Kurzüberblick
Das Oropouche-Fieber ist eine Virusinfektion, die vor allem Gnitzen (Culicoides paraensis) übertragen [1][2]. Seit 2024 breitet sie sich über das Amazonasgebiet hinaus aus, 2024 erstmals in Kuba. 2024 gab es über 10.000 Fälle in Amerika und importierte Fälle in Europa, auch in Deutschland [2][3].
Das Bild gleicht Dengue: plötzliches Fieber, starker Kopfschmerz, Muskel- und Gelenkschmerzen. Typisch ist ein Rückfall bei bis zu 60 % nach Tagen bis Wochen. Bis zu 4 % entwickeln eine Meningitis oder Enzephalitis [1].
In der Schwangerschaft ist eine Übertragung auf das Kind mit Fruchttod und Fehlbildungen beschrieben [4][5].
Es gibt keine antivirale Therapie und keinen Impfstoff. Dengue und Malaria immer parallel ausschließen [1][6].
Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern, Dengue, Zika und Chikungunya.
Steckbrief
| Merkmal | Oropouche-Fieber |
|---|---|
| Erreger | Oropouche-Virus, Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe [1] |
| Verbreitung | endemisch im Amazonasgebiet. Fälle 2024–2025 unter anderem in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Kuba, Ecuador, Panama, Peru und weiteren Ländern Mittel- und Südamerikas und der Karibik. Aktuelle Länder bei CDC und ECDC prüfen [7] |
| Übertragung | Stich von Gnitzen, seltener von Stechmücken [1][2]. Von der Schwangeren auf das Kind [4]. Sexuell möglich, bisher kein Fall belegt [8] |
| Inkubation | 1–10 Tage, meist 3–10 Tage [1][2]. Getestet wird bei Aufenthalt in einem Übertragungsgebiet innerhalb von 2 Wochen vor Symptombeginn [6] |
| Ansteckung | keine Übertragung von Mensch zu Mensch im Alltag. Virus-RNA im Sperma bis Tag 87, vermehrungsfähiges Virus bis Tag 16 nachgewiesen [8][9] |
| Isolierung | keine, Standardhygiene (Expertenempfehlung, keine Quelle) |
| Meldepflicht | im Infektionsschutzgesetz nicht namentlich genannt. Vermutlich als „sonstiges Arbovirus“ nach § 7 Abs. 1 Nr. 50a labormeldepflichtig [10]. Die Zuordnung ist nicht durch eine RKI-Falldefinition belegt, im Zweifel beim Gesundheitsamt nachfragen |
Red Flags
- Meningismus, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, starker okzipitaler Kopfschmerz, Photophobie: Meningitis oder Enzephalitis [1].
- Schwangerschaft mit Fieber nach Aufenthalt in einem Übertragungsgebiet [4].
- Blutungszeichen, starke Bauchschmerzen, Thrombozytenabfall: Dengue ist nicht ausgeschlossen, bis dahin wie Dengue führen [6].

Fieber nach Tropenaufenthalt: Malaria am selben Tag ausschließen [1].

Keine NSAR und keine Acetylsalicylsäure bei Oropouche, auch nicht nach Ausschluss von Dengue. Die CDC rät wegen des Blutungsrisikos ab [1]. Kein Metamizol bei Arbovirosen.
Klinik
| Phase | Merkmale |
|---|---|
| akut | plötzlicher Beginn mit Fieber 38–40 °C, oft starkem Kopfschmerz, Schüttelfrost, Muskel- und Gelenkschmerzen. Dazu Lichtscheu, Schwindel, Schmerz hinter den Augen, Übelkeit, Erbrechen, makulopapulöses Exanthem. Seltener Konjunktivitis, Durchfall, starke Bauchschmerzen, Blutungszeichen. Dauer meist 2–7 Tage [1] |
| Rückfall | bei bis zu 60 % kehren die Beschwerden nach Tagen bis Wochen zurück [1] |
| neuroinvasiv | Meningitis oder Enzephalitis bei bis zu 4 % [1][2] |
| Labor | Lymphopenie, Leukopenie, erhöhtes CRP, leicht erhöhte Transaminasen. Thrombozytopenie möglich [1] |
| Verlauf | Todesfälle sehr selten. 2024 zwei Todesfälle bei zuvor gesunden Erwachsenen in Brasilien [2] |
Schwangerschaft
Beschrieben sind Fehlgeburt, Fruchttod, Mikrozephalie, Ventrikulomegalie, Krampfanfälle, Hydrops, Klumpfuß, Kontrakturen und neonataler Tod [4][5].
Diagnostik
Nach Krankheitstag
| Krankheitstag | Test | Hinweis |
|---|---|---|
| 0–7 | RT-PCR aus Serum, bei ZNS-Zeichen auch aus Liquor | RNA kann in Blut und Urin lange nachweisbar sein [6][11] |
| 6–7 | Antikörpertest, wenn die PCR negativ ist | die CDC nutzt einen Neutralisationstest [6] |
| ab 8 | Antikörpertest | bei Schwangeren bevorzugt ein Serumpaar im Abstand von mindestens 2 Wochen [6] |
Welche Tests in Deutschland angeboten werden, beim Labor, einem Tropeninstitut oder dem Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut erfragen.
Begleitend
- Dengue mittesten (NS1-Antigen oder PCR, Serologie) und Malaria am selben Tag ausschließen [6].
- Blutbild mit Hämatokrit und Thrombozyten, Leberwerte, Kreatinin, CRP wie bei Dengue (Expertenempfehlung, keine Quelle).
- Bei Meningismus oder Bewusstseinsstörung Lumbalpunktion. Bakterielle Meningitis und Herpes-simplex-Enzephalitis parallel abklären (Expertenempfehlung, keine Quelle).
Differenzialdiagnosen
Dengue, Chikungunya, Zika, Malaria, Leptospirose [6].
Vorgehen in Notaufnahme und Ambulanz
Reiseanamnese
- Reiseroute mit Ländern und Daten, besonders Kuba, Amazonasgebiet und Karibik [7][3].
- Symptombeginn innerhalb von 2 Wochen nach Rückkehr [6].
- Aufenthalt in ländlichen, bewaldeten oder landwirtschaftlichen Gebieten, Insektenstiche (Expertenempfehlung, keine Quelle).
- Schwangerschaft, Sexualkontakte mit Reiserückkehrern, frühere Fieberepisode nach der Reise (Rückfall).
- Tierkontakte und Süßwasser für die Differenzialdiagnose Leptospirose.
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| stabil, trinkt ausreichend, keine Red Flags | ambulant. Dengue- und Malariadiagnostik eingeleitet, Wiedervorstellung bei Red Flags. Auf einen möglichen Rückfall hinweisen (Expertenempfehlung, keine Quelle) |
| ZNS-Zeichen, Dengue-Warnzeichen, Kreislaufinstabilität, zu wenig Trinkmenge | stationär (Expertenempfehlung, keine Quelle) |
| Schwangere | am selben Tag testen, Anbindung an die Pränatalmedizin, Ultraschallkontrollen [4] |
| erneutes Fieber nach Tagen bis Wochen | typischer Rückfall, kein Therapieversagen [1]. Malaria und bakterielle Ursachen trotzdem neu bedenken (Expertenempfehlung, keine Quelle) |
Therapie
Es gibt keine antivirale Therapie [1][2]. Antibiotika nur bei einer zweiten, bakteriellen Diagnose.
Symptomatisch
- 1. Wahl
- Paracetamol – 500 mg bis 1 g po alle 4–6 h, höchstens 4 g pro Tag [12]
- Dosis aus der WHO-Leitlinie für Dengue, Chikungunya und Zika. Für Oropouche nennen die Quellen keine eigene Dosis
- Paracetamol – 500 mg bis 1 g po alle 4–6 h, höchstens 4 g pro Tag [12]
- bei starkem Kopfschmerz
- zusätzlich kurzzeitig ein schwaches Opioid (Expertenempfehlung, keine Quelle).
- Hinweise
- Ruhe und ausreichend Flüssigkeit [1].
- Keine NSAR, keine Acetylsalicylsäure [1]. Kein Metamizol.
Meningitis oder Enzephalitis
- Bis zum Ausschluss einer bakteriellen Meningitis und einer Herpes-simplex-Enzephalitis kalkuliert behandeln, nach Liquorbefund absetzen (Expertenempfehlung, keine Quelle).
- Ceftriaxon dabei in der Meningitis-Dosis 2x 2 g iv. Das ist eine indikationsbedingte Ausnahme vom Fibel-Standard 1x 2 g.

Schwangerschaft
Keine antivirale Therapie, kein Impfstoff. Anbindung an die Pränatalmedizin. Die CDC empfiehlt, Ultraschall alle 4 Wochen zu erwägen, weil Befunde verzögert auftreten können. Ein Fruchtwassertest ist nicht etabliert [4].
Prävention und Beratung
- Kein Impfstoff [1][2].
- Schutz vor Gnitzen und Mücken: Repellentien mit DEET, IR3535 oder Icaridin, bedeckende Kleidung, engmaschige Netze [2].
- Gnitzen übertragen experimentell 6–12 Tage nach einer infektiösen Blutmahlzeit [13]. Europäische Stechmücken übertragen das Virus kaum [14].
Sexuelle Übertragung
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Männer mit Diagnose | mindestens 6 Wochen ab Symptombeginn Kondom oder Verzicht [8] |
| Frauen mit Diagnose | für eine Empfehlung reichen die Daten nicht [8] |
| Reisende aus Gebieten mit CDC-Reisehinweis | während der Reise und 6 Wochen danach Kondom oder Verzicht erwägen [8] |
| schwangere Partnerin | Kondom für die ganze Schwangerschaft (Expertenempfehlung, keine Quelle), in Anlehnung an Zika |
| Samenspende | mindestens 6 Wochen nach Symptombeginn zurückstellen [8] |
Virus-RNA wurde im Sperma bis Tag 87 nachgewiesen, vermehrungsfähiges Virus bis Tag 16 [8][9].

Behandlung im Reiseland
Bei Fieber im Reiseland Malaria und Dengue vor Ort abklären lassen. Keine NSAR und keine Acetylsalicylsäure. Paracetamol und Flüssigkeit [1].
Quellen & Hinweise
- [1] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical overview of Oropouche virus disease. Aktualisiert 19.11.2025. cdc.gov
- [2] World Health Organization. Oropouche virus disease. Fact sheet. 22.10.2024. who.int
- [3] Maier MA, Neurohr EM, Barreto-Miranda I, et al. Imported Oropouche fever to Germany in a returning traveller from Cuba. Infection. 2025;53(2):753–754. doi:10.1007/s15010-024-02400-z
- [4] Centers for Disease Control and Prevention. Interim clinical considerations for pregnant women with confirmed or probable Oropouche virus disease. Aktualisiert 31.01.2025. cdc.gov
- [5] Garcia Filho C, Lima Neto AS, Maia AMPC, et al. A case of vertical transmission of Oropouche virus in Brazil. N Engl J Med. 2024;391(21):2055–2057. doi:10.1056/NEJMc2412812
- [6] Centers for Disease Control and Prevention. Oropouche: testing and reporting. Aktualisiert 01.05.2026. cdc.gov
- [7] Centers for Disease Control and Prevention. Countries and territories at risk for Oropouche. Geprüft 22.10.2026. cdc.gov
- [8] Centers for Disease Control and Prevention. Possible sexual transmission of Oropouche virus. Aktualisiert 18.09.2025. cdc.gov
- [9] Castilletti C, Huits R, Mantovani RP, et al. Replication-competent Oropouche virus in semen of traveler returning to Italy from Cuba, 2024. Emerg Infect Dis. 2024;30(12):2684–2686. doi:10.3201/eid3012.241470
- [10] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), §§ 6 und 7. gesetze-im-internet.de
- [11] Rossini G, Mola B, Rampini A, et al. Virological findings in a case of travel-associated Oropouche virus (OROV) infection imported to Italy, June 2024. Travel Med Infect Dis. 2025;66:102874. doi:10.1016/j.tmaid.2025.102874
- [12] World Health Organization. WHO guidelines for clinical management of arboviral diseases: dengue, chikungunya, Zika and yellow fever. Genf: WHO, 2025. who.int
- [13] Pinheiro FP, Travassos da Rosa AP, Gomes ML, et al. Transmission of Oropouche virus from man to hamster by the midge Culicoides paraensis. Science. 1982;215(4537):1251–1253. doi:10.1126/science.6800036
- [14] Jansen S, Lühken R, Höller P, et al. Risk assessment of Oropouche virus transmission by mosquitoes in Europe. J Infect Dis. 2025;232(6):e916–e919. doi:10.1093/infdis/jiaf356
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