Kurzüberblick
Die ambulant erworbene Pneumonie (CAP) entsteht außerhalb des Krankenhauses oder in den ersten 48 h nach Aufnahme. Etwa die Hälfte der Erkrankten wird stationär behandelt [1]. Die Krankenhausletalität lag 2024 bei 13 %. Ohne palliatives Therapieziel bei 6 %, mit palliativem Therapieziel bei 64 % [2].
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad (leicht, mittelschwer, schwer) und nach Funktionalität und Therapieziel. Die Farben der Schweregrade finden sich in den Therapiekarten und bei der Therapiedauer wieder.
Grundlage ist die S3-Leitlinie 2021 [3]. Sie ist abgelaufen, eine Neufassung wird erwartet. Neuere Evidenz aus ERS/ESICM 2023, ATS 2025 und NICE 2025 ist ergänzt [4][5][6].
Infektiologische Rücksprache mit dem ABS-Team bzw. dem infektiologischen Konsildienst bei schwerer CAP, Legionellen, S. aureus, Pseudomonas oder anderen multiresistenten Erregern, Therapieversagen nach 72 h sowie Empyem oder Abszess. Bei Penicillinallergie zuerst das Risiko mit dem PEN-FAST-Rechner einschätzen.
Siehe auch Sepsis und septischer Schock und Tuberkulose.
Red Flags
- Majorkriterium (Beatmung, Vasopressoren) oder mehr als 2 Minorkriterien: Notfall, Intensivstation erwägen [3]
- SpO2 unter 90 % unter Raumluft, Atemfrequenz ≥ 30/min
- Laktat über 2 mmol/l, neue Verwirrtheit, Hypotonie
- Keine Besserung nach 72 h: Therapieversagen – Diagnose, Erreger und Komplikationen prüfen (Empyem, Abszess, resistente oder nicht erfasste Erreger) [3]
- Pleuraerguss: punktieren (Empyem?)
- Legionellen-Verdacht (schwerer Verlauf, Durchfall, Hyponatriämie, Reise, Ausbruch)
Einteilung
Pneumonie-Triade
| Bezeichnung | Ort der Entstehung | Immunstatus |
|---|---|---|
| ambulant erworbene Pneumonie (CAP) | außerhalb des Krankenhauses oder ≤ 48 h nach Aufnahme | immunkompetent |
| nosokomiale Pneumonie (HAP) | > 48 h nach Krankenhausaufnahme | immunkompetent |
| Pneumonie bei schwerer Immunsuppression | ambulant oder im Krankenhaus | schwer immunsupprimiert |
- Schwere Immunsuppression, u. a.: Neutropenie unter 1000/µl. Prednisolon ≥ 20 mg/d über ≥ 14 Tage bzw. kumulativ über 700 mg. Organ- oder Stammzelltransplantation. Aktive hämatologische Erkrankung. HIV mit CD4 unter 200/µl. Angeborene Immundefekte und Antikörpermangel [3].
- Keine schwere Immunsuppression: Nieren- oder Lebererkrankung, Diabetes, strukturelle Lungenerkrankung ohne systemische Steroide, Tumor ohne Neutropenie.
- Die Pneumonie aus dem Pflegeheim (NHAP) ist eine Form der CAP. Das Konzept der HCAP wird nicht mehr verwendet, weil es multiresistente Erreger nicht vorhersagte [3].
Funktionalität und Therapieziel
Gruppen nach S3-Leitlinie
- Gruppe 1a: Bettlägerigkeit unter 50 % des Tages. Kurativ. Behandlung nach Schweregrad
- Gruppe 1b: Pflegeheim und/oder Bettlägerigkeit ≥ 50 % des Tages. Kurativ. Der CRB-65 schließt hier ein erhöhtes Risiko nicht aus. Begrenzungen nach Patientenwillen möglich (kein Krankenhaus, keine Intensivstation, kein Organersatz)
- Bei Therapieversagen oder Komplikationen das Therapieziel neu bewerten. Hospitalisierte Patient:innen der Gruppe 1b auf multiresistente Erreger untersuchen
- Gruppe 2: schwere Komorbidität mit infauster Prognose. Therapieziel Palliation [3]
Schweregrad
CRB-65
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| C: Bewusstseinstrübung (confusion) | 1 |
| R: Atemfrequenz ≥ 30/min | 1 |
| B: Blutdruck systolisch unter 90 mmHg oder diastolisch ≤ 60 mmHg | 1 |
| 65: Alter ≥ 65 Jahre | 1 |
| CRB-65 | Letalität ambulant und stationär (CAPNETZ) | Letalität hospitalisiert |
|---|---|---|
| 0 Punkte | 0 % | 2 % |
| 1–2 Punkte | 6 % | 13 % |
| 3–4 Punkte | 23 % | 34 % |
Zusätzlich bewerten: Oxygenierung (ambulant nur bei SaO2 über 92 %), instabile Komorbidität (vor allem kardial) und Funktionalität [3].
Minor- und Majorkriterien
- Majorkriterien: Intubation und Beatmung. Vasopressoren (septischer Schock)
- Minorkriterien: PaO2 ≤ 55 mmHg (≤ 7 kPa) unter Raumluft. Atemfrequenz ≥ 30/min. Multilobäre Infiltrate. Neue Bewusstseinsstörung. Hypotonie mit aggressiver Volumentherapie. Akutes Nierenversagen. Leukozyten unter 4000/µl. Thrombozyten unter 100 000/µl. Körpertemperatur unter 36 °C [3]
Schweregrad und Behandlungsort
| Schweregrad | Kriterien | Behandlungsort |
|---|---|---|
| leicht | CRB-65 = 0, SaO2 über 92 %, keine instabile Komorbidität, gute Funktionalität | ambulant, wenn orale Einnahme gesichert |
| mittelschwer | 1–2 Minorkriterien, instabile Komorbidität oder Laktat über 2 mmol/l. Alle, die weder leicht noch schwer sind | stationär, intensivierte Überwachung bis zur Stabilisierung |
| schwer | mehr als 2 Minorkriterien oder ein Majorkriterium (Vasopressoren, NIV oder Beatmung) | Notfall. Intensivstation erwägen, bei Beatmung, Schock und Multiorganversagen immer |
Schweregrad nach S3-Leitlinie [3]. Die Farben gelten auch für Therapiekarten und Therapiedauer.
Diagnostik
Basisdiagnostik
- Röntgen-Thorax oder Thoraxsonographie
- Blutbild, CRP oder PCT, Kreatinin, Elektrolyte. Blutgasanalyse mit Laktat und Oxygenierung
- stationär: 2 Sets Blutkulturen. Sputum bzw. Trachealsekret [3]
- Legionellen-Antigen im Urin bei allen stationären mittelschweren und schweren CAP [3]
- Influenza und SARS-CoV-2 per PCR während der Saison. Antigen-Schnelltests sind weniger empfindlich. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht aus [3]
- Pneumokokken-Antigen im Urin kann die Therapie fokussieren [3]
- Mykoplasmen und Chlamydien: PCR aus Rachenabstrich, Sputum oder BAL bei Verdacht (jüngere Patient:innen, Häufung). Die Serologie ist für die Akutdiagnose ungeeignet: IgM fehlt bei Erwachsenen oft (Reinfektion) und kann lange bestehen bleiben. Ein isoliertes IgM ist kein sicherer Nachweis [9].
Sputum richtig bewerten
Ein Sputum ist verwertbar, wenn es überwiegend Granulozyten und kaum Plattenepithelien enthält [3]. S. aureus, Enterobacterales und P. aeruginosa sprechen nur bei gutem Sputum und Reinkultur für den Erreger. Keine Pneumonieerreger sind: vergrünende Streptokokken, koagulasenegative Staphylokokken, Enterokokken, Corynebakterien, Neisserien (außer N. meningitidis), Haemophilus spp. außer H. influenzae und Candida [3].
Therapie
Grundsätze
- Erste Gabe sofort. Volle Tagesdosis in den ersten 24 h, unabhängig von der Nierenfunktion [3].
- Mittelschwere und schwere CAP initial i.v., dann oral (Sequenztherapie) [3].
- Makrolid: bei schwerer CAP immer, bei mittelschwerer im Einzelfall. Nach 3 Tagen absetzen, wenn keine atypischen Erreger nachgewiesen sind [3]. Auf der Intensivstation bevorzugt Clarithromycin (zusätzlich entzündungshemmende Wirkung [10]), sonst Azithromycin (weniger Wechselwirkungen, geringeres QT-Risiko).
- Nach Erregernachweis gezielt fokussieren (Abschnitt Gezielte Therapie).

Wann ein Makrolid? Atypische Erreger
Leichte CAP: kein Makrolid als Standard. Amoxicillin auch bei jüngeren Patient:innen. Makrolid oder Doxycyclin nur bei Penicillinallergie [3]. Mittelschwere CAP: Makrolid zusätzlich im Einzelfall [3]. Dafür sprechen jüngeres Alter, eine Häufung von Fällen, fehlendes Ansprechen auf ein Betalaktam und Verdacht auf Legionellen. Dagegen kardiale Komorbidität, QT-Verlängerung und Wechselwirkungen. Schwere CAP: immer mit Makrolid (Legionellen) [3].
M. pneumoniae betrifft vor allem ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene [9]. In Deutschland waren 2015–2024 drei Viertel der Nachweise bei unter 18-Jährigen, nur 2 % bei über 60-Jährigen [11]. Epidemien treten alle 3–7 Jahre auf, zuletzt 2023/24 weltweit [9][12]. C. pneumoniae ist in deutschen CAP-Studien selten (etwa 1 %) [9]. Klinik und Röntgenbild trennen atypische Erreger nicht sicher von Pneumokokken [13].
Dauer: Das Makrolid nach 3 Tagen beenden, wenn bei klinischer Stabilisierung kein atypischer Erreger nachgewiesen ist. Grund sind Deeskalation und weniger Toxizität [3]. Bei Nachweis von M. pneumoniae oder C. pneumoniae Makrolid für insgesamt 5 Tage, bei schwerer CAP 7 Tage. Alternative Doxycyclin (Abschnitt Gezielte Therapie). Kein Ansprechen bei M. pneumoniae: an Makrolidresistenz denken (Deutschland etwa 3 %, Ostasien sehr häufig) und auf Doxycyclin wechseln [9][12].
Leichte CAP ohne Komorbidität
- 1. Wahl
- Amoxicillin – 3x 1000 mg po
- bei Penicillinallergie
- Doxycyclin – 1x 200 mg po
- ab der 16. Schwangerschaftswoche kontraindiziert [14]
- oder Azithromycin – 1x 500 mg po für 3 Tage
- Doxycyclin – 1x 200 mg po
- nachrangig
- Levofloxacin – 2x 500 mg iv oder po
Leichte CAP mit Komorbidität
- 1. Wahl
- Amoxicillin/Clavulansäure – 2–3x 875/125 mg po
- bei schwerer Sofortreaktion auf Penicilline
- Levofloxacin – 2x 500 mg iv oder po
- Hinweise
- Komorbiditäten: chronische Herzinsuffizienz, ZNS-Erkrankung mit Schluckstörung, schwere COPD oder Bronchiektasen, Bettlägerigkeit, PEG [3].
- Doxycyclin erfasst Enterobacterales schlecht und ist hier nicht geeignet.
Mittelschwere CAP
- 1. Wahl
- Ampicillin/Sulbactam – 3x 3 g iv
- oder Amoxicillin/Clavulansäure – 3x 2,2 g iv
- Alternative
- Cefuroxim – 3x 1,5 g iv
- ggf. zusätzlich
- Azithromycin – 1x 500 mg iv oder po für 3 Tage
- bei schwerer Sofortreaktion auf Betalaktame
- Levofloxacin – 2x 500 mg iv oder po
- Hinweise
- Nach Stabilisierung oral: Amoxicillin/Clavulansäure 2–3x 875/125 mg [3].
- Makrolid-Zusatz im Einzelfall, vor allem bei Verdacht auf atypische Erreger. Bei kardialer Komorbidität zurückhaltend [3].
Schwere CAP
- 1. Wahl
- Piperacillin/Tazobactam – 4x 4,5 g iv. Auf ITS/IMC erste Gabe über 30 min, danach jeweils über 4 h. Auf Normalstation als Kurzinfusion
- Prolongierte Infusion nur auf ITS/IMC. Die S3-Leitlinie fordert sie nicht, eine Metaanalyse zeigt bei Sepsis eine geringere Letalität [15].
- Piperacillin/Tazobactam – 4x 4,5 g iv. Auf ITS/IMC erste Gabe über 30 min, danach jeweils über 4 h. Auf Normalstation als Kurzinfusion
- plus
- Clarithromycin – 2x 500 mg iv für 3 Tage
- Wechselwirkungen über CYP3A4 (Statine, Antikoagulanzien) und QT-Verlängerung beachten
- Clarithromycin – 2x 500 mg iv für 3 Tage
- bei Penicillinallergie
- Spätreaktion: Ceftriaxon – 1x 2 g iv – plus Clarithromycin
- schwere Sofortreaktion: Levofloxacin – 2x 500 mg iv. Als Monotherapie nicht bei septischem Schock [3], dann Rücksprache
- Hinweise
- Mindestens 3 Tage i.v., danach Sequenztherapie möglich [3].
- Hydrocortison erwägen (Box unten).

Penicillinallergie: zuerst die Diagnose klären
Mit dem PEN-FAST-Rechner das Risiko einschätzen. Entscheidend ist die Art der Reaktion: Sofortreaktion (Typ I, z. B. Anaphylaxie, Urtikaria) oder Spätreaktion (Typ IV, z. B. Exanthem nach Tagen). Ein Exanthem wird oft als Allergie geführt und nie hinterfragt [16].
Bei nicht schwerer Spätreaktion sind Cefuroxim und Ceftriaxon meist möglich. Bei schweren Reaktionen bleiben alle Betalaktame kontraindiziert [3]. Fluorchinolone sind wegen ihres Nebenwirkungsprofils nachrangig (Rote-Hand-Brief 2019).

Kortikosteroide
Septischer Schock ohne Ansprechen auf Volumen und Vasopressoren: Hydrocortison [3].
Schwere CAP auf der Intensivstation (Beatmung, High-Flow mit hohem Sauerstoffbedarf): Hydrocortison 200 mg/d i.v. früh, innerhalb von 24 h, erwägen. In CAPE COD sank die 28-Tage-Letalität von 11,9 % auf 6,2 % [17]. ATS 2025 und NICE 2025 empfehlen es [5][6]. REMAP-CAP fand mit festem 7-Tage-Schema keinen Nutzen [18]. Nicht bei Influenza, Verdacht auf Aspergillose oder nicht schwerer CAP.
Sondersituationen
Legionellen
- gleichrangig
- Levofloxacin – 2x 500 mg iv oder po
- oder Azithromycin – 1x 500 mg iv oder po
- Hinweise
- Fluorchinolon nach S3 1. Wahl. Azithromycin war in Kohorten gleichwertig, Clarithromycin schnitt schlechter ab [3][19].
- Urinantigen erfasst nur Serogruppe 1: bei Verdacht zusätzlich PCR aus Sputum oder Trachealsekret.
- Meldepflicht für das Labor (§ 7 IfSG).
Aspirationspneumonie
- 1. Wahl
- Ampicillin/Sulbactam – 3x 3 g iv
- oral: Amoxicillin/Clavulansäure – 2–3x 875/125 mg po
- Hinweise
- Keine zusätzliche Abdeckung von Anaerobiern (kein Metronidazol, kein Clindamycin): kein Nutzen, mehr C. difficile [20][21].
- Aspirationspneumonitis ohne Infektzeichen nicht antibiotisch behandeln [20].
Pseudomonas-Risiko
- Risiko: schwere COPD (GOLD IV, häufige Exazerbationen), Bronchiektasen, bekannte Besiedlung, Bettlägerigkeit oder PEG [3]
- 1. Wahl
- Piperacillin/Tazobactam – 4x 4,5 g iv. Auf ITS/IMC erste Gabe über 30 min, danach jeweils über 4 h. Auf Normalstation als Kurzinfusion
- bei schwerer CAP plus Clarithromycin
- Kombination – nur bei septischem Schock oder bekannter Besiedlung mit resistentem P. aeruginosa bzw. pseudomonaswirksamer Vorbehandlung: zusätzlich bis zum Antibiogramm
- Ciprofloxacin – 3x 400 mg iv
- nach 48–72 h nach Antibiogramm absetzen
- Ciprofloxacin – 3x 400 mg iv
- Hinweise
- Die S3-Leitlinie nennt im Text eine Kombination zweier pseudomonaswirksamer Substanzen bei mittelschwerer und schwerer CAP [3]. ATS/IDSA empfehlen ein pseudomonaswirksames Betalaktam allein [20]. Die S3-Leitlinie zur nosokomialen Pneumonie kombiniert nur bei septischem Schock [22].
- Ist die Monotherapie wirksam, ist sie der Kombination gleichwertig. Die Kombination erhöht nur die Chance, dass initial eine Substanz wirkt [23][24]. Deshalb hier nur bei septischem Schock oder Resistenzrisiko.
- Aminoglykoside nicht als Partner: mehr Nierenschäden, bei P. aeruginosa nicht allein wirksam.

Pseudomonas-Risiko allein ist kein Grund für eine Kombination. Standard ist Piperacillin/Tazobactam allein. Ciprofloxacin kommt nur bei septischem Schock oder bekannter Resistenz hinzu und wird nach dem Antibiogramm wieder abgesetzt. Pip/Taz oder Carbapenem: Kapitel Piperacillin/Tazobactam oder Carbapenem?.
MRSA-Risiko
- nur bei Risiko (bekannte MRSA-Besiedlung oder -Nachweis, nekrotisierende Pneumonie nach Influenza): zusätzlich
- Linezolid – 2x 600 mg iv oder po
- nicht bei Bakteriämie [3]
- höchstens 28 Tage
- Linezolid – 2x 600 mg iv oder po
- bei Bakteriämie
- Vancomycin – nach Dosierungsschema. Kapitel S.-aureus-Bakteriämie
Influenza
- zusätzlich
- Oseltamivir – 2x 75 mg po für 5 Tage
- auch mehr als 48 h nach Symptombeginn [25]
- Oseltamivir – 2x 75 mg po für 5 Tage
- Hinweise
- Bei Pneumonie und Influenza antiviral und antibakteriell behandeln. Häufige Superinfektion mit Pneumokokken und S. aureus [3].
- Keine systemischen Steroide bei Influenza-Pneumonie [3].
Hinweise zu den Substanzen
- Niereninsuffizienz: erste 24 h volle Dosis, danach anpassen (Dosierung bei Niereninsuffizienz) [3].
- Fluorchinolone: nachrangig (Sehnen, Aorta, QT, ZNS). Meiden bei Älteren über 80 Jahre, unter systemischen Steroiden und bei Aortenaneurysma [3].
- Fluorchinolone und Tuberkulose: Bei Risikofaktoren für eine Tuberkulose (Herkunft aus einem Hochprävalenzland, Kaverne, Oberlappeninfiltrat, Husten über 3 Wochen, Gewichtsverlust) vor einem Fluorchinolon Sputum auf Mykobakterien abnehmen. Fluorchinolone verzögern die Diagnose, und ein Ansprechen schließt eine Tuberkulose nicht aus. Siehe Kapitel Tuberkulose.
- Schwangerschaft: Betalaktame bevorzugen. Doxycyclin ab der 16. Schwangerschaftswoche kontraindiziert. Fluorchinolone nur als Reserve [14].
- Linezolid: höchstens 28 Tage.
Therapiedauer und Oralisierung
| Situation | Dauer |
|---|---|
| leichte CAP | 5 Tage, wenn seit mindestens 2 Tagen klinisch stabil. Kürzer bei rascher Stabilisierung |
| mittelschwere CAP | 5 Tage, wenn seit mindestens 2 Tagen klinisch stabil. Kürzer bei rascher Stabilisierung |
| schwere CAP | 7 Tage, mindestens 3 Tage i.v. |
| Legionellen | 7–10 Tage nach Verlauf |
| M. pneumoniae, C. pneumoniae | 5 Tage, bei schwerer CAP 7 Tage |
| S. aureus mit Bakteriämie | nach Kapitel S.-aureus-Bakteriämie |
| Empyem, Abszess | länger, Abschnitt Erguss, Empyem und Abszess |
Nach S3-Leitlinie [3].
Klinische Stabilität
Herzfrequenz ≤ 100/min, Atemfrequenz ≤ 24/min, systolischer Blutdruck ≥ 90 mmHg, Temperatur ≤ 37,8 °C, orale Aufnahme gesichert, Bewusstsein wie vorher, SaO2 ≥ 90 % (pO2 ≥ 60 mmHg) unter Raumluft [3]. In den ersten 48–72 h mindestens täglich prüfen. CRP oder PCT an Tag 3–4 kontrollieren.
- Nach Stabilisierung auf oral umstellen, meist an Tag 3–5 [3].
- Keine Besserung nach 72 h: Therapieversagen abklären, nicht nur das Antibiotikum wechseln.

Studien zu kürzerer Therapie
Bei Patient:innen auf Normalstation, die nach 3 Tagen stabil waren, war das Absetzen nach 3 Tagen einer Therapie über 8 Tage nicht unterlegen (PTC) [26]. ATS 2025 und NICE 2025 nennen ebenfalls kurze Regime bei Stabilität [5][6].
Gezielte Therapie
Nach Erregernachweis bei stabilen Patient:innen fokussieren [3].
| Erreger | 1. Wahl | Alternative |
|---|---|---|
| S. pneumoniae | Penicillin G iv, dann Amoxicillin po | Cefuroxim. Ceftriaxon |
| H. influenzae | Ampicillin bzw. Amoxicillin (nach Antibiogramm) | Ampicillin/Sulbactam bzw. Amoxicillin/Clavulansäure. Ceftriaxon |
| M. pneumoniae, C. pneumoniae | Azithromycin bzw. Clarithromycin, insgesamt 5 Tage | Doxycyclin |
| C. burnetii | Doxycyclin | – |
| Legionella spp. | Levofloxacin oder Azithromycin | – |
| S. aureus (MSSA) | Cefazolin oder Flucloxacillin | bei Bakteriämie Kapitel S.-aureus-Bakteriämie |
| S. aureus (MRSA) | Linezolid (nicht bei Bakteriämie) oder Vancomycin | – |
| E. coli, Klebsiella (ohne ESBL) | nach Antibiogramm: Ampicillin/Sulbactam, Amoxicillin/Clavulansäure oder Cefuroxim | Ceftriaxon. Fluorchinolon nur, wenn kein Betalaktam möglich |
| Enterobacterales mit ESBL | Ertapenem | Meropenem |
| P. aeruginosa | Piperacillin/Tazobactam | Ceftazidim, Meropenem. Ciprofloxacin nach Antibiogramm |
Bei schwerer bakteriämischer Pneumokokken-Pneumonie unter Penicillin G das Makrolid über 3 Tage fortführen [3].
Erguss, Empyem und Abszess
- Jeden parapneumonischen Erguss früh punktieren: Aussehen, pH, Gramfärbung, Kultur aerob und anaerob [3]
- Drainage bei pH unter 7,2, Eiter, Bakteriennachweis oder Kammerung. Bei unzureichender Drainage intrapleural t-PA und DNase zusammen oder VATS [3][27]
- Antibiotika müssen bei Pleurainfektion Anaerobier erfassen: Ampicillin/Sulbactam bzw. Amoxicillin/Clavulansäure [3]
- Lungenabszess: CT, ggf. Bronchoskopie. Therapie bis zur radiologischen Rückbildung, oft 4–8 Wochen [3]
Erreger und Epidemiologie
Häufigste Erreger sind S. pneumoniae, H. influenzae, M. pneumoniae (vor allem unter 60 Jahren) und saisonal Influenza- und RS-Viren. Legionella, Chlamydophila und C. burnetii sind selten [3]. Das Erregerspektrum hat sich nicht zu multiresistenten Erregern verschoben [3].
| Risikofaktor | zusätzliche Erreger |
|---|---|
| chronische Herzinsuffizienz | Enterobacterales (z. B. K. pneumoniae, E. coli) |
| ZNS-Erkrankung mit Schluckstörung | S. aureus (MSSA), Enterobacterales, Anaerobier |
| schwere COPD (GOLD IV, häufige Exazerbationen), Bronchiektasen | P. aeruginosa |
| Bettlägerigkeit, PEG | S. aureus (MSSA), Enterobacterales, P. aeruginosa |
Resistenz in Deutschland
- S. pneumoniae (invasiv, 2024): penicillin-nicht-empfindlich 5,8 %, makrolidresistent 6,6 % [28]
- H. influenzae: amoxicillinresistent etwa 14 %, cefuroximresistent etwa 19 % [29]
- M. pneumoniae: makrolidresistent etwa 3 %, auch in der Welle 2023/24 [9]
Quellen & Hinweise
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