rki.de
- [15] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Campylobacter-Enteritis. Stand 28.11.2019. rki.de
- [16] Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Salmonellose. Stand 26.11.2019. rki.de
- [17] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical care of cyclosporiasis. Aktualisiert 18.09.2026. cdc.gov
- [18] Ziegenhagen DJ, Raedsch R, Kruis W. Traveler’s diarrhea in Turkey. Prospective randomized therapeutic comparison of charcoal versus tannin albuminate/ethacridine lactate [Artikel auf Deutsch]. Med Klin (Munich). 1992;87(12):637–639. PMID 1287425
- [19] Raedsch R, Walter-Sack I, Galle PR, Kommerell B. Prophylaxis of traveler’s diarrhea in Egypt: results of a double blind controlled study. Klin Wochenschr. 1991;69(19):863–866. doi:10.1007/BF01649558
- [20] Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG). S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Amöbiasis. AWMF-Register 042-002. Überarbeitete Version Februar 2022, Gültigkeit verlängert. register.awmf.org
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