Oropouche-Fieber

Autor:innen Masen SueifanFachlich geprüft von Masen Sueifan am 26.10.2026Gültig bis 10/2028Zuletzt geändert 26.10.2026

Kurzüberblick

Das Oropouche-Fieber ist eine Virusinfektion, die vor allem Gnitzen (Culicoides paraensis) übertragen [1][2]. Seit 2024 breitet sie sich über das Amazonasgebiet hinaus aus, 2024 erstmals in Kuba. 2024 gab es über 10.000 Fälle in Amerika und importierte Fälle in Europa, auch in Deutschland [2][3].

Das Bild gleicht Dengue: plötzliches Fieber, starker Kopfschmerz, Muskel- und Gelenkschmerzen. Typisch ist ein Rückfall bei bis zu 60 % nach Tagen bis Wochen. Bis zu 4 % entwickeln eine Meningitis oder Enzephalitis [1].

In der Schwangerschaft ist eine Übertragung auf das Kind mit Fruchttod und Fehlbildungen beschrieben [4][5].

Es gibt keine antivirale Therapie und keinen Impfstoff. Dengue und Malaria immer parallel ausschließen [1][6].

Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern, Dengue, Zika und Chikungunya.

Steckbrief

MerkmalOropouche-Fieber
ErregerOropouche-Virus, Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe [1]
Verbreitungendemisch im Amazonasgebiet. Fälle 2024–2025 unter anderem in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Kuba, Ecuador, Panama, Peru und weiteren Ländern Mittel- und Südamerikas und der Karibik. Aktuelle Länder bei CDC und ECDC prüfen [7]
ÜbertragungStich von Gnitzen, seltener von Stechmücken [1][2]. Von der Schwangeren auf das Kind [4]. Sexuell möglich, bisher kein Fall belegt [8]
Inkubation1–10 Tage, meist 3–10 Tage [1][2]. Getestet wird bei Aufenthalt in einem Übertragungsgebiet innerhalb von 2 Wochen vor Symptombeginn [6]
Ansteckungkeine Übertragung von Mensch zu Mensch im Alltag. Virus-RNA im Sperma bis Tag 87, vermehrungsfähiges Virus bis Tag 16 nachgewiesen [8][9]
Isolierungkeine, Standardhygiene (Expertenempfehlung, keine Quelle)
Meldepflichtim Infektionsschutzgesetz nicht namentlich genannt. Vermutlich als „sonstiges Arbovirus“ nach § 7 Abs. 1 Nr. 50a labormeldepflichtig [10]. Die Zuordnung ist nicht durch eine RKI-Falldefinition belegt, im Zweifel beim Gesundheitsamt nachfragen

Red Flags

  • Meningismus, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, starker okzipitaler Kopfschmerz, Photophobie: Meningitis oder Enzephalitis [1].
  • Schwangerschaft mit Fieber nach Aufenthalt in einem Übertragungsgebiet [4].
  • Blutungszeichen, starke Bauchschmerzen, Thrombozytenabfall: Dengue ist nicht ausgeschlossen, bis dahin wie Dengue führen [6].

Fieber nach Tropenaufenthalt: Malaria am selben Tag ausschließen [1].

Keine NSAR und keine Acetylsalicylsäure bei Oropouche, auch nicht nach Ausschluss von Dengue. Die CDC rät wegen des Blutungsrisikos ab [1]. Kein Metamizol bei Arbovirosen.

Klinik

PhaseMerkmale
akutplötzlicher Beginn mit Fieber 38–40 °C, oft starkem Kopfschmerz, Schüttelfrost, Muskel- und Gelenkschmerzen. Dazu Lichtscheu, Schwindel, Schmerz hinter den Augen, Übelkeit, Erbrechen, makulopapulöses Exanthem. Seltener Konjunktivitis, Durchfall, starke Bauchschmerzen, Blutungszeichen. Dauer meist 2–7 Tage [1]
Rückfallbei bis zu 60 % kehren die Beschwerden nach Tagen bis Wochen zurück [1]
neuroinvasivMeningitis oder Enzephalitis bei bis zu 4 % [1][2]
LaborLymphopenie, Leukopenie, erhöhtes CRP, leicht erhöhte Transaminasen. Thrombozytopenie möglich [1]
VerlaufTodesfälle sehr selten. 2024 zwei Todesfälle bei zuvor gesunden Erwachsenen in Brasilien [2]

Schwangerschaft

Beschrieben sind Fehlgeburt, Fruchttod, Mikrozephalie, Ventrikulomegalie, Krampfanfälle, Hydrops, Klumpfuß, Kontrakturen und neonataler Tod [4][5].

Diagnostik

Nach Krankheitstag

KrankheitstagTestHinweis
0–7RT-PCR aus Serum, bei ZNS-Zeichen auch aus LiquorRNA kann in Blut und Urin lange nachweisbar sein [6][11]
6–7Antikörpertest, wenn die PCR negativ istdie CDC nutzt einen Neutralisationstest [6]
ab 8Antikörpertestbei Schwangeren bevorzugt ein Serumpaar im Abstand von mindestens 2 Wochen [6]

Welche Tests in Deutschland angeboten werden, beim Labor, einem Tropeninstitut oder dem Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut erfragen.

Begleitend

  • Dengue mittesten (NS1-Antigen oder PCR, Serologie) und Malaria am selben Tag ausschließen [6].
  • Blutbild mit Hämatokrit und Thrombozyten, Leberwerte, Kreatinin, CRP wie bei Dengue (Expertenempfehlung, keine Quelle).
  • Bei Meningismus oder Bewusstseinsstörung Lumbalpunktion. Bakterielle Meningitis und Herpes-simplex-Enzephalitis parallel abklären (Expertenempfehlung, keine Quelle).

Differenzialdiagnosen

Dengue, Chikungunya, Zika, Malaria, Leptospirose [6].

Vorgehen in Notaufnahme und Ambulanz

Reiseanamnese

  • Reiseroute mit Ländern und Daten, besonders Kuba, Amazonasgebiet und Karibik [7][3].
  • Symptombeginn innerhalb von 2 Wochen nach Rückkehr [6].
  • Aufenthalt in ländlichen, bewaldeten oder landwirtschaftlichen Gebieten, Insektenstiche (Expertenempfehlung, keine Quelle).
  • Schwangerschaft, Sexualkontakte mit Reiserückkehrern, frühere Fieberepisode nach der Reise (Rückfall).
  • Tierkontakte und Süßwasser für die Differenzialdiagnose Leptospirose.
SituationVorgehen
stabil, trinkt ausreichend, keine Red Flagsambulant. Dengue- und Malariadiagnostik eingeleitet, Wiedervorstellung bei Red Flags. Auf einen möglichen Rückfall hinweisen (Expertenempfehlung, keine Quelle)
ZNS-Zeichen, Dengue-Warnzeichen, Kreislaufinstabilität, zu wenig Trinkmengestationär (Expertenempfehlung, keine Quelle)
Schwangeream selben Tag testen, Anbindung an die Pränatalmedizin, Ultraschallkontrollen [4]
erneutes Fieber nach Tagen bis Wochentypischer Rückfall, kein Therapieversagen [1]. Malaria und bakterielle Ursachen trotzdem neu bedenken (Expertenempfehlung, keine Quelle)

Therapie

Es gibt keine antivirale Therapie [1][2]. Antibiotika nur bei einer zweiten, bakteriellen Diagnose.

Symptomatisch

  • 1. Wahl
    • Paracetamol – 500 mg bis 1 g po alle 4–6 h, höchstens 4 g pro Tag [12]
      • Dosis aus der WHO-Leitlinie für Dengue, Chikungunya und Zika. Für Oropouche nennen die Quellen keine eigene Dosis
  • bei starkem Kopfschmerz
    • zusätzlich kurzzeitig ein schwaches Opioid (Expertenempfehlung, keine Quelle).
  • Hinweise
    • Ruhe und ausreichend Flüssigkeit [1].
    • Keine NSAR, keine Acetylsalicylsäure [1]. Kein Metamizol.

Meningitis oder Enzephalitis

  • Bis zum Ausschluss einer bakteriellen Meningitis und einer Herpes-simplex-Enzephalitis kalkuliert behandeln, nach Liquorbefund absetzen (Expertenempfehlung, keine Quelle).
  • Ceftriaxon dabei in der Meningitis-Dosis 2x 2 g iv. Das ist eine indikationsbedingte Ausnahme vom Fibel-Standard 1x 2 g.

Schwangerschaft

Keine antivirale Therapie, kein Impfstoff. Anbindung an die Pränatalmedizin. Die CDC empfiehlt, Ultraschall alle 4 Wochen zu erwägen, weil Befunde verzögert auftreten können. Ein Fruchtwassertest ist nicht etabliert [4].

Prävention und Beratung

  • Kein Impfstoff [1][2].
  • Schutz vor Gnitzen und Mücken: Repellentien mit DEET, IR3535 oder Icaridin, bedeckende Kleidung, engmaschige Netze [2].
  • Gnitzen übertragen experimentell 6–12 Tage nach einer infektiösen Blutmahlzeit [13]. Europäische Stechmücken übertragen das Virus kaum [14].

Sexuelle Übertragung

SituationEmpfehlung
Männer mit Diagnosemindestens 6 Wochen ab Symptombeginn Kondom oder Verzicht [8]
Frauen mit Diagnosefür eine Empfehlung reichen die Daten nicht [8]
Reisende aus Gebieten mit CDC-Reisehinweiswährend der Reise und 6 Wochen danach Kondom oder Verzicht erwägen [8]
schwangere PartnerinKondom für die ganze Schwangerschaft (Expertenempfehlung, keine Quelle), in Anlehnung an Zika
Samenspendemindestens 6 Wochen nach Symptombeginn zurückstellen [8]

Virus-RNA wurde im Sperma bis Tag 87 nachgewiesen, vermehrungsfähiges Virus bis Tag 16 [8][9].

Behandlung im Reiseland

Bei Fieber im Reiseland Malaria und Dengue vor Ort abklären lassen. Keine NSAR und keine Acetylsalicylsäure. Paracetamol und Flüssigkeit [1].

Quellen & Hinweise

  • [1] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical overview of Oropouche virus disease. Aktualisiert 19.11.2025. cdc.gov
  • [2] World Health Organization. Oropouche virus disease. Fact sheet. 22.10.2024. who.int
  • [3] Maier MA, Neurohr EM, Barreto-Miranda I, et al. Imported Oropouche fever to Germany in a returning traveller from Cuba. Infection. 2025;53(2):753–754. doi:10.1007/s15010-024-02400-z
  • [4] Centers for Disease Control and Prevention. Interim clinical considerations for pregnant women with confirmed or probable Oropouche virus disease. Aktualisiert 31.01.2025. cdc.gov
  • [5] Garcia Filho C, Lima Neto AS, Maia AMPC, et al. A case of vertical transmission of Oropouche virus in Brazil. N Engl J Med. 2024;391(21):2055–2057. doi:10.1056/NEJMc2412812
  • [6] Centers for Disease Control and Prevention. Oropouche: testing and reporting. Aktualisiert 01.05.2026. cdc.gov
  • [7] Centers for Disease Control and Prevention. Countries and territories at risk for Oropouche. Geprüft 22.10.2026. cdc.gov
  • [8] Centers for Disease Control and Prevention. Possible sexual transmission of Oropouche virus. Aktualisiert 18.09.2025. cdc.gov
  • [9] Castilletti C, Huits R, Mantovani RP, et al. Replication-competent Oropouche virus in semen of traveler returning to Italy from Cuba, 2024. Emerg Infect Dis. 2024;30(12):2684–2686. doi:10.3201/eid3012.241470
  • [10] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), §§ 6 und 7. gesetze-im-internet.de
  • [11] Rossini G, Mola B, Rampini A, et al. Virological findings in a case of travel-associated Oropouche virus (OROV) infection imported to Italy, June 2024. Travel Med Infect Dis. 2025;66:102874. doi:10.1016/j.tmaid.2025.102874
  • [12] World Health Organization. WHO guidelines for clinical management of arboviral diseases: dengue, chikungunya, Zika and yellow fever. Genf: WHO, 2025. who.int
  • [13] Pinheiro FP, Travassos da Rosa AP, Gomes ML, et al. Transmission of Oropouche virus from man to hamster by the midge Culicoides paraensis. Science. 1982;215(4537):1251–1253. doi:10.1126/science.6800036
  • [14] Jansen S, Lühken R, Höller P, et al. Risk assessment of Oropouche virus transmission by mosquitoes in Europe. J Infect Dis. 2025;232(6):e916–e919. doi:10.1093/infdis/jiaf356

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