Kurzüberblick
Zika ist eine durch Aedes-Mücken übertragene Flavivirus-Infektion. Etwa 80 % verlaufen ohne Symptome, sonst meist mild mit juckendem Exanthem, Konjunktivitis und leichtem Fieber [1][2].
Bedeutsam ist die Infektion in der Schwangerschaft. Sie kann ein kongenitales Zika-Syndrom mit Mikrozephalie auslösen, auch wenn die Mutter keine Symptome hatte. Anders als Dengue und Chikungunya wird Zika auch sexuell übertragen [3][4].
2024 wurden in Deutschland 34 Fälle gemeldet, meist nach Thailand [5]. Dengue und Malaria immer parallel ausschließen [6].
Siehe auch Fieber bei Reiserückkehrern, Dengue, Chikungunya und Oropouche.
Steckbrief
| Merkmal | Zika |
|---|---|
| Erreger | Zika-Virus (Flavivirus, Familie Flaviviridae). Nach der Infektion wahrscheinlich lebenslange Immunität [2][7] |
| Verbreitung | Tropen und Subtropen, Nachweis in 92 Ländern, seit 2017 rückläufig. Heute vor allem Südostasien, Amerika und Pazifik. Infektionsländer deutscher Fälle 2024: Thailand, Malediven, Sri Lanka, Vietnam [3][5]. Aktuelle Länder bei ECDC und CDC prüfen |
| Übertragung | Stich von Aedes aegypti und Aedes albopictus, vor allem tagsüber. Sexuell, auch von Infizierten ohne Symptome. Von der Schwangeren auf das Kind, unter der Geburt, über Blut und Organe [2][8] |
| Inkubation | meist 3–14 Tage [3][9] |
| Ansteckung | sexuell über Wochen bis Monate. Sonst nicht von Mensch zu Mensch, Standardhygiene. In der ersten Krankheitswoche können heimische Tigermücken infiziert werden [4][10] |
| Isolierung | keine. In der Mückensaison Mückenschutz in der ersten Krankheitswoche und nach der Reise [11][10] |
| Meldepflicht | Labormeldung nach § 7 Abs. 1 Nr. 50a IfSG. Schwangerschaft und mögliche sexuelle Übertragung angeben [12][13] |
Red Flags
Für Zika gibt es keine Einteilung nach Schweregrad, die WHO verlangt eine individuelle Einschätzung [2]. Stationäre Abklärung bei:
- aufsteigenden Lähmungen, fehlenden Reflexen, Schluckstörung oder Atemschwäche (Guillain-Barré-Syndrom) [1][4]
- Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, Meningismus, Querschnittszeichen (Enzephalitis, Myelitis) [1]
- Sehstörung, rotem schmerzhaftem Auge (Uveitis) [1]
- Blutungszeichen oder starkem Thrombozytenabfall (an Dengue denken) [1]
- Dengue-Warnzeichen: bis zum Ausschluss wie Dengue behandeln [3]

Keine NSAR und keine Acetylsalicylsäure, bis Dengue ausgeschlossen ist. Zika und Dengue sind zu Beginn klinisch nicht sicher zu unterscheiden, Koinfektionen kommen vor [14][3][10].

Schwangere mit Symptomen nach Reise oder nach Sex mit einem Reiserückkehrer: am selben Tag testen und an die Gynäkologie bzw. Pränatalmedizin weiterleiten [15][3].
Klinik
- Meist ohne Symptome (etwa 80 %). Wenn Symptome, dann über 2–7 Tage [1].
- Makulopapulöses, oft juckendes Exanthem. Der Juckreiz unterscheidet Zika gut von Dengue und Chikungunya [2][16].
- Nicht-eitrige Konjunktivitis, leichtes Fieber, Gelenkschmerzen an Händen und Füßen, Muskel- und Kopfschmerzen, Ödeme [1][10].
- Komplikationen: Guillain-Barré-Syndrom (etwa 2 pro 10.000 Infektionen), selten Enzephalitis, Myelitis, Uveitis, schwere Thrombozytopenie [4][1].
Kongenitales Zika-Syndrom: schwere Mikrozephalie, intrakranielle Verkalkungen, Augenveränderungen, Kontrakturen, Hörverlust, dazu Fehl-, Tot- und Frühgeburt. Etwa 5–15 % der Kinder infizierter Mütter haben Folgen, eine schwere Mikrozephalie tritt bei etwa 1,5 % auf (ohne Zika 0,3 %) [3][17].
Diagnostik
Immer zuerst die Reiseroute und mögliche sexuelle Exposition erfragen. Dengue und Malaria parallel ausschließen [6][18].
Nach Krankheitstag
| Krankheitstag | Test | Hinweis |
|---|---|---|
| 1–7 | PCR aus Serum, Dengue mittesten | kurze Virämie, eine negative PCR schließt Zika nicht aus [18][10] |
| bis etwa 14 | zusätzlich PCR aus Urin | RNA im Urin länger nachweisbar als im Blut [10][19] |
| ab Tag 5–7 | IgM und IgG, Folgeprobe nach 1–2 Wochen | starke Kreuzreaktion mit Dengue, Gelbfieber, FSME, Japanischer Enzephalitis und nach Impfungen. Bestätigung im Referenzlabor [18][10][11] |
| Schwangere | PCR aus Serum und Urin, IgM, bis 12 Wochen nach Symptombeginn | Dengue mittesten [18] |
- Außerhalb bekannter Endemie- oder Ausbruchsgebiete ein einzelnes IgM durch PCR bestätigen [13].
- Basislabor wie bei Dengue: Blutbild mit Thrombozyten und Hämatokrit, Leberwerte, Kreatinin, CRP.
- Differenzialdiagnosen: Dengue, Chikungunya, Malaria, Masern, Röteln, Parvovirus B19, Leptospirose, Rickettsiosen, akute HIV-Infektion [1][10].
- Nach Aufenthalt in Lateinamerika oder der Karibik auch an Oropouche denken. Das Bild gleicht Dengue, Rückfälle nach Tagen bis Wochen sind typisch.
- Kein Test bei Menschen ohne Symptome, um das Risiko einer sexuellen Übertragung abzuschätzen [8].
Therapie
Es gibt keine antivirale Therapie und keine Indikation für Antibiotika [2][14].
Symptomatische Therapie
- 1. Wahl
- Paracetamol – 500 mg bis 1 g po alle 4–6 h, höchstens 4 g pro Tag [2]
- bei störendem Juckreiz
- Antihistaminikum als Option [10]
- Hinweise
- Ruhe und ausreichend Flüssigkeit [14].
- Keine NSAR, keine Acetylsalicylsäure, bis Dengue ausgeschlossen ist [2][14].
- Keine Kortikosteroide bei nicht schwerer Erkrankung [2].
- Guillain-Barré-Syndrom: Behandlung nach neurologischem Standard.
- Stillen fortsetzen [16][14].
Schwangerschaft
Empfehlung CDC 2025. Eine deutsche gynäkologische Empfehlung zu Zika liegt nicht vor [15].
- Jede Schwangere mit Symptomen nach Reise oder nach Sex mit einem Reiserückkehrer testen: PCR aus Serum und Urin, IgM [18][3].
- Bei bestätigter oder möglicher Infektion Anbindung an die Pränatalmedizin. Ultraschall alle 3–4 Wochen mit Neurosonographie und Wachstum. Amniozentese individuell, nicht vor der 15. Schwangerschaftswoche [15].
- Schwangere ohne Symptome nach Reise: Beratung und Testentscheidung mit Pränatalmedizin und Tropeninstitut [15][19].
- Neugeborene nach der Geburt untersuchen und testen (Serum, Urin) [15].
Prävention und Beratung
- Kein Impfstoff. Ganztägiger Mückenschutz mit Repellentien, bedeckender Kleidung und Moskitonetz. Repellentien sind in der Schwangerschaft nach Gebrauchsanweisung erlaubt [3][14].
- Schwangere sollten nicht notwendige Reisen in Gebiete mit laufender Übertragung verschieben [4][20].
- Nach der Rückkehr in der Mückensaison mindestens 2–3 Wochen Mückenschutz, Erkrankte vor allem in der ersten Krankheitswoche [11][9][10].
Fristen nach Rückkehr, auch ohne Symptome
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Männer | mindestens 3 Monate Kondom oder Verzicht [4][8] |
| Frauen | mindestens 2 Monate Kondom oder Verzicht [4][8] |
| Kinderwunsch | Frauen mindestens 2 Monate, Männer mindestens 3 Monate keine Empfängnis. Reisen beide, 3 Monate [4][19][7] |
| Partner einer Schwangeren | Kondom oder Verzicht für die gesamte Schwangerschaft [4] |
Ein Antikörpertest zur Verkürzung dieser Fristen wird nicht empfohlen. Das Virus wird im Sperma zeitweise ausgeschieden, ein negativer Test kann falsch beruhigen [8]. Die ältere RKI-FAQ von 2019 bietet einen solchen Test ab Tag 28 noch an [19].
Quellen & Hinweise
- [1] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical signs and symptoms of Zika virus disease. Stand 30.01.2025. cdc.gov
- [2] World Health Organization. WHO guidelines for clinical management of arboviral diseases: dengue, chikungunya, Zika and yellow fever. Genf: WHO, 2025. who.int
- [3] World Health Organization. Zika virus. Fact sheet. 06.11.2025. who.int
- [4] World Health Organization. WHO guidelines for the prevention of sexual transmission of Zika virus. Genf: WHO, 2020. who.int
- [5] Bös L, Enkelmann J. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten – Importierte Infektionskrankheiten 2024. Epid Bull. 2025;(48):3–22. doi:10.25646/13568
- [6] Paquet D, Jung L, Trawinski H, Wendt S, Lübbert C. Fieber bei Reiserückkehrern. Dtsch Arztebl Int. 2022;119(22-23):400–407. doi:10.3238/arztebl.m2022.0182
- [7] Auswärtiges Amt. Zikavirus-Infektionen. Merkblatt, 15.11.2022. auswaertiges-amt.de
- [8] Centers for Disease Control and Prevention. Sexual transmission of Zika virus. Aktualisiert 14.09.2026. cdc.gov
- [9] Martin SW, Meaney-Delman D, Staples JE. Zika. In: CDC Yellow Book 2026. Atlanta: CDC, 2025. cdc.gov
- [10] European Centre for Disease Prevention and Control. Factsheet about Zika virus disease. Aktualisiert 31.05.2021. ecdc.europa.eu
- [11] Lachmann R, Frank C, Jung-Sendzik T. Saison 2026 stechmückenübertragener Krankheitserreger in Deutschland beginnt. Epid Bull. 2026;(25):12–15. doi:10.25646/14274
- [12] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz), § 7. gesetze-im-internet.de
- [13] Robert Koch-Institut. Falldefinitionen des RKI 2026: Zikavirus-Erkrankung. Stand 01.01.2026. rki.de
- [14] Centers for Disease Control and Prevention. Treatment and prevention of Zika virus disease. Stand 31.01.2025. cdc.gov
- [15] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical considerations for pregnant women with possible Zika virus infection. Stand 31.01.2025. cdc.gov
- [16] Pan American Health Organization. Guidelines for the clinical diagnosis and treatment of dengue, chikungunya, and Zika. Washington, D.C.: PAHO, 2022. doi:10.37774/9789275124871
- [17] Zika Virus Individual Participant Data Consortium. Adverse fetal and perinatal outcomes associated with Zika virus infection during pregnancy: an individual participant data meta-analysis. EClinicalMedicine. 2025;83:103231. doi:10.1016/j.eclinm.2025.103231
- [18] Centers for Disease Control and Prevention. Clinical testing and diagnosis for Zika virus disease. Stand 19.11.2025. cdc.gov
- [19] Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen: Zikavirus-Infektionen. Stand 24.10.2019. rki.de
- [20] Ständige Impfkommission, Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit. Empfehlungen der STIKO und der DTG zu Reiseimpfungen. Epid Bull. 2026;(27):1–112. doi:10.25646/14248
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